Staatsarchiv

Aargauer Arbeiterbewegung: Alle Archive nun zugänglich

Von links: Projektleiterin Rebekka Wyler, AGB-Präsident Kurt Emmenegger, Staatsarchivarin Andrea Voellmin, Landammann Urs Hofmann. Foto: André Albrecht

Von links: Projektleiterin Rebekka Wyler, AGB-Präsident Kurt Emmenegger, Staatsarchivarin Andrea Voellmin, Landammann Urs Hofmann. Foto: André Albrecht

Die Archive der Aargauer Arbeiterbewegung sind erschlossen, zum teil mussten sie aus feuchten Kellern gerettet werden. Jetzt warten die Ordner auf interessierte Historiker.

Mit Blick auf die feierliche Übergabe der Archive der Aargauer Arbeiterbewegung ans Staatsarchiv hat Kurt Emmenegger, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes (AGB), die Literatur zum Thema durchsucht. Er stiess gerade mal auf vier Bücher, die das Thema zum Teil sehr eingeschränkt behandeln. Was ihn bei seiner Ansprache am Samstag an der Feier im Staatsarchiv den Satz entlockte: «Die Geschichte der Aargauer Arbeiterbewegung ist noch zu schreiben.» Noch eine Botschaft war ihm sehr wichtig: Dass der Streik als «kollektives Abwehrmittel gegen Sozialabbau und zur Behebung von gravierenden Missständen» auch heute noch «schlicht unverzichtbar» sei.

Viel Volk am Tag der offenen Tür

Die Bedeutung des Anlasses – der gleich für einen Tag der offenen Tür genutzt wurde – für SP und Gewerkschaften wurde unterstrichen durch die Anwesenheit von alt Regierungsrat Silvio Bircher (SP), Nationalrat Geri Müller (Grüne), SP-Vize Cédric Wermuth, SP-Präsident Marco Hardmeier, SP-Fraktionschef Dieter Egli, AGB-Sekretär Renato Mazzocco und weiterer Grossräte sowie Gewerkschaftsfunktionäre. Insgesamt nahmen zur Freude der Organisatoren rund 100 Personen am Anlass teil.

Zu modernem Sozialstaat gemacht

Der frühere langjährige AGB-Präsident und neue Landammann Urs Hofmann würdigte – schwer erkältet und mit heiserer Stimme – die Arbeiterbewegung. Sie habe «die Schweiz zu dem modernen Sozialstaat gemacht, der sie heute ist». Sie habe massgeblich dazu beigetragen, «dass in diesem Staat die elementaren Freiheitsrechte auch der arbeitenden Bevölkerung offenstehen». Sie habe die Voraussetzung geschaffen, «dass dieses Land Heimat für alle Menschen sein kann, auch wenn es hiefür noch einiges zu tun gibt».

Rettung aus feuchten Kellern

Staatsarchivarin Andrea Voellmin freute sich über die neuen Bestände, die – vom Docuteam in Baden erschlossen – nun für Forschende und weitere Interessierte zugänglich sind. Für die Geschichtsforschung sei es ein Gewinn, «ein Thema von verschiedener Seite mit unterschiedlichen Quellen untersuchen zu können und damit unabhängiger zu bewerten», sagte Voellmin. Auch Projektleiterin Rebekka Wyler erinnerte an die Bedeutung der Arbeiterbewegung für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Es sei wichtig, deren alte Bestände aus zum Teil feuchten Kellern und heissen Estrichen zu holen und zugänglich zu machen. Was jetzt im Aargau geglückt ist.

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