In den neuen Ständerat delegierte der Kanton Aargau 1848 erstmals zwei hochkarätige Abgeordnete: den schweizweit bekannten und umstrittenen 43-jährigen Seminardirektor Augustin Keller, Grossrat und Urheber der aargauischen Klosteraufhebung, sowie den 39-jährigen Samuel F. Siegfried, Fürsprech, Oberst und Regierungsrat.

Siegfried sass zwei Jahre im Ständerat, Keller ein Jahr. Er wechselte nach kurzer Pause in den Nationalrat, kehrte aber später nochmals für 14 Jahre in die kleine Kammer zurück. Auf die beiden ersten Aargauer Standesvertreter folgten bis heute weitere 31 Männer aus vier Parteien und eine einzige Frau – die amtierende Christine Egerszegi-Obrist (FDP).

Mit 27 in den Ständerat

Als jüngster Aargauer schaffte es der 27-jährige Jurist Johann Haberstich aus Oberentfelden in den Ständerat. Sechs Jahre gehörte er ihm an, verteilt zwischen 1852 und 1890. Er war zudem von 1860 bis zum Tod Mitglied des Grossen Rates, den er viermal präsidierte. Ebenfalls jung, im Alter von 31 Jahren, gelangte Staatsanwalt Karl Gottlieb Ringier aus Zofingen in den Ständerat und wurde neun Jahre später, 1881, Bundeskanzler.

Auch dem erst 32-jährigen Fürsprech Emil Welti aus Zurzach öffnete die Wahl in den Ständerat nach zehn Jahren, 1867, die Türe in den Bundesrat. Und mit Edmund Schulthess aus Brugg geschah das Gleiche: 37-jährig wurde er Ständerat und 1912 Mitglied der Landesregierung. Immerhin zu Bundesrats-Kronfavoriten avancierten die beiden Aargauer Standesvertreter Julius Binder, CVP (im Jahr 1982), und Bruno Hunziker, FDP (1984). Doris Leuthard, die 1999 erfolglos für das Ständeratsmandat kandidierte, wurde 2006 als Nationalrätin in den Bundesrat gewählt.

Ältester Ständeratsneuling war 67 Jahre alt

Früher waren Ständeräte jünger. So zählten in der Zeit von der Gründung des Bundesstaates 1848 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 von den 19 gewählten aargauischen Standesvertretern deren 16 beim Amtsantritt keine 45 Jahre.

Dagegen waren alle zehn Amtsinhaber seit 1971 bis heute beim Eintritt in die kleine Kammer zwischen 53- und 60-jährig. Als älteste Ständeratsneulinge gelten nach wie vor der damals 67-jährige Xaver Stöckli aus Boswil (CVP), der von 1955 bis 1971 amtete und als 83-Jähriger zurücktrat, sowie der 65-jährige Karl Killer aus Baden, der erste und bisher einzige aargauische SP-Ständerat von 1943 bis 1948. Er starb nach fünf Jahren im Amt. Dasselbe Schicksal ereilte noch zwei andere amtierende Aargauer Ständeräte: Placid Weissenbach aus Bremgarten, CVP (im Jahr 1858), und Armin J. Kellersberger aus Baden, FDP (1905).

Ab 1904 konnte das Volk wählen

Die Amtsdauer der bisherigen 34 aargauischen Ständeratsmitglieder differierte beträchtlich. Fünf amteten nur ein Jahr. Das hing damit zusammen, dass der Grosse Rat anfänglich die Standesvertreter für ein Jahr wählte. Etliche schafften immerhin fünf, zehn, bis fünfzehn Bestätigungen. Bei der Wahl durch den Grossen Rat blieb es selbst nach der Totalrevision der Kantonsverfassung von 1885, obschon sie die Volksrechte erweiterte.

Erst nach mehreren Anläufen wurden 1904 die Ständerats- wie auch die Regierungsratswahlen dem Volk übertragen. Vereinzelte Standesvertreter blieben jahrzehntelang im Amt: Emil Isler (FDP) 43, Gottfried Keller (FDP) 31, Armin Kellersberger (FDP) 24 und Hans Fricker (CVP) 22 Jahre. Seit 1971 beschränkten sich sieben von zehn Ständeräten auf acht Amtsjahre – der jetzt nicht mehr antretende Maximilian Reimann (SVP) bildet da mit 16 Jahren eine Ausnahme.

Mit Ausnahme der früheren Regierungsräte Hans Jörg Huber, CVP, und Thomas Pfisterer, FDP, die vorher nicht in der Bundesversammlung sassen, gehörten seit 1955 alle aargauischen Ständeratsmitglieder zunächst dem Nationalrat an, bevor sie ins «Stöckli» wechselten. Den umgekehrten Schritt vom Ständerat in den Nationalrat, wie ihn Maximilian Reimann anstrebt, taten bis anhin nur die drei Standesvertreter: Von Schmid (1866), Straub (1874) und Zschokke (1890).

Seit 1848 präsidierten neunmal Aargauer den Ständerat, letztmals vor 34 Jahren Robert Reimann, CVP. Die 34 bisherigen Ständeratsmandate verteilen sich auf 24 FDP, 8 CVP, 1 SVP und 1 SP. Die FDP-Stärke ergab sich im 19. Jahrhundert, als der Grosse Rat mit seiner damaligen freisinnigen Dominanz meistens zwei liberale Abgeordnete nach Bern schickte. Später teilten sich FDP und CVP in die beiden Mandate – bis die SP 1943 vorübergehend den FDP-Sitz eroberte und die SVP 1995 die CVP verdrängte.

Spannende Zweikämpfe

Die Wahlkämpfe um die Ständeratsmandate waren mal ruhig, mal heftig – und vor allem nahmen sie in jüngerer Zeit Je-ka-mi-Charakter an. Seit 1931 fanden 20 ordentliche sowie zwei Ersatzwahlen statt. Dabei waren siebenmal zweite Wahlgänge nötig, weil Kandidierende das absolute Mehr zunächst verfehlten.

Zu den spannendsten Ausmarchungen gehörten die Zweikämpfe zwischen starken Kandidaten wie Ernst Speiser, FDP, und Rudolf Siegrist, SP (im Jahr 1948), Robert Reimann, CVP, und Hans Theiler, SP (1963), Willy Urech, FDP, und Herbert Zehnder, SP (1971), oder Willy Loretan, FDP, und Ulrich Siegrist, SVP (1991). Die zunehmende Zahl von Kandidierenden erhöhte die Wahlhürde. Ein breiteres Kandidatenfeld mit fünf Nominationen samt der ersten Frau – Ursula Mauch, Team 67, später SP – wurde erstmals bei der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 beobachtet. Die Flut stieg 1991 mit sieben, 1999 mit zehn und jetzt mit elf Kandidierenden.