Das vergisst man gerne: Wenn eines schönen Tages im Jahre 2016 das letzte Giftfass verschwunden und auch der kontaminierte Felsuntergrund abgetragen ist, dann ist erst eine wichtige Etappe zu Ende. Bis zu einer neuen, sinnvolleren Nutzung der einstigen Tongrube Kölliken vergehen mit Sicherheit weitere Jahre. «Für den Abbruch der Hallen rechnen wir mit neun bis zwölf Monaten», sagt SMDK-Geschäftsführer Benjamin U. Müller. Das ist noch knapp gerechnet, denn die Abbauhalle überspannt 33000 Quadratmeter, die Manipulationshalle 8000 und die Lagerhalle immer noch 5000 Quadratmeter. Der Abbau der Hallen fällt optisch stark ins Gewicht, aber bis es hier eine normale Landschaft gibt, könnte es 2022 oder 2023 werden.

Hallen müssen zwingend weg

Auswärtige Besucher und Vorbeifahrende auf der nahen Autobahn entwickeln bei der grössten stützfreien Halle Europas eine fast grenzenlose Fantasie, wie man die Rekordbauten nachnutzen könnte. Als ganzjährig nutzbare Skihalle, für stiebende Abfahrten und zum Langlaufen, für Tennisspieler, Fussballplätze. Als Einkaufstempel, Pferdezucht- und Springhalle, Gokartbahn oder Mountainbike-Parcours mit Schutz vor jedem Wetter. Von solchen Ideen wollen die Einheimischen nichts wissen. «Die Halle muss weg, das hat eine Umfrage bei der Bevölkerung schon vor vier Jahren ergeben», betont Gemeindeammann Roland Brauen.

Auffüllen mit Tunnel-Ausbruch

Die grossen Hallen sind nur für eine befristete Lebensdauer gebaut worden. Gut, ein paar Jahre könnten die Hallen noch bleiben, wenn die Anwohner das wünschen sollten – zum Schutz vor Staub und Lärm. Denn die Zukunft nach dem Ende bedeutet dies: Zwei bis drei Jahre Überwachung, bis das wegfliessende Sickerwasser sauber ist. Dann kommen Jahre des Auffüllens, «400000 bis 500000 Kubikmeter sind nötig, damit es keine Sicherung des Hanges mehr braucht», erklärt Benjamin U. Müller. Das Material muss sauber sein, was ja auf der Hand liegt, «unproblematisch wäre der Ausbruch aus einem Tunnel, den Gleisanschluss haben wir schon», fügt Müller bei.

Mit den SBB-Bauherren des künftigen Eppenbergtunnels für den Viergleis-Ausbau Olten–Aarau sei man in Kontakt. Eher zu spät dürfte der Chestenbergtunnel als neue Bahnlinie zwischen Rupperswil und dem Heitersberg-Westportal gebaut werden. So oder so macht sich das Konsortium als Landbesitzerin nicht allzu grosse Sorgen um das nötige Auffüllmaterial. Im Westaargau gibt es keine Deponie für Aushub- oder Ausbruch-Material, das notabene auch von weiter her kommen könnte. Deponieraum wird generell immer knapper, das Auffüllen wird schneller vorankommen als der Rückbau. Aber für die wirklich neue Zukunft von Kölliken «nach Kölliken» bestehen 15 Jahre Planungshorizont.

Mit Planung eine Lösung suchen

Mit Bahnanschluss, die Autobahn ganz in der Nähe, da könnte man doch Hightech-Unternehmen ansiedeln oder Wohnbauten realisieren. «Die raumplanerischen Leitplanken für dieses Gebiet werden sich aus dem Mitwirkungs- und Planungsverfahren ergeben», wendet Gemeindeammann Brauen ein. Im Moment geht der Trend in der Raumplanung zur Verdichtung nach innen. «Aktuell gibt es noch zentral gelegen und mitten in Kölliken attraktives Bauland», betont Roland Brauen. Ob mittel- bis längerfristig im Deponiegebiet überhaupt ein Bedarf nach Bauzonen entsteht, sei derzeit offen. Was indirekt auch heisst, die zur Hälfte noch existierende Sondermülldeponie befindet sich am Rand der 4200 Seelen zählenden Gemeinde. Den SMDK-Leuten ist längst klar, dass sie beim Verkauf des 70000 Quadratmeter grossen Geländes nicht reich werden. Das Langfristziel heisst Auflösung des Konsortiums – wenn keine Haftung mehr nötig ist und keine Folgekosten zu befürchten sind.

Grünland für Natur oder Tiere

Derzeit ist das Deponiegelände nur ein weisser Fleck im Zonenplan. «Es gilt, für die verschiedenen, teils überbauten Arealbereiche sinnvolle Lösungen zu finden», meint Ammann Brauen. Mit der Revision des Zonenplans sollte ein Lösungsansatz gefunden werden. «Eine künstliche Zone wollen wir nicht erfinden, sondern zusammen mit der Bevölkerung pragmatisch ans Werk gehen», meint Roland Brauen. Ein konkretes Projekt kann er also nicht aus dem Ärmel zaubern. Denkbar ist für die Bevölkerung ein Grünpark, ebenso eine Nutzung für die Bauern, die immer mehr Land verlieren.

Pro Natura Aargau würde noch so gerne helfen. «Projektideen sind vorhanden, wir denken an einen multifunktionalen Bereich, mit Amphibien, Biotop und nachhaltiger statt intensiver Bewirtschaftung», erklärt Geschäftsleiter Johannes Jenny. Eine Natur-Landschaft zur Erholung.