Lehrerstatistik
Aargauer Männer meiden den Lehrerberuf

Der Lehrerberuf ist fest in Frauenhänden. 73 Prozent aller Lehrer im Aargau sind Frauen. Am ausgeprägtesten ist die Vorherrschaft an den Primarschulen - ganz anders sieht es an Gymnasien aus. Woran liegt das?

Michael Küng
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Am drastischsten ist die Situation auf Primarstufe: Inzwischen sind weniger als 400 der über 3000 Lehrkräfte Männer. Frauen haben schon lange die Nase vorn: In den vergangenen zehn Jahren stieg der Frauenanteil bei den Aargauer Lehrkräften stetig an.

Nicht weniger als sieben Prozentpunkte haben sie gutgemacht und stellen heute rund 4600 der total 6400 Lehrkräfte im Kanton.

Kanti: Letzte Bastion der Männer?

Ausgeglichener sind die Geschlechterverhältnisse an Real-, Sekundar- und Bezirksschulen. Und gang anders gestaltet es sich auf Gymnasialstufe. In den sechs Kantonsschulen sind die Männer mit 57% in der Mehrheit.

Auch in Sachen Alter sagt die Lehrkräftestatistik, publiziert vom Departement für Finanzen und Ressourcen, etwas aus: 44,3 Jahre ist das durchschnittliche Alter einer Lehrperson an der Volksschule.

Zwei Jahre höher als noch 1990. Abgeschwächt werden die Zahlen vom Umstand, dass Lehrerinnen fast ausnahmslos Teilzeit arbeiten, während bei den Männern das Umgekehrte gilt: Sie leisten in aller Regel ein Vollzeitpensum.

Der durchschnittliche Beschäftigungsgrad liegt bei den Frauen bei 64 Prozent, Männer arbeiten im Schnitt 84 Prozent. Obwohl die Schweiz seit längerem mit einem Mangel an Lehrkräften zu kämpfen hat, finden sich unter ihnen nur gerade 413 Ausländer - ein Anteil von 6,5 Prozent. Sie kommen überwiegend aus Deutschland.

Ein Grund für den relativ kleinen Ausländeranteil dürfte sein, dass der Lehrermangel im ganzen deutschsprachigen Raum Thema ist. Wobei gerade auf Primarstufe - die in der Schweiz am akutesten betroffene Schule - erwartet wird, dass sich dort ein grenzübergreifender Arbeitsmarkt entwickelt.

Denn während sich die Situation in der Schweiz prekär gestaltet, sind die Primarschulen Deutschlands und Österreichs tendenziell überbesetzt. Die Nachbarländer kämpfen umso mehr um Nachwuchs für die Sekundarstufe.

In Grenznähe wohnenden Primarlehrern bietet sich deshalb eine Bewerbung in der Schweiz an. Umgekehrt kann wegen dem höheren Lohnniveau nicht mit einem Abgang von Lehrkräften aus der Schweiz in das Ausland gerechnet werden, wie der deutsche Verband Bildung und Erziehung in einem Bericht schreibt.

Zur Zeit seien zwar verschiedene Massnahmen am Laufen, mit dem Ziel, die Attraktivität des Lehrberufs zu steigern, sagt Irène Richner-Schellenberg, Medienverantwortliche des Departements für Bildung, Kultur und Sport. «Spezifisch an Männer gerichtete Massnahmen sind aber keine vorgesehen».

In Künten unterrichten Frauen

Gibt es Schulen, in denen angesichts des hohen Frauenanteils unter den Lehrkräften gar ausschliesslich Frauen unterrichten? Ja. Schulleiterin Regula Meier-Rösti bestätigt, dass in der Primarschule Künten elf Frauen unterrichten. Dazu kommen zwei männliche Stellvertretungen mit kleinen Pensen.

Kürzlich suchte man in Künten für die 4. und 5. Klasse Lehrkräfte und hätte gern auch einen Mann angestellt. Aber, so Meier-Rösti: «Es hat sich kein einziger beworben.» Die Stellen sind wieder besetzt - mit Lehrerinnen.