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Aargauer FDP-Politiker verunglimpft Doris Leuthard auf Facebook

Die az deckt auf: Der FDP-Politiker Daniel Heller beleidigt auf Facebook Bundesrätin Doris Leuthard. Doch statt zu seiner Handlung zu stehen, streitet Heller alles ab und verstrickt sich dabei in Widersprüche. Das Protokoll dazu lesen Sie hier.

Lorenz Honegger und Christof Forster
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Heller

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Aargauer Zeitung

Samstagabend, 21 Uhr: Der Präsident der FDP-Fraktion im Aargauer Grossen Rat, Daniel Heller, platziert auf seinem Facebook-Profil einen Link, der auf die Internetseite der liberalen Denkfabrik Avenir-Suisse verweist. Wer den Link anklickt, findet ein Interview, worin der Entscheid des Bundesrates zum Ausstieg aus der Atomkraft kritisch besprochen wird. So weit, so harmlos.

Heller über Leuthard: Aussehen allein reicht nicht

Den Link ergänzt Heller dann aber mit einem Kommentar, den er rückblickend wohl lieber nicht verfasst hätte: Darin wirft er der CVP-Bundesrätin Doris Leuthard vor, «nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe» zu sein und doppelt nach: «Leider reichen heute aber Mediengewandtheit und Aussehen auch in der Schweiz aus, um politisch an die Spitze zu gelangen». Zusätzlich erwähnt er die Namen von zwei amerikanischen Politikerinnen, Sarah Palin und Michelle Bachmann, denen regelmässig nachgesagt wird, gut auszusehen, aber nichts im Kopf zu haben. (Siehe Ausriss)

Noch am Samstagabend entdeckt ein az-Redaktor, der mit Heller auf Facebook befreundet ist, den Eintrag auf dem Profil des Politikers und speichert ihn ab, um den FDP-Grossrat später damit zu konfrontieren.

Heller dementiert alles

Sonntag: Die az spricht Daniel Heller auf den besagten Facebook-Eintrag an und bittet ihn um eine schriftliche Stellungnahme. Zur gleichen Zeit verschwindet die Leuthard-Kritik aus seinem Profil. Heller, seit Jahrzehnten für das PR-Unternehmen Farner tätig, will sich nicht mehr an den Eintrag erinnern und teilt mit, bei der Kritik an Doris Leuthard handle es sich offensichtlich um «eine Fälschung».

Es ist die erste einer ganzen Serie von Schutzbehauptungen. «Der Eintrag stammt weder von mir noch von meinem Facebook-Account noch gibt er meine Meinung wieder», schreibt Heller weiter. Aus technischer Sicht ist die Faktenlage so simpel wie eindeutig: Die Passage, die der az-Redaktor aus Hellers Facebook-Profil kopierte, enthält dessen Vor- und Nachname inklusive Foto, und führt per Link direkt zum Profil des FDP-Politikers.

Heller: Alles Manipulation

Montag: Die az kontaktiert einen Bekannten Hellers, der dessen Frontal-Angriff gegen Leuthard am Samstagabend mit einem «Gefällt mir» versehen hatte. Der Bekannte, ebenfalls ein PR-Experte, bestätigt am Telefon, dass sich der entsprechende Eintrag auf Hellers Profil befunden hatte. Zehn Minuten später ändert auch er seine Meinung und zieht seine Aussage wieder zurück.

Auch Daniel Heller macht nun einen weiteren Schlenker in seiner Argumentation: Er richtet aus, sein Facebook-Profil sei «möglicherweise temporär für Dritte zugänglich und manipulierbar» gewesen. Sprich: Ein Hacker sei in sein Profil eingedrungen und habe den Leuthard-kritischen Kommentar in die Welt gesetzt.

Dies ist nicht ganz ausgeschlossen, jedoch unwahrscheinlich: Wenn Cyber-Kriminelle irgendwo eindringen, tun sie dies in der Regel mit finanziellen Absichten und nicht, um einen Aargauer Lokalpolitiker in Bedrängnis zu bringen. Wahrscheinlich ist, dass Heller am Samstagabend wie Tausende Facebook-Nutzer vor ihm impulsiv einen unüberlegten Gedanken in die virtuelle Welt setzte, der nun aber reale politische Folgen haben könnte.

Heller gibt alles zu

Dienstag: Daniel Heller überlegt es sich noch einmal anders. In seiner vierten und letzten Stellungnahme gibt er schliesslich zu, Urheber des Facebook-Eintrags vom Samstag zu sein. Jetzt ist nicht mehr von einer Fälschung, sondern von einem «Versehen» die Rede. Heller schreibt, er habe «unabsichtlich» einen privaten, für seinen Diskussionspartner bestimmten Kommentar auf sein Profil geladen. «Dadurch wurde die Information versehentlich für meine rund 400 Netzwerkbekannten sichtbar.»

Bleibt die Kritik an Energieministerin Doris Leuthard, mit der alles angefangen hatte. Daniel Heller dazu: «Ich habe zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, die federführende Uvek-Chefin in irgendeiner Form öffentlich zu diffamieren. Ich schätze Doris Leuthard.» Zum Schluss hält er fest, was ihn ursprünglich zum Verfassen des Facebook-Eintrags bewogen hatte: «Ich bin der Auffassung, dass die bisherigen Grundlagen zum Ausstiegsentscheid aus der Kernenergie mehr als ungenügend sind.»

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