Suhr
«Zwei Monate ohne Schule ruinieren keine Karriere» – Gesamtschulleiterin bereitet Fernunterricht vor

Die Suhrer Gesamtschulleiterin Denise Widmer ist für 1350 Kinder und 230 Lehrpersonen der ruhende Pol. Bald startet der Fernunterricht.

Katja Schlegel
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Denise Widmer arbeitet im Homeoffice.

Denise Widmer arbeitet im Homeoffice.

zvg

Freitag, der 13. ausgerechnet. Der vorerst letzte Schultag. Nun sind seit fünf Wochen die Schulen zu. Und sie werden zu bleiben. Am Montag, mit dem Ende der Frühlingsferien, startet der Fernunterricht.

So hat sie sich ihre letzten Arbeitswochen nicht vorgestellt. Denise Widmer (56) ist noch bis Ende Schuljahr Gesamtschullehrerin in Suhr. 1350 Schülerinnen und Schüler und doppelt so viele Eltern, 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; für sie ist Widmer der Fels in der Brandung, der ruhende Pol. Das ist sie gern, das kann sie. Aber es braucht Kraft. Kraft, die sie sich auf den selbstverordneten, täglichen Waldspaziergängen holt.

«Arbeiten viel mehr als bei normalem Schulbetrieb»

Für die Lehrerinnen und Lehrer bedeutet der nach Hause verlagerte Schulbetrieb nicht weniger Arbeit, im Gegenteil. «Wir alle arbeiten viel mehr als bei normalem Schulbetrieb», sagt Widmer. Nicht nur, weil der ganze Schulstoff anders aufgearbeitet werden muss, nicht nur, weil jede Lehrperson mit jedem einzelnen Kind in Kontakt tritt. Sondern vor allem wegen der vielen, kleinen Besprechungen. «Alles, was normalerweise kurz zwischen Tür und Angel besprochen wird, braucht nun einen Anruf, eine Video-Konferenz. Das raubt unglaublich viel Zeit.»

Was Denise Widmer sehr ernst nimmt: die Sorgen der Eltern. Als es ernst galt, wurde eine Hotline eingerichtet. Erst war die Betreuung das Hauptthema, doch von den 1350 Kindern werden nur gerade zehn in der Schule betreut. Vor den Ferien waren es die freiwilligen Aufgaben, von denen gewisse Eltern nicht genug hatten, andere wiederum bereits überfordert waren. Dann war es die Technik; in längst nicht jedem Haushalt gibt es Internetanschluss oder Computer. Doch hier hat die Berner Hasler Stiftung geholfen; sie hat der Schule Suhr diese Woche 30 Laptops und iPads im Wert von knapp 20'000 Franken geschenkt. «Ich bin unglaublich dankbar dafür», sagt Widmer.

Nun beginnt also der strukturierte Unterricht. In Suhr gibt es einen Stundenplan mit Zeiten, in denen die Lehrpersonen erreichbar sind, telefonisch wie online. Die Kinder lernen im Selbststudium, je nach Alter und Möglichkeiten. Wie der Fernunterricht läuft, überlässt der Kanton den Schulen. In Suhr wird das gut klappen, so Widmer. «Wir sind sehr gut aufgestellt, organisatorisch wie technisch, und werden von Schulpflege und Gemeinderat bestens unterstützt.» Ein Glück, das längst nicht jede Schule habe.

Trotzdem. Die Situation ist schwierig, insbesondere für die Eltern. «Viele haben Angst, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Aber das ist auch nicht nötig. Man tut das, was möglich ist.» Die Sorge, dass die Krise den Kindern schadet, teilt Denise Widmer nicht. Ganz und gar nicht. «Zwei Monate ohne Schulbetrieb ruinieren keine Karriere, davon bin ich felsenfest überzeugt.»

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