Aargauische Gebäudeversicherung
Aargauer Gebäudepark ist für 224 Milliarden Franken versichert

Ob die Gebäudeversicherung wirklich ein Vermögen von 1,14 Milliarden Franken braucht oder ob sie die Prämie senken kann, wollte SVP-Grossrat Daniel Wehrli wissen. Die Regierung sagt jetzt, warum eine Prämiensenkung nicht möglich ist – kündigt aber an, dass es 2022 eine hohe Rückvergütung gibt.

Mathias Küng
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Der bei der AGV versicherte aargauische Gebäudepark umfasst 232'000 Gebäude. Im Bild Häuser in Fisibach.

Der bei der AGV versicherte aargauische Gebäudepark umfasst 232'000 Gebäude. Im Bild Häuser in Fisibach.

Sandra Ardizzone / ZUR

Die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV), Bereich Feuer und Elementar, verfügt gemäss Jahresbericht per 31. Dezember 2020 über ein Vermögen von rund 1,14 Milliarden Franken. Als Hausbesitzer und Grossrat schätze er die Arbeit der AGV sehr, schreibt Grossrat Deniel Wehrli (SVP) in einer Interpellation. Der Grossteil der Häuser sei per Ende 2020 um rund 50 Prozent höher versichert als vor 20 Jahren, schreibt er weiter. In den letzten Jahren sei zudem der Brandschutzbereich stark verbessert worden.

SVP-Grossrat Daniel Wehrli.

SVP-Grossrat Daniel Wehrli.

HO

Wehrli wollte deshalb wissen, ob es notwendig sei, dass die AGV als Non-Profit-Organisation im Bereich Feuer und Elementar über ein so hohes Vermögen verfüge, beziehungsweise ob man die Feuerversicherungsprämie allgemein um 15 Prozent senken könnte.

Prämienrückvergütung von 40 Millionen Franken

Die Regierung verweist in ihrer Antwort jetzt auf die Gesetzeslage. Dieses verpflichte die AGV, über ausreichende Reserven verfügen zu müssen. Aufgrund der guten Kapitalisierung hat der Verwaltungsrat der AGV aber beschlossen, für das Jahr 2022 eine Prämienrückvergütung von 50 Prozent zu gewähren, was rund 40 Millionen Franken ausmacht.

Gebäudepark ist bei der AGV für 224 Milliarden Franken versichert

Die Höhe der erforderlichen Kapitalbestandteile richte sich nach den Risiken. Die AGV versichere aktuell rund 232'000 Gebäude mit einer Versicherungssumme von rund 224 Milliarden Franken gegen Feuer- und Elementarschäden. Sie müsse in der Lage sein, unerwartet schlechte Schadenjahre oder unerwartet schlechte Finanzergebnisse abzufedern und gleichzeitig den Ansprüchen der Versicherten gerecht zu werden.

Dies erfordere eine vorsichtige Bemessung der erforderlichen Kapitalbestandteile. Hinzu komme, dass die AGV weder über Schwankungs- noch Sicherheitsrückstellungen verfügt. Das bedeute, so die Regierung, dass allfällige negative Geschäftsergebnisse vollumfänglich durch das Eigenkapital aufgefangen werden müssen.

Feuerschäden sind tendenziell rückläufig

Tatsächlich seien die Feuerschäden tendenziell rückläufig. Dazu hätten sicher auch die seit Jahren schweizweit harmonisierten Brandschutzvorschriften und das effiziente Feuerwehrwesen im Kanton Aargau beigetragen, heisst es weiter. Umgekehrt unterliegen die Elementarereignisse grossen Schwankungen.

Das habe sich gerade im Sommer 2021 gezeigt. Um auf solche Ereignisse vorbereitet zu sein, sei ein entsprechendes Eigenkapital nötig. Die AGV engagiere sich zwar stark in der Elementarschadenprävention, gegen Katastrophenereignisse seien jedoch die Möglichkeiten der Vorsorge begrenzt.

Prämiensenkung zum jetzigen Zeitpunkt brächte strukturelles Defizit

Zur Frage einer allfälligen Prämiensenkung schreibt die Regierung weiter, der Verwaltungsrat der AGV überprüfe alljährlich den Prämientarif. Bislang habe sich noch kein Handlungsspielraum für eine Prämientarifsenkung ergeben. Deshalb würden Überschüsse via Prämienrückvergütung an die Hauseigentümer weitergegeben und weiter: «Eine Prämiensenkung zum aktuellen Zeitpunkt würde gemäss den Berechnungen der AGV zu einem strukturellen Defizit führen und ist deshalb nicht angebracht.»