Es ist ein Jahr her, seit der Fall Funda Yilmaz (26) landesweit für Schlagzeilen sorgte. Es war sicher kein Zufall, dass gestern Abend der für Einbürgerungen zuständige Regierungsrat Urs Hofmann (61, SP) in Buchs die Bundesfeier-Ansprache hielt. Er machte feine Anspielungen – ohne dabei die Wörter Yilmaz, Einbürgerung oder SVP zu verwenden.

Hofmann stellte Veränderungen in den Mittelpunkt seiner Rede: «Was typisch schweizerisch ist, war gestern etwas anderes als heute und ist in ein paar Jahren nicht mehr dasselbe.» Der Justizdirektor, ein gefühlter Allzeit-Aarauer, nannte als Beispiel die Sprache. «Heute würde ich ‹zwöi› Bratwürste bestellen. Ob es bei meiner ersten Bundesfeier, die ich vor 42 Jahren während meiner RS besuchte, ‹zwoo› waren, wie es mundartgrammatikalisch korrekt wäre, weiss ich nicht mehr.»

Der Regierungsrat fragte, was die Schweiz zusammenhalte, was unter allen Umständen bewahrt, geschützt und in die Zukunft getragen werden müsse. Wesentlich sei, wie wir miteinander umgingen. «Von zentraler Bedeutung ist auch unser Menschenbild. Und entscheidend ist, dass sich möglichst viele von uns an der Gestaltung der Zukunft beteiligen.»

Konkret: «Verantwortlich für uns Land, für unseren Kanton, für unsere Gemeinde sind nicht die anderen, nicht die Politikerinnen und Politiker, sondern wir alle.»

Hofmann betonte, ein Land sei dann besonders gut für die Zukunft gerüstet, wenn es sich nicht auf die Visionen einiger wenige verlasse, sondern wenn sich möglichst viele Menschen Gedanken über die Zukunft machten und diese in die politische Diskussion einbrächten. So könne der Wettbewerb der Ideen rechtzeitig spielen. «Was heute visionär ist, ist morgen mehrheitsfähig und übermorgen Normalität.» (uhg)