Erlinsbach
Zweiter Anlauf: 4,76 Millionen für mehr Komfort auf der «Breite»?

Jetzt könnte es klappen – die Erneuerung des Sportplatzes Breite kommt im November in beiden Erlinsbach vor die Gmeind, nachdem das erste Projekt 2014 gescheitert ist. Ein modernes Garderobengebäude und ein allwettertaugliches Kunstrasenfeld stehen dabei im Fokus.

Hermann Rauber
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Weg von der «Pflästerlipolitik»

Weg von der «Pflästerlipolitik»

Bruno Kissling

Nägel mit Köpfen für die Erneuerung der Erlinsbacher Sportanlage Breite: Im Zentrum des Projektes, das jetzt auf dem Tisch liegt, stehen ein modernes Garderobengebäude und ein allwettertaugliches Kunstrasenfeld. Das Vorhaben soll 4,76 Millionen Franken kosten, in die sich neben dem FC Erlinsbach und dem Kanton zur Hauptsache die beiden Gemeinden Erlinsbach teilen.

Der Sportplatz Breite ist seit 1947 in Betrieb. Nach und nach kamen Garderoben, ein Klubhaus, ein Übungsfeld, ein Sandplatz und ein Pavillon dazu. Doch die Kapazitäten reichen längst nicht mehr aus. Der FC Erlinsbach zählt heute über 300 Aktivmitglieder, die in 21 Mannschaften auf der «Breite» kicken und trainieren müssen. Zudem sind die bestehenden Anlagen gemäss den beiden Gemeinderäten «nicht mehr zeitgemäss» und laut dem FCE «marod und baufällig», alles andere als ein Aushängeschild.

Perimeter geändert

Bereits im Frühling 2014 legte der Gemeinderat von Erlinsbach SO das Projekt für ein drittes Spielfeld und ein neues Klubhaus vor, doch scheiterte die Realisierung am revidierten Raumplanungsgesetz respektive an einer Einsprache gegen die Erweiterung der Bauzone. Im zweiten Anlauf soll das Werk nun mit einem geänderten Perimeter doch noch gelingen. Von Anfang an bestand die Grundidee, die neuen Garderobenräume möglichst unauffällig zu gestalten, also mit nur einem sichtbaren Geschoss. Die neuen Umkleidekabinen sind im Keller angeordnet, im Parterre befinden sich künftig zwei Schiedsrichterzimmer, der Sanitätsraum, Toiletten sowie ein Material- und Geräteraum. Zusätzlich erstellt der Fussballclub Erlinsbach ein neues Klublokal samt Küche auf eigene Kosten.

Von den Aussenanlagen wird der heutige Hauptspielplatz aus dem Jahr 1988 erhalten und weiterhin als Naturrasenfeld genutzt. Der bestehende Nebenplatz wird durch ein Kunstrasenfeld in den Massen von 100 mal 64 Metern ersetzt. Mit diesem Belag kann die Kapazität erhöht und den 21 Mannschaften – darunter immer mehr Mädchen und Frauen – ein ganzjähriger Trainings- und Spielbetrieb gewährleistet werden. Das bestehende Übungsareal und der Sandplatz werden abgebrochen und durch ein Naturrasenspielfeld ersetzt.

Weg von der«Pflästerlipolitik»

Man habe sich, so der FC Erlinsbach, bei der Erneuerung der Sportanlage Breite «auf des Notwendige beschränkt und auf jeglichen Luxus verzichtet». Der FC sei aber froh, dass dieses kompakte Vorhaben die «bisherige Pflästerlipolitik» im Bereich der «Breite» ersetze. Denn im Moment müssten für einen Teil des Trainingsbetriebs temporär auch Rasenflächen von Schulanlagen beansprucht werden, was zu Konflikten mit dem Schul- oder Vereinssport führe.

Ein Ja zum Projekt bedeute schliesslich auch die «Anerkennung für die umfangreiche Jugendarbeit» eines klassischen Dorfvereins. Das war denn auch «das entscheidende Argument für die Behörden, sich finanziell zu engagieren», betont Markus Lüthy, der Präsident der Betriebskommission beider Erlinsbach, der beim demokratischen Prozess für die Erneuerung der Sportanlage Breite an die «Solidarität» anderer Vereine appelliert. Es gehe darum, rund 150 Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu ermöglichen, dank dem steten Einsatz von Freiwilligen notabene.

Kosten von gegen 5 Mio. Franken

Die gesamten Kosten sind mit 4,76 Millionen Franken veranschlagt. 500 000 Franken sind vom kantonalen Swisslos-Sportfonds zu erwarten, 300 000 Franken will der FC Erlinsbach selber beisteuern. Der grössere Rest wird auf die beiden Erlinsbach aufgeteilt, die Aargauer Gemeinde soll
2,14 Millionen übernehmen, die Solothurner 1,81 Mio. Franken.

Erlinsbach AG wird über den Investitionsbeitrag an der Winter-Gmeind vom 25. November befinden, Erlinsbach SO am 28. November. Hier ist wegen der Höhe des Kredits eine obligatorische Urnenabstimmung erforderlich, die auf den 12. Februar 2017 terminiert ist.

Info-Veranstaltung: Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr, in der Mehrzweckhalle Kretz.

Erster Versuch 2014 am Raumplanungsgesetz gescheitert

Vor zwei Jahren plante die Gemeinde Erlinsbach SO die Erweiterung ihres Sportplatzareals in der «Breite» gegen Norden und Osten. Betroffen von dem Projekt waren auch zwei landwirtschaftliche Parzellen im Besitz der Firma Belser AG, die an das Ehepaar Müller Kühnis vom Breitehof verpachtet waren. Die Zeit drängte damals, denn am 1. Mai 2014 trat das neue Raumplanungsgesetz des Bundes in Kraft. Laut diesem dürfen die Kantone die Gesamtfläche ihrer Bauzonen nicht vergrössern, bevor sie ihre Richtpläne an das geänderte Gesetz angepasst haben.

Am 14. April 2014 verabschiedete der Gemeinderat Erlinsbach SO deshalb die für den Sportplatz nötige Einzonung in der «Breite» – unter dem Vorbehalt allfälliger Einsprachen. Der Solothurner Regierungsrat bot Hand zum Schnellzugsverfahren und genehmigte zwei Tage vor Inkrafttreten des eidgenössischen Bauzonenstopps den Bauzonen- und Gesamtplan Sportplatz Breite. Dies obwohl die Einsprachefrist gegen den Gemeinderatsbeschluss noch lief. Allerdings hielt der Regierungsrat fest, dass seine Bewilligung nur gelte, wenn keine Einsprache eingehe.

Schon am 15. April 2014 hatten indessen Beatrix und Peter Müller Kühnis Einsprache erhoben. Dass der Gemeinderat diese Ende Mai abwies, war nicht von Bedeutung, denn am 1. Mai war sie noch hängig gewesen. Sprich: Als das neue Raumplanungsgesetz in Kraft trat, fehlte wegen der Einsprache des Pächterehepaars die regierungsrätliche Genehmigung des Bauzonen- und Gesamtplans Sportplatz Breite. Da die Rechtslage klar war, strich der Gemeinderat Ende 2014 die Segel. (uw)

FC Erlinsbach