Island-Verluste
Aargauer Kantonalbank-Chef Dellenbach: «Wir haben nicht spekuliert»

Der Chef der AKB äussert sich im Interview zu den Verlusten in Island. Nie sei die Kantonalbank auch nur eine Sekunde lang in Schieflage geraten, sagt der Bankenchef.

Christian Dorer
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Keine Spekulationsgeschäfte

Keine Spekulationsgeschäfte

Aargauer Zeitung

Herr Dellenbach, wieso investierte die AKB überhaupt in isländische Banken?

Rudolf Dellenbach: Wie jede Bank tätigen wir Geld- und Kapitalmarktgeschäfte für die eigene Liquiditäts- und Bilanzsteuerung. Das heisst, wir platzieren Festgeldanlagen für jeweils wenige Monate oder kaufen Bonds (Obligationen). Um die Risiken möglichst tief zu halten, hat die AKB mit weltweit 80 Banken in 25 Ländern zusammengearbeitet - 3 davon waren im Jahr 2008 isländische.

Viele Privatanleger wollten in Island das schnelle Geld verdienen. Auch die AKB?

Überhaupt nicht! Wir haben untersucht, ob die Mitarbeiter, die für diese Anlagen zuständig waren, sich schnelle und hohe Gewinne erhofft hatten. Das Ergebnis zeigt aber klar, dass dem nicht so war. Unsere Leute haben keine Kompetenzen, aber auch keine Reglemente und Weisungen missachtet: Es war ein Engagement wie jedes andere auch - mit ganz normalem Zins.

Wie hoch waren diese Anlagen?

Insgesamt hatten wir bei drei isländischen Banken Festgeldanlagen: bei der Kaupthing 7 Millionen Franken, bei der Landsbanki 19,5 Millionen Franken und bei der Glitnir 10 Millionen Franken. Dazu kam ein Bond bei der Bank Kaupthing von 5 Millionen Franken.

Im Nachhinein betrachtet: Sind Sie ein zu hohes Risiko eingegangen?

Ganz klar nein. Als wir diese Investitionen im Jahr 2008 tätigten, umfassten sie 1,9 Prozent von all unseren Anlagen im Geld- und Kapitalmarkt. Und: Die AKB hat keine Kredite an Island oder isländische Banken vergeben. Auch keine Konsortialkredite, also Kredite im Verbund mit anderen Banken. Wir haben nie Spekulationsgeschäfte betrieben - weder in Island noch sonstwo. Das würde ich auch nie zulassen.

Trotzdem: Der Schaden ist da. 41 Millionen Franken sind viel Geld.

Das ist so. Man muss aber die Verhältnisse sehen: Gemessen am Eigenkapital der AKB wäre das bei einer Privatperson, die 10 000 Franken Vermögen besitzt, ein möglicher Verlust von 300 Franken. Ein Unternehmer müsste als Vergleich bei 1 Million Franken ausstehender Kundenforderungen eine Delkredere-Rückstellung von 2300 Franken vornehmen. Wobei in beiden Fällen noch 20 bis 40 Prozent Konkursdividende zurückfliessen werden. Wie hoch diese genau ausfallen wird, wissen wir noch nicht. Unser Verlust dürfte sich unter dem Strich auf rund 30 Millionen Franken belaufen.

Wieso sind Sie nicht rechtzeitig aus diesen Investments ausgestiegen?

Der Zusammenbruch von Island war schlicht nicht vorhersehbar - für niemanden. Das zeigt sich daran, dass allein aus der Schweiz rund 2 Milliarden Franken Forderungen für Verluste mit isländischen Banken eingereicht wurden - von Banken, Versicherungen, Pensionskassen, Institutionen, Privatanlegern. Als wir diese Festgeldanlagen tätigten, präsentierten diese Banken gute Jahresabschlüsse und wurden als sehr sicher eingestuft, mit einem so genannten «Single A Rating», also gleich wie damals die Credit Suisse. Dann ging Lehman Brothers bankrott, der Interbanken-Handel kam zum Erliegen, Island mit seinen Banken kollabierte innert Kürze.

Warum investiert eine Kantonalbank ihr Geld überhaupt im Ausland?

Das Klumpenrisiko wäre viel zu hoch, wenn wir alles in der Schweiz anlegen würden. Allerdings haben wir auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, im Oktober 2008, entschieden, uns kurzfristig praktisch vollständig aus dem internationalen Interbankenhandel zurückzuziehen und die Gelder bei der Nationalbank zum Nulltarif anzulegen - wofür wir von gewissen politischen Kreisen dann ebenfalls kritisiert wurden.

Welche Auswirkungen hat der Island-Verlust auf das Jahresergebnis 2010?

Überhaupt keine. Denn wir haben 2008 und 2009 bereits umfassende Rückstellungen gemacht. Trotzdem hatten wir zwei sehr erfolgreiche Jahre mit Rekordabgaben an den Kanton. Ich möchte festhalten, dass die AKB in den letzten zehn Jahren 1,3 Milliarden Franken Betriebsgewinn erwirtschaftet, dabei um 733 Millionen das Eigenkapital verstärkt und 465 Millionen Franken Ablieferungen an den Kanton getätigt hat. Und auch 2010 wird wieder sehr gut.

Wieso brauchte es einen parlamentarischen Vorstoss, damit Sie nun über den Island-Verlust informieren?

Die Rückstellungen als Ganzes standen im Geschäftsbericht. Sie erhalten jedoch von keiner Bank Auskunft über die Details, weil das dem Geschäftsgeheimnis untersteht. Da in der Zwischenzeit die Gläubiger aller drei isländischen Banken im Internet einzeln aufgelistet sind, können wir nun informieren.

Hat die Kantonalbank neben Island weitere ähnlich gelagerte Investments?

Nein. Heute haben wir sogar bewusst kein Geld in Risikoländern wie Irland, Italien, Griechenland, Polen, Portugal und Spanien investiert. Wir sind also nochmals vorsichtiger geworden.

Wird die AKB einen Imageschaden davontragen?

Davon gehe ich nicht aus - und es wäre auch nicht gerechtfertigt. Niemand in der AKB hat Kompetenzen überschritten oder Reglemente missachtet. Nie haben wir für unsere Bilanz- und Liquiditätssteuerung spekulative Geschäfte getätigt. Nie sind wir auch nur eine Sekunde lang in Schieflage geraten. Hingegen haben wir Jahr für Jahr hervorragende Ergebnisse geliefert. Und vor allem: Wir haben keinen einzigen Rappen Kundengeld verloren.