Ein Elektroauto namens Quant. Es hat Flügeltüren, eine Solarbeschichtung und steht kurz vor der Marktreife: Das ist der Ausdruck der revolutionären Erfindung. Das erzählte der 47-Jährige auch seiner «Freundin», einer steinreichen, hochbetagten Erbin, die am Zürichsee wohnt.

Und die Frau, blind vor Liebe, glaubt dem selbsternannten Physiker jedes Wort.

Sie ist hin und weg vom gross «gewachsenen, durchtrainierten und ach so gescheiten jungen Mann mit der angedeuteten Elvis-Frisur», wie die «Zentralschweiz am Sonntag» schreibt.

Wertlose Aktien

Sie schlägt alle Warnungen in den Wind und steigt sie bei dessen NLV Holding AG gross ein. Für 39 Millionen Franken in bar, ein Grundstück in Ascona TI und ein Grundstück in Küsnacht ZH bekommt sie 25 der 100 Inhaberaktien der Firma. Wert sind die Papiere aber nichts. Die NLV Holding wollte «Alpha-Solarzellen» vermarkten, die der «Physiker» erfunden hatte.

Zwei Jahre nach dem Deal gehen der älteren Dame die Augen auf. Doch nun ist es zu spät. Nun kommen die Gerichte zum Zug. Strafrechtlich lässt sich dem «Physiker» nichts nachweisen. Alle Gerichte, auch das Bundesgericht, können keine arglistige Täuschung erkennen, auch weil die Dame alle Warnungen ignoriert hat.
Anders sehen das die Richter nun im Zivilverfahren, das in Zug, dem Sitz der Firma stattfand.

«Physiker» zieht den Fall weiter

Das Zuger Kantonsgericht sprach der Dame am 19. August 2010 einen Millionenbetrag plus Zinsen zu. Sie sollte auch die beiden Grundstücke zurück bekommen. Ein halbes Jahr später stirbt sie.

Die Erben übernehmen den Fall. Das Zuger Obergericht hat nun das Urteil der Vorinstanz bestätigt. Für das Gericht ist der Physiker ein Hochstapler, der die betagte Frau «absichtlich getäuscht» hat.

Und zahlt der «Physiker» nun zurück? Nein. Die Frage, ob er überhaupt zurückzahlen könne, «erübrigt sich», sagt er dem «Blick». «Ich werde den Fall vor Bundes¬gericht weiterziehen und dort sowieso Recht bekommen.»