Donnerstagabend, halb zehn, Bärenmatte Suhr. Die Traktanden der Wintergmeind sind abgearbeitet. Doch den rund 250 Anwesenden ist klar, dass noch etwas folgen muss: die Verabschiedung von Gemeindepräsident Beat Rüetschi (nach 20 Amtsjahren) und Gemeindeschreiber Hans Huber (nach 31 Amtsjahren).

Rüetschis langes und ereignisreiches Regime, während Suhrs Einwohnerzahl von 8000 auf 10 000 angestiegen ist, wird von seinem Nachfolger Marco Genoni gewürdigt. Ein steiler Einstieg sei es gewesen vor 20 Jahren, aus der Privatwirtschaft kommend, direkt auf den Präsidentenstuhl. Von 2006 bis 2014 gehörte Rüetschi auch der FDP-Fraktion des Grossen Rates an. Dort, so Genoni, habe er oftmals die Interessen der Gemeinden vertreten.

«Für mich», so Beat Rüetschi, «war selbstständig denken und handeln immer eine Selbstverständlichkeit – das habe ich auch auf die Gemeinde zu übertragen versucht.» Ein Rat für die Zukunft: Wichtig sei, dass die Gemeinde selbstbestimmend bleiben und im Zukunftsraum Aarau eine gute Position einnehmen könne. In der heutigen Politik, so Rüetschi weiter, müsse man langfristig denken. Einziges Problem: «Kurzfristig kann man da fast keine Erfolge vorweisen.» Manchmal sei auch wenig Sturheit nötig, beispielsweise gegenüber dem Kanton. «Bei der WSB-Verlegung, sagten wir uns: Wenn die Bagger nach acht Jahren auffahren, glauben wir daran – im neunten Jahr war es dann so weit.»

31 Jahre war Hans Huber Gemeindeschreiber in der Gemeinde, in der er 1972 bis 1975 schon die Verwaltungslehre gemacht hatte. Mit seiner neutralen, pragmatischen Art, sagt Carmen Suter, Gemeinderätin und kommende Vizegemeindepräsidentin, habe Huber vieles geleitet und begleitet. Und: «Nur wenige Gemeinden haben das Glück, so lange einen Gemeindeschreiber wie dich zu haben.» Schon sein Vorgänger Adrian Ingold, der ihn gefördert habe, verrät Huber, habe das Amt 31 Jahre lang ausgeübt.

«Vielfach», so Hans Huber, «war es so, dass etwas beschlossen wurde und ich mich nachträglich mit den Details auseinandersetzen durfte.» Nun übernimmt Beatrice Räber. Hans Huber selber steht wöchentlich noch einen Tag im Dienst der Gemeinde – «als normaler Angestellter». Er helfe gerne, den Neuen den Einstieg zu erleichtern, sagt er. Und Arbeiten zu vollenden, die er noch angefangen habe.