Mit einer wilden Tanzshow eröffnete Theater-Regisseur Volker Hesse am 1. Juni den neuen Gotthard-Basistunnel. Die unkonventionelle Inszenierung mit halbnackten Tänzerinnen und Tänzern, menschlichen Bergziegen und bizarren, dämonischen Wesen traf nicht jedermanns Geschmack. So äusserten sich gleich mehrere Zuschauer und auch einige Medientitel eher negativ über das Spektakel.  

Heute, fast eine Woche nach der feierlichen Eröffnung, ist die eigenwillige Show auch auf politischer Ebene angekommen. Die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger-Bäni wandte sich mit einem Schreiben besorgt an den Bundesrat. 

«Die Einweihung des Gotthard-Basistunnels im Herzen unserer Heimat sollte grundsätzlich mit unseren schweizerischen Grundwerten gewürdigt werden», erklärte sie dem Bundesrat in ihrem Brief und fügte an: «Mit tanzenden Derwischen, welche in der Enzyklopädie des Islams eine Form zur Annäherung von Allah bedeuten, werden unsere Grundwerte jedoch verraten.»

Weiter wollte sie in der nationalrätlichen Fragestunde vom Montag wissen, ob der Bundesrat die «Sorgen aus der Bevölkerung» teile.

Keine Derwische, sondern tanzende Heuhaufen

Die Antwort des Bundesrates beginnt sachlich. Die künstlerische Inszenierung bei der Eröffnungsfeier habe sich ausschliesslich an Figuren und Sagen bedient, «die der Alpenkultur entstammen». «Bei den angesprochenen Figuren handelte es sich nicht um Derwische, sondern um tanzende Heuhaufen», beruhigte er die besorgte SVP-Politikerin weiter. 

Flückiger ist nicht das einzige Mitglied der Aargauer SVP, dem das gewagte Eröffnungs-Spektakel nicht passte. So ärgerte sich bereits Flückigers Parteikollege Andreas Glarner im «SonnTalk» vom letzten Sonntag über Volker Hesses Inszenierung. «Da rennen Leute in Unterhose und BH über die Bühne und es wird kopuliert», sagte er zu Moderator Markus Gilli. 

Er sei zwar kein prüder Mensch, jedoch sei Hesses Eröffnungsshow «dekadent» und «unwürdig» gewesen. Der SVP-Nationalrat warnte: «Das alte Rom ist auch an der Dekadenz zugrunde gegangen».