Schöftland
Zwei Unternehmer aus Schöftland mischen den Markt in Abu Dhabi auf

Auf den ersten Blick ist kaum zu glauben, dass sich im Wohnquartier am Rosenweg in Schöftland eine Firma befinden soll, die momentan mehr in Abu Dhabi bekannt ist als in der Schweiz.

Christine Fürst
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Marcel Burgener (links) und Martin Heuschkel von der Firma MetApp.cfü

Marcel Burgener (links) und Martin Heuschkel von der Firma MetApp.cfü

Christine Fürst

Der Eingang zum Büro befindet sich in einem der Kellerräume eines Wohnblockes. Die Tür unterscheidet sich nicht von den anderen im Keller, einzig ein Hinweis mit dem Firmennamen «MetApp» verrät, dass es sich hier um ein Büro und nicht um einen Bastelraum handelt.

Auf zehn Quadratmeter mit nur einem winzigen Fenster hat sich Marcel Burgener eingerichtet. Ein Fenster brauche er nicht zum Arbeiten. Die Möbel sind zusammengewürfelt, ein Bürostuhl, eine Kaffeemaschine und ein grosser Drucker in der Ecke. «Manch anderer hat auch klein begonnen», sagt er. Denn die Firma MetApp wurde erst im Sommer letzten Jahres von Marcel Burgener und Martin Heuschkel gegründet.

Die zwei Unternehmer kannten sich schon länger. Burgener ist Verkäufer und kam aus der Metallbauindustrie, Heuschkel ist Elektroingenieur. Ihnen schwirrte die Idee im Kopf herum, eine Energiefassade zu entwickeln. Eine Fassade, die bei genügend Sonnenenergie Kälte entwickelt und so die Gebäude klimatisieren kann.

«Dann kam dieser Anruf», sagt Burgener, «mit der Anfrage, ob wir für die Fenster eines Palastes in Abu Dhabi Metallprofile entwickeln wollen.» Lange mussten die beiden nicht überlegen. Sie nahmen mit dem Metallbauer vor Ort Kontakt auf, reisten nach Abu Dhabi, Dubai und Paris, um alles zu regeln.

Der Auftrag war klar: Für eine grosse Palastanlage direkt am Meer in Abu Dhabi müssen spezielle Fensterprofile für die Montage auf Mahagoni-Holz entwickelt und produziert werden. Der höchste Punkt des Palastes beträgt rund 65 Meter, Profile für 400 Fenster wurden in Auftrag gegeben.

Heuschkel und Burgener entwickelten daraufhin Profile, die den klimatischen Bedingungen in Abu Dhabi gewachsen sind, Salzwasser und Sandstürme aushalten können. Sie bestehen aus einem Sondermessing, das erstmals in den Vereinigten Arabischen Emiraten verwendet wird.

Hightech-Material heilt sich selbst

Und sie haben eine besondere Eigenschaft: Sie sind selbstheilend. Zu Beginn noch bronzefarben, färben die Sonne und die Natur das Material mit der Zeit dunkel. Jeder Kratzer wird somit automatisch ausgebessert.

Rund 80 Tonnen Material wurde nun nach Abu Dhabi geliefert. «Das Material hat die Eigenschaften von Alu und das Gewicht von Stahl, das macht es teuer», sagt Burgener.

«Diese Fenster, die gibt es nur in Abu Dhabi», ergänzt Heuschkel. Immer wieder reisen sie in die Vereinigten Arabischen Emirate, um den Bau zu überprüfen. Denn der Palastbau ist schon weit fortgeschritten.

Als der Vertrag für diesen Auftrag unterzeichnet wurde, gründeten die Unternehmer die Firma MetApp. Met steht für Metall, App für Applikation. Als Gesamtes steht der Name für die verschiedenen Anwendungen mit Metall. «Unser Firmenname ist unser Firmenzweck», sagt Heuschkel. Und sie wollen ausbauen. «Wir sind daran, den Markt aufzumischen und erarbeiten neue Projekte», sagt Burgener.

Sie suchen eine Produktionsstätte und Lagerhallen, wenn möglich in Schöftland. Doch noch sei die Firma ein kleines Pflänzchen, das wachse. Wächst es weiter, wird das Büro im Keller bald der Vergangenheit angehören.