Aargau

Aargauer drücken aufs Gaspedal: So viele Ausweisentzüge wie nie

Im Kanton Aargau wurden im letzten Jahr 58 Prozent mehr Ausweise entzogen als noch 2009. Das liegt einerseits am zusätzlichen Personal und einer vermehrten Abklärung zur Fahreignung - doch auch am strengeren und häufigeren Eingreifen bei Rasern.

Die Aargauer Statistik zu Führerausweisentzügen im Jahr 2010 liefert auf den ersten Blick unglaubliche Zahlen. Demnach kletterte die Zahl der Ausweisentzüge 2010 gegenüber 2009 um schwindelerregende 58 Prozent auf 8405. Johannes Michael Baer, Leiter des Strassenverkehrsamtes in Schafisheim, hat dafür allerdings eine mehrheitlich unspektakuläre Erklärung. Infolge Personalmangels konnten früher viele weniger gewichtige Fälle nicht umgehend behandelt werden. Inzwischen erhielt «Schafisheim» zusätzliches Personal und es wurde reorganisiert. In der Folge konnte der Überhang an Pendenzen abgearbeitet werden. Vorab deshalb schnellten die Zahlen derart nach oben. Baer erwartet, dass sie sich 2011 wieder nach unten einpendeln werden.

Wenn man diesen Sonderfaktor herausrechnet – liegt der Aargau dann wieder im schweizerischen Schnitt, wo 2010 5,4 Prozent mehr Ausweise entzogen wurden als 2009. Laut Baer liegt der Aargau eher etwas darüber. Das hänge auch damit zusammen, dass das Sensorium etwa gegenüber der Suchtthematik gestiegen sei. Zudem werde der Drogenschnelltest aufgrund seiner heute sehr hohen Zuverlässigkeit durch die Polizei mehr eingesetzt als früher.

Mehr Fahreignungsabklärungen

Zudem werden Leute heute eher zur Fahreignungsabklärung geschickt als früher oder erhalten den Ausweis später zurück – etwa nach einer Augenoperation. Dies erklärt grösstenteils die enorme Zunahme der Ausweisentzüge von 404 (2009) auf 1084 (2010) wegen Nichteignung aufgrund von Krankheit oder Gebrechen. Dies hat aber auch mit der demografischen Entwicklung zu tun. Die Zahl der älteren Menschen steigt. Und anders als früher hat heute praktisch jede und jeder einen Führerausweis. Durch die verschärften Fahreignungsabklärungen wurde die Verkehrssicherheit laut Strassenverkehrsamt «massgeblich erhöht».

Statt wie früher 2,3 sind heute in Schafisheim 8 Stellen mit Aufgeboten zu Fahreignungsabklärungen und Verarbeitung der resultierenden Berichte befasst. Dies dürfte auch eine Folge des Falls «Paul P.» sein. Der 82-jährige, einäugige Mann, hatte 2005 mit seinem Auto eine 15-jährige Velofahrerin angefahren. Sie wurde tödlich verletzt. Es zeigte sich, dass der Mann zum Unfallzeitpunkt nicht mehr fahrfähig war und keinen Führerschein mehr hätte haben dürfen.

Ausweisentzug: neuer Rekord

Schwere Delikte wie Geschwindigkeitsexzesse, Fahren unter Alkohol- und Drogeneinfluss seien auch in Zeiten zu knappen Personals immer sofort behandelt worden, betont
Baer. Deshalb sind die neusten Zahlen zu den geschwindigkeitsbedingten Ausweisentzügen auch zum Nennwert zu nehmen. Die grösste Gruppe der zu schnell Fahrenden sind bekanntlich die 20- bis 29-Jährigen. 2008 wurde 1037 in dieser Altersgruppe der Ausweis entzogen.

2009 sank die Zahl um einen Fünftel auf 812. Doch die Verbesserung war von kurzer Dauer. 2010 musste sogar 1081 jungen Lenkern der Ausweis entzogen werden (darin eingeschlossen sind alle Entzüge bei im Aargau wohnhaften Personen, egal, wo sie zu schnell unterwegs waren). «Dass diese Zahl so hoch ist, erschreckt uns am meisten», sagt Johannes Baer.

Polizei: Strategie nicht geändert

Nun könnte dies natürlich auch Folge erhöhter Kontrolltätigkeit sein. Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, verweist darauf, dass man Rasern mit Laser-Messgeräten und auf der Autobahn mit Videopatrouillen zu Leibe rücke. Die Strategie bei der Verfolgung von groben Verkehrsregelverletzungen sei aber nicht geändert worden.

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