Asylstreit
Aarburgs Ammann Schär: «Den Widerstand geben wir nicht auf»

Im Mai sollen die ersten Asylsuchenden in die Unterkunft in Aarburg einziehen. Die Bauabnahme ist mittlerweile zwar erfolgt. Ammann Hans-Ulrich Schär hat aber noch Hoffnung, dass die Gemeinde die Unterkunft verhindern kann.

Drucken
Aarburgs Ammann Hans-Ulrich Schär will die Asylunterkunft nach wie vor verhindern.

Aarburgs Ammann Hans-Ulrich Schär will die Asylunterkunft nach wie vor verhindern.

Tele M1

«Wir haben nichts gegen Asylsuchende.» Hans-Ulrich Schär war es wichtig, dies im «Talk Täglich» auf Tele M1 am Mittwochabend festzuhalten. Der Widerstand richte sich allein gegen die neue Asylunterkunft. Aarburg habe seine Aufnahmepflicht mit aktuell 34 Asylsuchenden doppelt erfüllt.

Schär verwies auch auf die Situation in der Schule. Jetzt schon gebe es Klassen mit hundert Prozent ausländischen Kindern. Dass sei anspruchsvoller für die Lehrer. Dazu komme, dass Aarburg jährlich 6,2 Millionen Franken für die Sozialkosten ausgebe, und das bei Gesamtausgaben von 28 Millionen. Ein Grund: In Aarburg würden 200 ehemalige Asylsuchende aus Eritrea leben.

Ein Verhinderungsgrund für die Asylunterkunft hat sich am Montag zerschlagen: «Die Bauabnahme ist erfolgt», bestätigte Schär gegenüber Moderator Werner De Schepper. Der Aarburger Ammann hat aber noch Hoffnung: «Den Widerstand geben wir nicht auf.» Die Verwaltung sei an der Arbeit. Das heisst, die Gemeindemitarbeiter suchen nach Möglichkeiten, den Kantonsplänen doch noch einen juristischen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Der «Talk Täglich» auf Tele M1 mit Balz Bruder, Patrizia Bertschi, Hans-Ulrich Schär und Moderator Werner De Schepper.

Der «Talk Täglich» auf Tele M1 mit Balz Bruder, Patrizia Bertschi, Hans-Ulrich Schär und Moderator Werner De Schepper.

Tele M1

Balz Bruder, Leiter Kommunikation des Departements Gesundheit und Soziales, warb dagegen um Verständnis: «Wir haben uns Aarburg nicht ausgesucht.» Die Liegenschaft sei dem Kanton angeboten worden. Er habe dieses Angebot in der aktuellen Situation, in der keine freien Betten für Asylsuchende bestehen, nicht ablehnen können. Später ergänzte er: «Es wäre uns noch so recht, wir hätten ein Angebot aus einer Gemeinde erhalten, die ihre Aufnahmepflicht nicht oder teilweise erfüllt.»

Bruder versicherte, dass die Kinder der Asylsuchenden nicht gleich in die Schule geschickt werden. Zuerst müssen die Familien sich einleben. Dann besuchen die Kinder Einschulungs-Vorbereitungskurse zum Deutschlernen. Anschliessend schaue man, ob man sie in die Regelklassen integrieren kann. Aarburg solle «nicht über Gebühr belastet» werden. «Wir spüren unsere Verantwortung. Wir lassen Aarburg nicht hängen.»

Bruder machte auch deutlich, dass die maximal 90 Asylsuchenden nicht in grossem Komfort leben können. Die Situation in den Wohnungen sei eng, aber «im Vergleich zu anderen Unterkünften ein wesentlicher Fortschritt». In einer 3-Zimmer-Wohnung dürften beispielsweise zirka sieben Personen einquartiert werden.

Patrizia Bertschi ist froh, dass für die Asylsuchenden eine Bleibe gefunden wurde

Patrizia Bertschi ist froh, dass für die Asylsuchenden eine Bleibe gefunden wurde

Tele M1

Patrizia Bertschi, seit zehn Jahren Präsidentin Verein Netzwerk Asyl, rückte die Menschen, eben die Familien aus Syrien in den Vordergrund, die vor allem in die Asylunterkunft an der Lindengurtenstrasse einziehen werden. «Es sind Menschen, die geflüchtet sind. Die haben sich das nicht ausgesucht», sagte sie und machte damit klar, dass es sich nicht um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. «Die haben ganz Grässliches hinter sich.»

Immerhin: In einer Sache waren sich Bruder und Schär einig. «Unser Appell ist Solidarität mit Aarburg», sagte Schär. Und er sprach die 110 Aargauer Gemeinden an, die ihrer Aufnahmepflicht nicht nachkommen. Das seien vor allem Ostaargauer Gemeinden, «die relativ reich sind». Bruder bestätigte: «Es hapert mit Solidarität bei den Gemeinden.» Wenn alle ihrer Aufnahmepflicht nachkommen würden, wäre das Problem gelöst.

Asylsuchende schleppen Möbel für Asylsuchende: Am Dienstag begann die Einrichtung der Unterkunft in Aarburg.

Asylsuchende schleppen Möbel für Asylsuchende: Am Dienstag begann die Einrichtung der Unterkunft in Aarburg.

Raphael Nadler

Laut Bruder werden die zwei bestehenden Asylunterkünfte in Aarburg mit 34 Personen in «absehbarer Zeit» geschlossen. Wie Schär sagte, handelt es sich vor allem um alleinstehende Männer, die «bei den Mitmenschen Befürchtungen verbreiten». Der Aarburger Ammann reagierte auf diese Worte mehr als skeptisch: «Wir glauben das einfach nicht», sagte er. «Beim Kanton ist absehbar zwei Jahre plus.»

Dass die neuen Asylsuchenden in Aarburg Schwierigkeiten bereiten werden, hält Bruder für unwahrscheinlich: «Wir haben viele Familien-Unterkünfte, die ohne Probleme funktionieren.» Aus seiner Erfahrung könne er sagen, dass «der Betrieb dieser Unterkunft nicht die Schwierigkeiten machen wird, die an die Wand gemalt werden».

Bertschi zeigte sich ebenso überzeugt, dass man das zu einem guten Ende bringen könne, dass es in Aarburg genug Leute gebe, die etwas dazu beitragen werden, dass die Asylsuchenden «ein Leben in Sicherheit und Ruhe finden». (pz)

Den Link zur Sendung finden Sie hier.

Aktuelle Nachrichten