Buchs/Suhr

Zwei Klassen von Kindertötung betroffen – wie geht eine Schule damit um?

(Symbolbild, Archiv)

In zwei Schulen sind heute Plätze leergeblieben.

(Symbolbild, Archiv)

In Buchs hat ein Vater seine drei Kinder getötet. Eines der Mädchen (11) und der Bub (13) hinterlassen eine Lücke in ihren Schulklassen.

Der Tod dreier Kinder betrifft immer auch die Schule. In diesem Fall zwei verschiedene: Der 13-Jährige ging in die erste Sek in Rohr, die zur Kreisschule Aarau-Buchs gehört, die 11-Jährige besuchte die Primarschule in Suhr. Was passiert dort an einem Tag wie gestern Montag?

Remi Bürgi, Geschäftsleiter der grossen Kreisschule Aarau-Buchs, hat schon früh gemerkt, was da auf ihn zukommen könnte: «Wir haben im Blaulicht-Ticker gesehen, was passiert ist – und wo. Während wir die Berichterstattung verfolgten, fingen wir an, die Klassenlisten abzugleichen.»

Als klar wurde, dass ein Schüler der siebten Klasse am Veilchenweg wohnt, rief Bürgi die Schulleitung am Standort Rohr an. «Da erfuhren wir, dass er nicht in den Unterricht gekommen ist. Von diesem Moment an mussten wir mit dem Schlimmsten rechnen und gingen in die Eventualplanung.»

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Patrouille der Kantonspolizei überbrachte die Nachricht

Per Mail ersuchte Remi Bürgi bei der Kantonspolizei um weitere Informationen und warnte den Notfalldienst des Schulpsychologischen Dienstes vor – man würde sie womöglich brauchen. «Am Nachmittag ging dann eine Patrouille der Kantonspolizei bei der Schulleitung vorbei. Anschliessend wurden die Schülerinnen und Schüler der betroffenen Klasse unter Einbezug des Schulsozialdienstes von der Schulleiterin informiert.»

Einige von ihnen hätten bereits gewusst, dass ihr Gspähndli wohl nicht mehr kommt – immerhin waren sie über Mittag zu Hause, als die Nachricht über die unfassbare Tat längst die Runde machte. Mit einem Elternbrief wurden die Schülerinnen und Schüler dann nach Hause entlassen.

Heute Dienstag wird die betroffene Klasse der Oberstufe Rohr vom Klassenlehrer, dem Schulpsychologischen Dienst und der Schulsozialarbeiterin intensiv betreut. «Wir werden auch die anderen Klassen im Schulhaus, die mit dem Schüler nicht direkt in Kontakt standen, besuchen und informieren – wenn irgendwo der Bedarf nach Gesprächen da ist, bieten wir das an», so der Geschäftsleiter.

Man werde auch den früheren Primarschulkameradinnen und -kameraden – der verstorbene 13-Jährige hat erst auf dieses Schuljahr hin in die Oberstufe gewechselt – Unterstützung anbieten. Sie gehen teils in anderen Schulhäusern zur Schule. «Wie wir die Verarbeitung und die Trauerarbeit im schulischen Rahmen gestalten, ist noch offen», sagt Bürgi.

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