Bildung

Aargau als «Auffangbecken» für Zürcher Quereinsteiger?

Zürcher Quereinsteiger werden an Aargau Schulen besser entlöhnt (Symbolbild)

Zürcher Quereinsteiger werden an Aargau Schulen besser entlöhnt (Symbolbild)

Verkehrte Welt: Wer in Zürich die Lehrerausbildung als Quereinsteiger abschliesst, schaut sich neuerdings nach einem Job im Kanton Aargau um. Der Grund: Hier verdienen Quereinsteiger um einiges mehr als im Kanton Zürich.

Die Ausgangslage ist paradox: Wer im Kanton Zürich als Quereinsteiger die Ausbildung zur Lehrperson absolviert, sucht sich Arbeit im Kanton Aargau, wer im Kanton Aargau auf dem üblichen Weg ausgebildet wurde, wandert in den Kanton Zürich ab.

Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Anstellungsbedingungen der beiden Kantone: Während im Kanton Zürich die Entlöhnung aufgrund der Berufserfahrung erfolgt, geschieht sie im Kanton Aargau aufgrund des Alters.

Im Klartext heisst dies: Während Quereinsteiger im Kanton Zürich in der Lohnskala tiefer als ihre Berufskollegen eingestuft werden, verdienen sie im Kanton Aargau nach abgeschlossener Ausbildung genau gleich viel, wie teils seit Jahrzehnten unterrichtende Lehrpersonen.

Lohntabellen unterscheiden sich markant

Eine 48-jährige Lehrperson beispielsweise verdient im Kanton Aargau brutto knapp 112'000 Franken. Arbeitet die gleiche Person im Kanton Zürich, hat sie am Ende des Jahres über 127'000 Franken auf dem Konto.

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Quereinsteiger aber müssen im Kanton Zürich markante Lohneinbussen auf sich nehmen: Ihnen werden nicht alle bisherigen Arbeitsjahre angerechnet, was dazu führt, dass sie in viel tiefere Lohnstufen eingeteilt werden. Ein 48-jähriger Quereinsteiger hat eine Lohneinbusse von über 30'000 Franken einzustecken.

Ein Wechsel in den Aargau lohnt sich für Quereinsteiger bereits während der Ausbildung: Vom regulären Lohn abgezogen werden hier, wie Simone Strub vom BKS erklärt, lediglich 5 bis 10 Prozent.

Kantonsübergreifender Markt für Lehrpersonen normal

Bei Zürcher Quereinsteigern sind die Stellen im Kanton Aargau deshalb äusserst beliebt. Wie viele bereits zugezogen sind, weiss indes niemand. «Es könnte aber schnell zu einem Problem werden», sagt Felix Birchler, Sekretär der Abteilung Lehrberufe der Gewerkschaft VPOD. Zahlen hat aber auch Birchler keine.

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Für Aargauer Lehrer, die auf dem üblichen Weg ausgebildet wurden, bietet sich hingegen ein Wechsel in den Kanton Zürich an: Hier verdienen sie mehr, als im Heimkanton. Gerne wandert deshalb Aargauer Lehrpersonal an Zürcher Schulen ab.

Wie der Präsident des Aargauer Lehrerverbands, Niklaus Stöckli, erklärt, ist ein kantonsübergreifender Arbeitsmarkt beim Lehrerpersonal durchaus normal. Dass Quereinsteiger im Kanton Aargau gleich viel verdienen, wie erfahrene Lehrpersonen, sieht er jedoch als problematisch an: Der Kanton Aargau müsse sich gut überlegen, wie er den Beruf der Lehrperson in Zukunft schützen will. «Junge Leute sollen wenn möglich den Weg über das Regelstudium suchen und sich nicht darauf verlassen, eine Kurzausbildung als Quereinsteiger zu absolvieren.»

Als «ungenügend» bezeichnet er das aktuelle Ausbildungsmodell für Quereinsteiger der Fachhochschule Nordwestschweiz, dasjenige von Zürich schätzt er als etwas besser ein. Chancen in Bezug auf die Quereinsteiger-Ausbildung in der Schweiz sieht er im revidierten Reglement der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Das neue Reglement müsse nun einfach von den Fachhochschulen angewendet werden.

Dass das Unterrichtsniveau im Kanton Aargau durch Zürcher Quereinsteiger sinken wird, glaubt er nicht. Auch werde der Aargauer Lehrermarkt wohl nicht von Zürcher Quereinsteigern «überschwemmt». Das seien keine riesigen Zahlen, erklärt Stöckli.

«Zürcher Quereinsteiger werden als billige Arbeitskräfte eingesetzt»

Für Birchler kann jedoch durchaus sein, dass die unterschiedlichen Anstellungsbedinungen in Zukunft vermehrt die Zürcher Quereinsteiger in den Aargau locken werden, die Aargauer Lehrer dafür in den Kanton Zürich.

Unzufrieden ist Birchler vor allem über die Anstellungspraxis des Kantons Zürich. «Die Quereinsteiger werden im Kanton Zürich als billige Arbeitskräfte missbraucht. Es kann nicht sein, dass Quereinsteiger solch grosse Lohneinbussen einstecken müssen, das ist einfach eine übermässige Bestrafung der Leute, die den Lehrermangel im Kanton auszugleichen versuchen».

Wie die Zürcher Bildungsdirektorin, Regine Aeppli, jedoch gegenüber dem «Tagesanzeiger» mitteilte, werde bis auf Weiteres an den Einteilungsregeln in Bezug auf den Lohn für Quereinsteiger festgehalten.

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