Aargauer Landwirtschaft
Sechs Millionen für mehr Natur in der Landwirtschaft

Mit «Labiola» werden Bauern für Biodiversitätsbemühungen entschädigt. Geht es nach den Parteien, wird das Programm weitergeführt.

Eva Berger
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Britta Gut

Würden Bauern nur Kartoffeln anpflanzen und Schweine mästen, würden Landschaftsbild und Biodiversität leiden. Die Pflege von Kulturland und Förderung der Artenvielfalt liegt bei den Landwirten, aber sie ist aufwendig und führt nicht direkt zu Einnahmen. Als Kompensation erhalten die Bäuerinnen und Bauern seit einigen Jahren dafür Entschädigungen. Das wird zu 90 Prozent durch den Bund finanziert, im Aargau übernimmt der Kanton den Rest.

Kredit für die nächsten vier Jahre

Die Vernetzungs- und Landschaftsqualitätsbeiträge sind im Programm «Labiola» – Landwirtschaft, Biodiversität, Landschaft – zusammengefasst. Um das Programm die nächsten vier Jahre weiterführen zu können, beantragt jetzt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Kredit über 5,58 Millionen Franken.

Damit sollen einerseits die Beiträge an die Landwirtschaft ausgerichtet, aber auch Kosten für Erfolgskontrolle, Beratung, Bearbeitung und Management der Vereinbarungen gedeckt werden. Bis am vergangenen Samstag war das Kreditbegehren in der Vernehmlassung, Parteien und Verbände konnten ihre Eingaben machen.

Zuletzt waren alle einverstanden

Die zwei ersten Kredit-Tranchen für «Labiola» wurden vom Grossen Rat in den Jahren 2015 und 2016 ohne viel Gegenwind beschlossen, die Parteien standen dem Programm alle positiv gegenüber. Das dürfte auch bei der Weiterführung der Fall sein, wie ein Blick in die Stellungnahmen zeigt.

«Labiola» trage im Aargau zu einer attraktiven Kulturlandschaft, naturnahen Erholungsräumen sowie einer nachhaltigen und Ressourcen schonenden Bewirtschaftung bei, halten die Parteien fest. Die Landwirtschaft gestalte generell die Kulturlandschaft, sei es mit der Produktion von Nahrungsmitteln oder mit dem Anlegen und der Pflege von Biodiversitätsförderflächen, schreibt etwa Die Mitte.

Beides sei wichtig, es dürfe daher nicht gegeneinander ausgespielt werden, «vielmehr soll es miteinander verbunden werden». Mit dem beantragten Kredit für «Labiola» sei sie einverstanden, schreibt auch die SVP, denn: «Die Bemühungen der Landwirtschaft sollen entsprechend fair entschädigt werden.»

Ob es Kontrollen braucht, ist umstritten

Auseinander gehen die Meinungen bei der Frage, ob die Wirkung der gewählten Massnahmen des Programms laufend überprüft werden soll, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Das brauche es nicht, findet die SVP. Es sei sonnenklar, dass «Labiola» die Biodiversität fördere, schreibt sie. «Die Mittel sollten daher eher in Massnahmen investiert werden.»

«Eher dagegen», dass die Wirkung von «Labiola» untersucht wird, ist auch Die Mitte. Die Überprüfung mit einem verhältnismässigen Aufwand sei sicher richtig, hält die Partei fest. Dabei stehe jedoch der Bund in der Verantwortung, der schliesslich 90 Prozent der Kosten trägt. «Die finanziellen Mittel sind deshalb eher in Massnahmen und allenfalls zusätzlich in die Beratung zu investieren.»

Es liege auf der Hand, dass eine artenreiche, gut vernetzte Blumenwiese die Biodiversität fördere, findet die Partei. Verfasst wurde die Vernehmlassungsantwort der Mitte von Grossrat Ralf Bucher, der auch Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau ist. Mit der gleichen Begründung wie Die Mitte zweifelt auch der Verband die Notwendigkeit der Kontrollen an.

Anders die EDU. Sie sei der Meinung, dass die Wirkung von gewählten Massnahmen immer regelmässig überprüft werden soll, schreibt sie in ihrer Antwort. Die Erkenntnisse sollen als Grundlage für die Entscheidungen und weiteren Massnahmen dienen. «Die Festlegung von eindeutigen und messbaren Erfolgskriterien ist wichtig», schreibt auch die FDP. Die Freisinnigen regen an, dass konkret offengelegt werden müsse, wie genau der Erfolg gemessen wird. Denn das geht aus dem Anhörungsbericht nicht hervor.

Pro Natura will Aufwertung von Gewässern

Der Handlungsbedarf sei hoch, schreibt Pro Natura Aargau in einer Mitteilung zur Vernehmlassung. Speziell bedroht seien die Gewässer-Ökosysteme wie Uferzonen und Feuchtgebiete, deren Lebensräume zu fast 85 Prozent gefährdet seien. «Gerade der Wasserkanton Aargau steht hier in der Verantwortung», so Pro Natura.

Die Aufwertung von Gewässern schliesse eine an den Lebensraum angepasste Nutzung nicht aus, Leistungen der Bauernfamilien und allfällige Ertragsausfälle seien dabei fair abzugelten. Die im «Labiola»-Programm teilnehmenden Bauernfamilien leisteten einen besonderen Beitrag zur Stärkung der Biodiversität im Kanton Aargau, lässt sich Geschäftsführer Matthias Betsche zitieren.

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