Falsche Doktoren
Aargauer Spitäler überprüfen die Doktortitel ihrer Ärzte

Der Fall der Ärztin, die ohne Doktortitel praktizierte, schlägt hohe Wellen. Spitäler überprüfen nun die Bezeichnungen, um auf Nummer sicher zu gehen. Bislang sind bereits zwei Aufsichtsbeschwerden beim Gesundheitsdepartement eingegangen.

Michael Spillmann
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Haben noch mehr Aargauer Ärzte geschummelt?

Haben noch mehr Aargauer Ärzte geschummelt?

Keystone

Der falsche Doktortitel einer Chirurgin des Spitals Laufenburg sorgt weiter für Wirbel. Eine von der Spitalleitung angeordnete Überprüfung ergab, dass insgesamt 27 Ärztinnen und Ärzte des Gesundheitszentrums Fricktal, zu dem auch das Spital Rheinfelden gehört, auf ihren Namensschildern einen Doktortitel tragen, den sie gar nie erlangt haben (az von gestern).

Doch dem nicht genug: Wie gestern beim Gesundheitsdepartement zu erfahren war, sind im Zusammenhang mit den falschen Doktortiteln bereits zwei Aufsichtsbeschwerden eingegangen. Nur fühlt sich der Empfänger dafür nicht zuständig. Dies, da das Departement «nur» für die gesundheitspolizeiliche Aufsicht über die Spitäler verantwortlich sei – und nicht etwa dafür, welche Titel auf den Namensschildern stehen würden. Die Aufsicht in dieser Angelegenheit liege vielmehr bei der Trägerschaft des Spitals.

Listen und Schilder kontrollieren

Es stellt sich aber auch die Frage: Ist die unerlaubte Idee des Gesundheitszentrums, mittels vergebenen Doktortiteln Verwechslungen mit dem Pflegepersonal zu verhindern, auch bei anderen Spitälern bekannt? Eine Anfrage zeigt: Der Fall sorgt an einigen Orten für rege Betriebsamkeit. Direktoren lassen Mitarbeiterlisten und Namensschilder prüfen. Trotzdem: Von der Praxis, die im Fricktal nun zum Bumerang mutierte, will man nirgendwo etwas wissen.

KSA: 490 Ärzte überprüft

«Ich würde nie tolerieren, dass Ärzte als etwas bezeichnet sind, das sie nicht sind», sagt Alfred Zimmermann, Spitaldirektor in Leuggern. Als die az ihn erreicht, hatte er gerade eine Tour durchs Spital beendet, auf der er die Schilder der Assistenzärzte begutachtete. «Ich will das kontrollieren. So etwas könnte ich nicht akzeptieren», sagt der Direktor. Keine Kontrolltour, aber eine Prüfung der Mitarbeiterliste gibt es im Kantonsspital Aarau (KSA). «Wenn einer unserer Ärzte keinen Doktortitel hat, dann trägt er auch keinen Titel auf dem Namensschild», betont KSA-Sprecherin Helen Winkler.

Um auf Nummer sicher zu gehen, werden nun aber am KSA die Listen sämtlicher 490 Ärzte überprüft. Da etwa bei der Übertragung von Namen plötzlich ein «Dr.» hätte hineinrutschen können. Martin Th. Kwiatecki, Direktor des Spitals Menziken, erklärt zwar, er habe die Frage nach den falschen Doktortiteln «noch nicht als Problemstellung angesehen», doch gab er gegenüber den Bereichsleitern die Weisung aus, zu prüfen, ob die «Dissertationen da sind».

«Keine Überprüfung nötig»

Emanuel Egger, Geschäftsleitungsmitglied des Spitals Zofingen, sagt: «Ich versteht auch nicht, wie das Gesundheitszentrum Fricktal auf diese Idee gekommen ist.» Ein «Nachbohren» ist in Zofingen aber kein Thema. «Unser System ist gut», sagt der Verwaltungsdirektor. «Bei uns ist keine Überprüfung nötig», erklärt auch Marco Bellafiore, Sprecher des Kantonsspitals Baden. Bei der Anstellung seien die Dissertationsurkunden angeschaut und die Informationen im System abgelegt worden.