Drei verletzte Pferde in den Hindernisrennen am ersten Renntag 2016 im Aarauer Schachen. Eines davon musste mit einem komplizierten Beinbruch eingeschläfert werden. Dazu zwei Pferde, die im Jagdrennen zu Fall kamen. Ihnen passierte jedoch nichts. Auch die Jockeys blieben allesamt unverletzt.

Pferderennen Aarau 1. Renntag 2016, 4. Rennen

Pferderennen Aarau 1. Renntag 2016, 4. Rennen

Preis Radio Argovia. Sieger BE MY HOPE

«Gibt es in Aarau mehr Stürze und mehr Verletzungen als auf andern Schweizer Rennplätzen?» Diese Frage stellten sich manche Zuschauer am letzten Sonntag. Ein Vergleich mit andern Bahnen ist allerdings nur freilich bedingt zulässig. Für Flachrennen ist der Schachen der engen Bögen wegen nicht besonders geeignet. Grosse Flachrennen werden in der Schweiz deshalb ausschliesslich in Frauenfeld, Dielsdorf, St. Moritz und Avenches gelaufen. In Aarau liegt der Schwerpunkt folgerichtig auf dem Hindernissektor. Und über Hindernisse gibt es tendenziell mehr Zwischenfälle.

Pferdewagenrennen Aarau 1. Renntag 2016, 5. Rennen

Pferdewagenrennen Aarau 1. Renntag 2016, 5. Rennen

Preis des Ostschweizer Traberclubs, des Traberclubs Regio Basel und Gönner. Sieger TOP BOY

Vergleichbar mit dem Schachen ist von daher in der Schweiz am ehesten noch das Maienfelder Rossriet. In der Bilanz 2015 scheidet der Schachen aber klar besser ab als das Rossriet: In 71 Hindernisrennen stürzten in Aarau drei Pferde, zwei wurden angehalten. In Maienfeld kamen in 44 Hindernisrennen fünf Pferde zu Fall und eines wurde angehalten. Die Sturzquote liegt damit in Aarau bei 4,2 Prozent, in Maienfeld bei 11,4 Prozent. Klar ist: Ein Sturz bedeutet nicht automatisch eine Verletzung. Ein Pferd, das sich verletzt, kommt nicht zwingend zu Fall. Und ein Pferd wird mitunter zu seinem Schutz angehalten, nicht weil es sich verletzt hat. So gesehen, sagt die Statistik über Verletzungen nur sehr bedingt etwas aus.

Sturzquote war höher als sonst

Trotzdem war der erste Renntag der Saison 2016 ein Ausreisser, sowohl was die Unfall- als auch was die Sturzquote angeht. Bei den Hindernisrennen der letzten fünf Jahre kamen von 404 gestarteten Pferden 17 zu Fall und 21 wurden angehalten. Das ergibt eine Sturzquote von 4,2 Prozent. Am letzten Sonntag lag diese aber bei 15,8 Prozent. Dieser Wert wurde an keinem andern Renntag seit 2011 erreicht.

Drohnenaufnahme Pferderennbahn Schachen Aarau (Teil 1)

Drohnenaufnahme Pferderennbahn Schachen Aarau (Teil 1)

Im März 2016 zur Verfügung gestellt von Skyrec Production, Wangen bei Olten

Verletzungen sind in den Rennprotokollen nicht vermerkt. Vergleiche sind hier deshalb schwierig. Das Rennprotokoll lässt zum Beispiel nicht erahnen, dass sich Vivalko, der am Sonntag im Grossen Preis des Kantons Aargau als Vierter ins Ziel kam, eine Sehne zu 90 Prozent durchgerissen hat. Seine Besitzer wollen alles tun, um dem Fuchswallach «ein würdevolles weiteres Leben zu ermöglichen». Seine Rennkarriere, heisst es jedoch auf Anfrage, sei «definitiv beendet».

Drohnenaufnahme Pferderennbahn Schachen Aarau (Teil 2)

Drohnenaufnahme Pferderennbahn Schachen Aarau (Teil 2)

Die Pferderennbahn Schachen Anfangs 2016

Über die Unfälle auf der Bahn hat der Schweizerische Rennsportverband (SPV) den Überblick. So ist bekannt, dass in der ganzen Saison 2015 auf keiner Schweizer Rennbahn ein Pferd eingeschläfert werden musste, das einen Knochenbruch erlitten hatte. Das geht aus dem Jahresbericht der SPV-Veterinärkommission hervor. Allerdings seien Pferde, die schwerwiegende Verletzungen des Bewegungsapparats erlitten hätten, in den Tagen oder Wochen nach den Rennen eingeschläfert worden. «Die genaue Anzahl dieser Pferde», heisst es im Bericht, «bleibt unbekannt, da die Trainer diese Geschehnisse nur sehr selten dem Verband melden.»

Drei Todesfälle auf Rennbahnen oder auf dem Weg zur Bahn gab es 2015. Das entspricht rund 3 Prozent der letztes Jahr an den rund 60 Renntagen in der Schweiz verzeichneten 93 Unfälle. Es sind Todesfälle, wie sie auch im Humansport vorkommen können. Zwei Pferde starben an einem Kreislaufkollaps, eines davon ein paar hundert Meter nach dem Zieleinlauf an einer Überlastung des Kreislaufsystems. Das andere verschied anderthalb Stunden nach einem Rennen, in dem es gestürzt war, «wahrscheinlich infolge einer inneren Blutung», wie die Veterinärkommission schreibt. Das dritte Todesopfer gab es in Sankt Moritz: Das Pferd stieg auf dem Weg zur Rennbahn, kam zu Fall und schlug mit dem Kopf auf dem gefrorenen Boden auf. Dabei erlitt es einen Schädelbasisbruch.

Die Bahn im Schachen hat, was das Geläuf angeht, einen ausgezeichneten Ruf. Sie gilt seit vielen Jahren als hervorragend gepflegt. Vereinzelt hört man von Aktiven, obschon die Verantwortlichen ihr Bestes täten, sei die Bahn oft ein wenig fest. Dies aufgrund des Kiesuntergrunds, der das Wasser schnell versickern lässt. In der Regel werden aber eher die engen Bögen – in Verbindung mit den hohen Tempi – und die schweren Sprünge in den Hindernisrennen als Risikofaktoren genannt. Dass Unfälle immer wieder mal vorkommen, ist eine Tatsache. Die Durchsicht der Rennprotokolle der letzten Jahre macht aber eines deutlich: An der Tagesordnung sind derart schwarze Renntage wie der letzte nicht.

Pferderennen im Aarauer Schachen vom 17. Mai 2015

Pferderennen im Aarauer Schachen vom 17. Mai 2015