Aarau
«Zwischennutzung soll den Boden für den ‹Oxer› ebnen»

Jolanda Urech oder Lukas Pfisterer – Kulturschaffende fühlten den Stadtpräsidiumskandidaten am letzten gemeinsamen Podium vor den Wahlen den Puls. Zentrales Thema war die Zukunft der Mittleren Bühne Aargau in der Alten Reithalle.

Hubert Keller
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Jean-Pierre Hoby (Mitte) im Gespräch mit den Kandidaten für das Stadtpräsidium, Lukas Pfisterer und Jolanda Urech.

Jean-Pierre Hoby (Mitte) im Gespräch mit den Kandidaten für das Stadtpräsidium, Lukas Pfisterer und Jolanda Urech.

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Das Podium mit den Kandidaten für das Stadtpräsidium, das letzte vor den Wahlen, hatte «Q Aarauer Kultur», die Interessengemeinschaft der Aarauer Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen, organisiert – gleichsam am Kristallisationspunkt der städtischen Kulturpolitik, in der Alten Reithalle, in der die Mittlere Bühne Aargau realisiert werden soll.

Wie steht es um den «Oxer», die Mittlere Bühne Aargau? Diese Frage interessierte die rund 80 Besucher der Wahlveranstaltung am meisten.

Mit ihren Antworten konnten wahrscheinlich weder Lukas Pfisterer noch Jolanda Urech befriedigen. Der dritte Kandidat, Martin Häfliger, nahm am Podium nicht teil.

Die angeregte Diskussion moderierte Jean-Pierre Hoby, ehemaliger Chef Kultur der Stadt Zürich und aktuell Mitglied der Kerngruppe «Kulturkonzept Aarau», das nach den Herbstferien vorgelegt werden soll.

Übrigens: Als Hoby in den 80er-Jahren seine Stelle antrat, war sein Auftrag, in der Roten Fabrik zum Rechten zu schauen.

«Die Rote» ist längst vom Problemfall zum Vorzeige-Kulturinstitut der alternativen Szene geworden. Eine Paradebeispiel, das auch für Aarau gültig sein kann?

«Es ist Sand im Getriebe», stellte Urech fest. Die Stadt hat um die Mittlere Bühne Aargau, den «Oxer», gekämpft und 2005 den Zuschlag erhalten. Doch die damalige Euphorie hat einer gewissen Ernüchterung Platz gemacht.

Urech stellt den «Oxer» deswegen keineswegs in Frage. Sie ist sich bewusst, dass «wir mit Hilfe des Kantons nie mehr so günstig zu einem Theaterhaus kommen», doch fehle in der Bevölkerung die Verankerung. «Es braucht grosse Anstrengungen, um den politischen Willen für den ‹Oxer› aufzubauen.» Die Zwischennutzung sei deshalb absolut wichtig.

Das Projekt «Oxer» sei aus finanziellen Gründen aufgeschoben, aber nicht aufgehoben worden, gab Pfisterer zu bedenken. Für ihn, der «gegen eine Steuererhöhung in den nächsten Jahren» ist, ist der «‹Oxer› im Moment zumindest nicht finanzierbar».

Aber auch er stellt das Projekt nicht grundsätzlich in Frage. Die Zwischennutzung diene dazu, für das Projekt in der Bevölkerung eine breitere Abstützung zu finden.

Kultur sei für sie lebenswichtig, habe sie schon immer begleitet, sagte Jolanda Urech. «Kultur, gleich welcher Richtung und Ausprägung, ist geistige und seelische Nahrung, sie gibt uns das Gefühl, in dieser Stadt aufgehoben zu sein.»

«Die Qualität einer Stadt misst sich nicht am Zustand der Strassen, sondern am kulturellen Angebot», sagte Pfisterer. In ihren Bekenntnissen zur Kultur liessen Urech und Pfisterer keine Zweifel aufkommen.

Überprüfbar werden sie aber erst sein, wenn Urech oder Pfisterer ihre Arbeit im Rathaus aufgenommen haben.

Differenzen waren nicht auf Anhieb erkennbar. Sie liessen sich zum Beispiel ausmachen, als Urech sich dafür aussprach, dass die einzelnen Abteilungen der Stadt – Wirtschaftsfachstelle, Liegenschaften, Stadtbauamt und Kulturstelle – stärker zusammenarbeiten müssten, um die Bedürfnisse der Kulturschaffenden ständig im Blick zu haben, vor allem bei der Vermittlung von Räumlichkeiten.

Pfisterer sieht da weniger Handlungsbedarf. Auch die Jugend habe am Podium im «Flösserplatz» ihre Raumbedürfnisse angemeldet, sagte er. Die Stadt selber verfüge nicht über viele Räume. Doch sie wisse, wo Räume frei seien. Der Stadt käme also vor allem die Rolle der Vermittlerin zu.

Dass sich auch die Kulturschaffenden vernetzten, erwartet Jolanda Urech. Wenn sich die Anbieter besser absprechen, würde nicht nur die Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus verstärkt, sondern würden allenfalls auch die vorhandenen Räume besser genutzt.

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