Im Zeichen von Japan stand der fünfte Energiegipfel nur am Rande, aber die Solar- und Umweltpioniere Walter Schmid und Peter Pauli sehen sich auf dem Weg in eine bessere Zukunft bestätigt. Für die höchsten Politiker im Kanton ist klar: Die Energie- und Klimapolitik steht vor grossen Veränderungen. Grossratspräsidentin Patricia Schreiber will getreu ihrem grünen Parteibuch weg von Atomkraftwerken, setzt auf die erneuerbaren Energien und «ist überzeugt, die 2000-Watt-Gesellschaft sei machbar».

Die Freiwilligkeit in Ehren, aber ohne staatliche Vorschriften und intelligente Lenkungen passiere zu wenig. Davon ist Landammann Peter C. Beyeler felsenfest überzeugt und belegt es mit den Stichworten Katalysator, Hybridautos, Glühbirnen und dem Minergielabel. «Energiekonsum ist keine Privatsache», sagt Beyeler und hofft auf Leitplanken bei der 2. Beratung des Energiegesetzes.

Sonne für die Stromerzeugung

«Wir stehen am Beginn der fünften technischen Revolution, die im Zeichen sauberer Energien und der Nachhaltigkeit steht», versichert Peter Pauli. Der CEO von Meyer Burger Technology AG mit den Swiss Solar Systems beschreibt das riesige Potenzial der Sonnenenergie. Mit Photovoltaik auf dem 100 Quadratkilometer grossen Aletschgletscher könnte man 10 Prozent der Energie im Land erzeugen – und erst noch das Eis schützen, meint er spasseshalber. Im Ernst: An 20 Prozent erneuerbare Energien bis 2020 «können Solaranlagen 12 Prozent beitragen».

Gegen raschen Atom-Ausstieg

Paulis Unternehmen ist in sechs Jahren von 187 auf 1276 Mitarbeiter gewachsen und macht hervorragende Geschäfte. Die Schweiz sei «ein führendes Photovoltaik-Land» und könne es auch bleiben. Nötig dazu seien Forschung, technische Entwicklung, die Finanzierung und die Politik als Helfer. Der CEO von Swiss Solar Systems warnt wegen der Katastrophe in Japan davor, jetzt die bewährte Energiepolitik übers Knie zu brechen: «Wir können die Atomkraftwerke nicht abstellen und mit Solarstrom ersetzen – aber Nachdenken können wir schon.» Das Handeln sei nach einer klaren Analyse und dem nötigen Denkprozess angebracht.

Umwelt-Arena gut auf Kurs

Ein ideenreicher und kreativer Unternehmer, der sich durch keinen Rückschlag aufhalten lässt, ist Walter Schmid. Der VR-Präsident der Baufirma Schmid AG in Glattbrugg und der im Bau stehenden Spreitenbacher Umwelt-Arena hat auch die Firma Kompogas aufgebaut, die Abfälle in Energie verwandelt. Für seine Pioniertaten hat Schmid den Schweizer und den Europäischen Solarpreis erhalten. Das riesige Dach der neuen Umwelt-Arena wird 40 Prozent mehr Strom produzieren, als der mehrstöckige Bau benötigt. Im futuristischen Spreitenbacher Neubau will Schmid ab 2012 «alles anbieten und erlebnisorientiert vermitteln, was der Energie-Mensch braucht». Dabei gehe es keineswegs um Visionen oder Fantasien, denn «wir zeigen nur marktfähige Produkte».

Wärme aus dem Untergrund

Ein Pionier ist auch Dieter Schäfer, Geschäftsführer der Schäfer Partner AG, Initiant des Energiegipfels, zu dem sich morgens um sieben Uhr 440 Interessierte im Kongresszentrum Aarau treffen. Schäfer ist auch ein Freund der Geothermie und gehört zum Verein Geothermische Kraftwerke Aargau. Dieser will schon ab 2020 ein erstes Kraftwerk mit ein paar Megawatt Leistung betreiben. Das Problem liege bei der teuren Bohrung in diese unbekannten Tiefen, aber «das seismische Risiko ist bei unserer Methode vernachlässigbar», beruhigt Schäfer.

Flurin Caviezel, der Kabarettist mit dem schönen Bündner Dialekt, nimmt Referenten und Aargauer sympathisch auf den Arm. Für seine Pointen zum Gipfel erntet er mehrfach spontanen Applaus. Das Gebäude des Grossen Rates könne er energetisch nicht einstufen, sagt Caviezel «aber das Regierungsgebäude ist mit Sicherheit ein Nullenergiehaus».