Aarau
Zwei Kategorien von Immobilienbesitzern? «Laterne»-Besitzer ärgern sich über die Stadt

In Aarau ärgern sich die «Laterne»-Besitzer über die Ungleichbehandlung von Liegenschaftseigentümern.

Urs Helbling
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«Wird alle 2 bis 3 Monate um eine kurze Strecke bewegt», heisst es auf der braunen Tafel neben dem «Saab 900».

«Wird alle 2 bis 3 Monate um eine kurze Strecke bewegt», heisst es auf der braunen Tafel neben dem «Saab 900».

Urs Helbling

Anita Aeschbacher lebt seit ewigen Zeiten in der Aarauer Altstadt. Sie besitzt zusammen mit Erich Weber, den sie im im letzten Mai geheiratet hat (AZ vom 20.5.), die «Laterne». Für viele ist das Gebäude an der Ecke Kronen-/Rathausgasse das schönste Haus in der Altstadt. «Wir geben uns auch sehr viel Mühe, die Liegenschaft zu pflegen», erklären die Besitzer.

Doch sie ärgern sich, wie die Stadt mit ihnen umspringt. Und noch viel mehr nervt sie, dass es aus Sicht der Stadt offensichtlich zwei Kategorien von Immobilienbesitzern gibt. Jedenfalls kann sich ein anderer, mehrfacher Hauseigentümer mit seinen Provokationen einiges erlauben. «Wir stören uns sehr an seinem Autowrack am Ochsengässli», sagen Aeschbacher und Weber. Es stehe seit mehreren Jahren da. «Eine Frechheit. Schrott, der nicht entsorgt werden muss. Nur weil es angeblich Kunst ist, mit einer Tafel ‹pensionierter Saab 900› beschriftet ist.»

Happige Busse, weil die Fensterläden nicht aus Holz sind

Anita Aeschbacher und Erich Weber haben die Fassade ihrer «Laterne» 2015 renoviert. Wie das in Aarau, der «Stadt der schönen Giebel», bei traditionsbewussten Liegenschaftsbesitzern Usus ist, erteilten sie dem Maler den Auftrag, den Giebel nicht einfach zu streichen, sondern die Ornamente mit Handarbeit aufzufrischen. Solches Engagement pflegt die Stadt zu honorieren. «Doch wir warten noch heute auf einen Beitrag aus dem Fonds für besonders gepflegte Dachuntersichten», ärgert sich Weber. Zwischenzeitlich musste ein Anwalt eingeschaltet werden.

Statt Geld für den Giebel gab es eine Busse wegen der Fensterläden. «Andere Hausbesitzer in der Nachbarschaft montieren gar keine Läden mehr, obwohl die Halterungen immer noch angebracht sind», erklärt Anita Aeschbacher. Anders bei der «Laterne», die im Rahmen der Fassadensanierung wieder Läden, ganz neue, bekam. Aber nicht solche aus Holz, sondern solche aus Aluminium. Optisch gleich aussehende, aber mit einer längeren Haltbarkeit. Die Folge: «Weil wir ein anderes Material verwendet haben, wurden wir von der Stadt mit einem vierstelligen Betrag gebüsst», erzählt Aeschbacher.

Ewiges Diskussionsthema «Garage Bar»

Vor diesem Hintergrund fällt es ihr schwer, zu verstehen, was sich ein anderer Hausbesitzer, der im alternativen Segment anzusiedelnde Wenzel A. Haller, alles erlauben kann. «Bei dessen ‹Garage Bar› an der Kirchgasse ist alles erlaubt: Sonnenschirme, die nicht zusammenpassen, im Sommer ein Sandhaufen für spielende Kinder, Stühle aus Plastik und in verschiedensten Farben – all das, was andere Altstadt-Restaurants nicht dürfen.» Und: «Die versprayten, ungepflegten Fassaden sind so unmittelbar neben der Kirche eine Schande».

Die «Garage» gibt es seit 2005. In der «WOZ» (23.8 2018) bezeichnet Haller die «Garage» als «vielleicht, hoffentlich anarchistisches Projekt». Der gleiche Immobilieninvestor besitzt den Gebäudekomplex Ochsengässli 7 (hinter dem Kultur- und Kongresszentrum KuK). In ihm befindet sich unter anderem der Kunstraum Aarau. Viele Aarauer dürften sich noch an das Restaurant des Spanier-Klubs erinnern, das da bis 2016 untergebracht war.

Dem Ehepaar Aeschbacher/Weber ist ein Dorn im Auge, was am Ochsengässli vor Hallers Gebäuden steht. Ein Steinhaufen und die verrostende Karosserie eines alten «Saab 900». «Wir, die uns stets bemühen, unsere Liegenschaft zu pflegen und mit Blumen zu verschönern, haben diesen Schrott zu akzeptieren. Das ist Umweltverschmutzung unter dem Deckmantel der Kunst», sagen die «Laterne»-Besitzer.

Haller weiss, dass er damit provoziert. Er hat jedenfalls neben beiden Objekten Tafeln angebracht, die darauf hinweisen, dass «Ein Steinhaufen» und «Saab 900» auf privaten Grundstücken stehen. Im Fall des Schrottautos genügte das nicht. «Um den Vorschriften zu entsprechen, wird das Objekt alle zwei bis drei Monate um eine kurze Strecke bewegt», schreibt er. Das dürfte, so ein Beobachter, angesichts des Zustands des Blechs und der Grösse des herauswachsenden Baumes, nicht allzu einfach sein. Haller schreibt auf der Tafel neben dem «Saab 900»: «Das Objekt wurde ausgeschlachtet und mit Erde angereichert. Jetzt wartet es auf Pflanzen, Samen, die durch die Luft fliegen, von Vögeln fallen gelassen, vom Winde verweht werden.»

Besitzer plant Aufstockung mit Wohnungen

Gut möglich, dass der «Saab 900» in absehbarer Zeit Bauarbeitern im Weg sein will. Bauprofile auf dem Gebäude zeigen an, dass der Besitzer eine Aufstockung beabsichtigt. Es geht um eine Wohnnutzung.

Zwischen der Stadt, dem Bauherrn und dem Projektverfasser fanden bereits erste Gespräche statt, ein Baugesuch ist noch nicht eingereicht worden. «Wir hoffen, dass die Stadt ihren Einfluss geltend macht, sodass das Wrack und der Steinhaufen verschwinden», sagen Anita Aeschbacher und Erich Weber.