Tod im Lehrschwimmbecken
Aargauer Lehrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Nach einem Freispruch im Januar hat das Aargauer Obergericht eine 32-jährige Primarlehrerin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Ein Schüler war 2007 im Schwimmunterricht gestorben. Das Urteil stellt laut Experten den Schwimmunterricht in Frage.

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Im Januar noch entschied das Bezirksgericht Brugg, dass die Lehrerin alles gemacht habe, um den Buben zu retten. Eine Person alleine könne 12 Kinder nicht nonstop lückenlos überwachen. Auch sei der Grund für den Ertrinkungstod des Kindes, der nach wenigen Sekunden eingetreten sei, letztlich unklar geblieben. Deshalb gab es einen Freispruch für die Lehrerin.

Die Staatsanwaltschaft hat das Urteil jedoch ans Obergericht weitergezogen, wie das «Aargauer Schulblatt» am Freitag berichtet. Das, im September 2010, gefällte Urteil lautet: Schuldig der fahrlässigen Tötung. Begründet wurde das Urteil damit, dass die Lehrerin eben nicht lückenlos überwacht hat. Während des Schwimmunterrichts sass sie auf einer erhöhten Treppe und beobachtete die Kinder, ohne sich zu bewegen, was nach dem Urteil des Gerichts angebracht gewesen wäre.

Die Strafe beträgt 120 Tagessätze à 120 Franken, mit einer zweijährigen Probezeit. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig - die Verteidiung hat den Fall nämlich ans Bundesgericht weitergezogen. Sie fordert einen Freispruch.

Präzedenzfall?

Falls das Bundesgericht ähnlich entscheidet wie das Obergericht, könnte dieser Entscheid richtungsweisend sein für die Zukunft des Schwimmunterrichts in Schulen. «Ein geregelter Schwimmunterricht wäre unter den vom Departement für Bildung, Kultur und Sport vorgegebenen Rahmenbedingungen gar nicht mehr möglich», schribt das Schulblatt. Es würde mindestens zwei Erwachsene brauchen: eine Person, die den Unterricht erteilt und eine andere, die überwacht.

Der Bub ist aus ungeklärten Gründen plötzlich untergegangen. Gemäss den Erkenntnissen der Untersuchungsbehörden war die Lehrerin dann sofort ins Wasser gesprungen und hatte das Kind herausgeholt. Der Bub wurde nach ersten Reanimationsversuchen durch die Rega in die Universitäts-Kinderklinik Zürich gebracht. Dort musste leider der Hirntod des Kindes festgestellt werden. (jep)

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