Aller guten Dinge sind drei. Aller schlechten auch: Zweimal schon war Teddy Käch (Name geändert) wegen Pornografie verurteilt worden – und jeweils glimpflich davongekommen. Beim dritten Mal gabs kein Pardon mehr: Das Strafgericht Aarau verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten. Den bedingten Vollzug, wie ihn die Verteidigerin gefordert hatte, halte er für ausgeschlossen, sagte Einzelrichter Andreas Schöb bei der mündlichen Urteilsverkündung. Der Beschuldigte habe bloss scheinbar Einsicht gezeigt – und dann im gleichen Stil weitergemacht. «Seit vier Jahren ist es immer die gleiche Geschichte.»

Der verheiratete Mittvierziger war 2011 vom Bezirksgericht Zürich und 2013 von der Staatsanwaltschaft Zug wegen Pornografie zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden. «Aufgrund der Verfahren, die bisher gegen Sie liefen, wissen Sie, dass Sie das nicht dürfen», sagte der Richter. Zur Last gelegt hatte die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau dem Beschuldigten die Straftatbestände der versuchten und der mehrfachen Pornografie.

In eine Falle getappt

Zum Verhängnis wurde Teddy Käch der Versuch, pornografische Darstellungen «einer Person unter 16 Jahren zu zeigen, zu überlassen und zugänglich zu machen». Im Chatroom kommunizierte er während sechs Tagen mit einer Person, die sich als 13-jähriges Mädchen ausgab. Wiederholt schrieb er detailliert über sexuelle Handlungen. Zudem schickte er der vermeintlichen Chat-Partnerin via E-Mail vier Fotos, auf denen ein erigierter Penis zu sehen war. Teddy Kächs Pech: Bei dem 13-jährigen Mädchen handelte es sich um einen Mitarbeiter der Fachgruppe Kinderschutz der Stadtpolizei Zürich. Dass der Beschuldigte ein mit dem «Mädchen» vereinbartes Treffen per SMS absagte, nützte ihm nichts mehr. Er zappelte bereits im Netz. Auf seinem Laptop fanden sich dann auch 16 Fotos mit kinderpornografischem Inhalt. 

Teddy Käch bestritt die Straftatbestände nicht und gab sich einsichtig. Vor Gericht sagte er, er habe sich seinerzeit beruflich und persönlich «in einem Loch» befunden. Die ihm zur Last gelegten Taten hätten ihm ermöglicht, «sich in eine andere Welt zu flüchten, wo ich die Sorgen beiseitelassen konnte». Er habe die Folgen für die Chat-Partnerinnen nicht bedacht, was ihm leidtue. Inzwischen lebe er wieder in einem stabilen Umfeld. Im Falle der Verurteilung zu einer unbedingten Gefängnisstrafe werde er dieses nicht behalten können.

Auf dieser Schiene argumentierte auch seine Anwältin: «Die Rückfallgefahr ist am grössten, wenn er sich in einer Krisensituation befindet.» Ein Gefängnisaufenthalt würde ihren Mandanten «geradezu in eine solche Krise hineinkatapultieren», prophezeite die Verteidigerin. Da der Sachverhalt unbestritten war, konzentrierte sie sich auf die Frage des Strafmasses. Sie beantragte eine Einsatzstrafe von sechs Monaten Freiheitsentzug, wobei der Strafvollzug zugunsten einer Delikt-orientierten ambulanten Psychotherapie aufzuschieben sei. Die Behandlung nach der zweiten Verurteilung, liess die Anwältin durchblicken, sei falsch gewesen. Rückfällig geworden sei Käch nämlich auch, weil sich bisher noch kein Therapeut der sexuellen Komponente seiner Taten angenommen habe.

In Zürich und Zug war Teddy Käch zu Geldstrafen in der Höhe von insgesamt rund 55'000 Franken verurteilt worden. Dabei kam er jeweils in den Genuss des bedingten Strafvollzugs. Die Staatsanwaltschaft beantragte, dass dieser zu widerrufen sei, da der Beschuldigte während der Probezeit rückfällig geworden sei. Die Verteidigerin verlangte demgegenüber, dass lediglich die Probezeit zu verlängern sei.

Unbedingte Gefängnisstrafe

Gerichtspräsident Schöb zeigte dafür kein Verständnis und folgte vollumfänglich den Anträgen der Staatsanwaltschaft: Teddy Käch muss nun, falls das Urteil rechtskräftig wird, für neun Monate ins Gefängnis. Für einen bedingten Strafvollzug müsste eine besonders günstige Prognose vorliegen. Eine solche sei in diesem Fall ganz klar zu verneinen, erklärte der Richter, der zudem eine ambulante Therapie anordnete. Die sexuelle Vorliebe des Beschuldigten, seine psychische Störung, müsse behandelt werden. Den unbedingten Strafvollzug zugunsten der Massnahme aufzuschieben, komme jedoch nicht infrage. Das sei nur in besonderen Ausnahmefällen möglich.

Auch die in Zürich und Zug ausgesprochenen Geldstrafen bleiben Teddy Käch nicht mehr erspart. Den Verurteilungen zum Trotz, so der Gerichtspräsident, habe der Beschuldigte «genau das Gleiche wieder gemacht». Wenn in diesem Fall der bedingte Strafvollzug nicht widerrufen werde, «wann dann?» Der beschlagnahmte Laptop wird vernichtet. Die Verfahrens- und Untersuchungskosten samt Anklagegebühr – total um die 15 000 Franken – werden dem Beschuldigten auferlegt.

Er sei sich bewusst, dass Teddy Käch mit diesem Urteil Gefahr laufe, sein gegenwärtig stabiles Umfeld zu verlieren, räumte der Richter ein. Langfristig gesehen, ergebe sich aber ein Gewinn: «So weitermachen wie in den letzten vier Jahren, das geht nun einmal nicht.»