In Küttigen geht es am 26. November nochmals um die Wurst. Denn bei den Gesamterneuerungswahlen im September wurden nur vier von fünf Gemeinderatssitze vergeben – an Bisherige: Tobias Leuthard (SP), Peter Forster (FDP), Raymond Hunziker (SVP) und Thomas Kaspar (FDP). Für den fünften Sitz gab es nach dem Rücktritt von Ammann Dieter Hauser drei Bewerber, die aber das absolute Mehr (862 Stimmen) verpassten. Markus Knüsel (SVP) erhielt 850 Stimmen, Werner Bürge Baldenweg (parteilos) 839, und Waldemar Wehrli (parteilos) 719. Würde Knüsel gewählt, hätte die SVP wieder zwei Sitze.

Alle drei Kandidaten treten nun für den 2. Wahlgang im November an und sind als einzige wählbar. Werner Bürge Baldenweg (52) ist Lehrer und wohnt im Rombachtäli. Belagstrennfachmann Waldemar Wehrli (wurde am Donnerstag 50) lebt am Gräbacherweg. Markus Knüsel (50) ist Unternehmer und Landwirt, sein Hof liegt an der Staffelegg-strasse. Knüsel gehört bisher der Finanzkommission an. Die AZ hat diesen drei Kandidaten vier Fragen gestellt.

Wie würden Sie die Dorfstrasse umgestalten, damit es in zehn Jahren nicht wieder gleich viel Verkehr hat wie vor der Eröffnung des Staffeleggzubringers?

Werner Bürge Baldenweg: Die Strasse sollte für den Durchgangsverkehr unattraktiv sein. So wäre eine kurze, einspurige Strassenführung mittels Bodenmarkierung zum Beispiel etwa in der Dorfmitte denkbar. Baumassnahmen (Hindernisse oder Stufen) sind teuer und behindern auch Dienste wie öV oder Feuerwehr.

Markus Knüsel: Seit der Staffeleggzubringer in Betrieb genommen wurde, hat der Verkehr im Dorf auf der Hauptstrasse deutlich abgenommen – im speziellen der Lastwagenverkehr. Aus meiner Sicht bringt eine Umgestaltung der Hauptstrasse in Küttigen keine (zusätzliche) Verminderung des Verkehrs. Zudem ist die Hauptstrasse eine Versorgungsroute Typ I, was allfälligen Umgestaltungsvorhaben enge Grenzen setzen würde.

Waldemar Wehrli: Man muss die Sache realistisch sehen. Die Mobilität privat wie auch geschäftlich wird immer grösser. In zehn Jahren haben wir wahrscheinlich wieder gleich viel Verkehr wie vor der Umfahrung (Navi, Schleichwege, Abkürzungen).

Küttigen macht nicht mehr beim «Zukunftsraum Aarau» mit. Wie soll die regionale Zusammenarbeit künftig aussehen?

Werner Bürge Baldenweg: Über eine Teilnahme wurde nach eingehender Prüfung abgestimmt. Die klare Meinung der Mehrheit ist zu respektieren. Eine Zusammenarbeit kann punktuell stattfinden. Küttigerinnen und Küttiger sollen in diesen Fragen unbedingt mitbestimmen können.

Markus Knüsel: Die Gemeindeversammlung hat den Entscheid des Gemeinderats, beim Zukunftsraum Aarau nicht mehr mitzumachen, mit grosser Mehrheit bestätigt. Die regionale Zusammenarbeit besteht schon heute in vielen Bereichen, insbesondere auch mit Aarau. In Zukunft werden weitere Gebiete der Zusammenarbeit hinzukommen, sofern sie zu einer Effizienzsteigerung und finanziellen Entlastung bei allen Beteiligten beitragen.

Waldemar Wehrli: Küttigen ist ein eigenständiges Dorf mit einem gesunden Dorfcharakter. Diskutieren kann man immer, aber entscheiden wird Küttigen selber, nicht Aarau.

Welche konkreten Anliegen würden Sie als erstes aufgreifen, falls Sie gewählt werden?

Werner Bürge Baldenweg: Ich würde die Wünsche und Ideen der Bürger beachten und wenn möglich aufgreifen, denn zusammen erreicht man mehr. Ich habe von der Idee «Sessellift Gehren» gehört. Wichtig dabei ist immer: Ist es vernünftig, ist es gerecht, ist es notwendig, ist es finanzierbar, dient es dem Wohl der Gemeinschaft?

Markus Knüsel: Da ich nicht weiss, welches Ressort ich als Gemeinderat übernehmen würde, kann ich diese Frage nicht beantworten.

Waldemar Wehrli: Das kommt auf das Amt an. Die Strasseninfrastruktur in der Kernzone sollte teilweise erneuert werden, da sie nicht mehr zeitgemäss ist. Aber grundlegend müssen die Entscheide dem Kosten-Nutzen-Faktor unterliegen und der Gemeinde oder der Bevölkerung zu Gute kommen.

Was ärgert Sie am meisten an der Gemeinde Küttigen?

Werner Bürge Baldenweg: Ich lebe gerne hier. Der Ort ist sehr schön gelegen. Es existieren ein aktives Vereinswesen, kulturelle Anlässe und Einkaufsmöglichkeiten. Der ärgerliche Durchgangsverkehr ist ja bereits entschärft worden. Als parteiloser Gemeinderat würde ich einen eher integrativen Kommunikationsstil befürworten.

Markus Knüsel: Ich finde, dass Küttigen eine Gemeinde ist, in der die Behörden gut funktionieren und das Zusammenleben der Bevölkerung problemlos ist. Nach Auswertung der neusten Zufriedenheitsumfrage der Küttiger Bevölkerung fiel das Resultat äusserst zufriedenstellend aus. Ich stelle mich unter anderem auch deshalb als Gemeinderat zur Verfügung, damit ich dazu beitragen kann, dass dies so bleibt.

Waldemar Wehrli: Man akzeptiert Entscheide der Küttiger Bevölkerung nicht, sondern versucht auf Umwegen zum Ziel zu komme (z.B. Zukunftsplanung, 30er-Zone durch Küttigen). Ich finde es zudem schade, dass in Küttigen die kleinen Lebensmittelgeschäfte allmählich zu Grunde gehen.