Seit letztem Herbst ist klar, dass es dieses Jahr Umwälzungen beim Aarauer Maienzug geben wird. Schon im Juni 2018 hatte Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, die neue Präsidentin der Maienzugkommission, durchblicken lassen, dass der Maienzug in seinen Grundzügen unverändert erhalten bleibe, dass 2019 aber «kleine Anpassungen vorgenommen würden».

Die zuständige Stadträtin sprach damals explizit Korrekturen an, welche die per Schuljahr 2018/19 umgesetzte Kreisschule Aarau-Buchs nötig machen würde. Der Lauf der Dinge führte dann aber dazu, dass dass Suzanne Marclay-Merz nun am diesjährigen Maienzug-Probeessen Neuerungen bekannt geben konnte, dieüber den Rahmen "kleiner Anpassungen" hinausgehen.

Es sind in erster Linie zwei Punkte, die ins Auge stechen: Erstens gibt es am Bankett auf der Schanz zum ersten Mal ein richtige Vegi-Menü. Und zweitens wird das Abendprogramm mit Tanz und Musik auf der Schanz nach elfjährigen Unterbruch wiederbelebt.

Anfang 2008 hatte der damalige Stadtrat auf Antrag der Maienzugkommission beschlossen, dass das Abendprogramm vollständig in den Schachen verlegt werde. Begründung: Die Jugendlichen und die Eltern mit Kindern suchten die Nähe zur Spielarena und zur Budenstadt im Schachen.

Deswegen werde der Maienzugplatz in der Riviera immer stärker frequentiert, während die Attraktivität der Schanz abgenommen habe. Vor allem ältere Semester wünschten sich aber «ihren traditionellen Maienzug» abseits des lauten Rummels in der Riviera zurück.

Maienzug-Budget aufgestockt

Fünf Einwohnerratsmitglieder unterschiedlicher Couleur beantragten deshalb im letzten Herbst eine Erhöhung des Maienzugbudgets um 15 000 Franken auf 339 600 Franken. Damit sollten die Kosten für die musikalische Unterhaltung und den Teilumbau der Bestuhlung auf der Schanz gedeckt werden. Den Antrag von Beat Krättli (SVP), Ueli Hertig (Pro Aarau), Eva Schaffner (SP), Peter Roschi (CVP) und Christoph Waldmeier (EVP) hiess der Einwohnerrat mit 28 Ja gegen 18 Nein bei 3 Enthaltungen gut.

Auf der Oberen Schanz wird es dieses Jahr, wie Suzanne Marclay-Merz am Mittwochabend erläuterte, anschliessend ans Bankett, ein durchgehendes Verpflegungsangebot geben. Ab 18 Uhr kann bis nach Mitternacht getanzt werden – bis etwa 22 Uhr zum Sound von «Hot Xottnix», ab zirka 22 Uhr zu jenen der Band «Roundabout».

Beide Gruppen dürften laut Yves Baumgärtner, in der Maienzugkommission für das Unterhaltungsprogramm zuständig, ein gesetzteres Publikum ansprechen, das mitunter auch ein wenig in Jugenderinnerungen schwelgen möchte. Das seit 1975 bestehende Quintett «Hot Xottnix» (Sax, Vocals, Piano, Bass, Drums) ist auf die Musik der 30er-, 50-er und 60er-Jahre spezialisiert. «Roundabout» (Vocals, Guitar, Bass, Drums; 2 Frauen, 3 Männer) covern mit Vorliebe Songs der 60er-Jahre.

Wie das Abendprogramm ist auch das Bankett am Mittag vom Wetter abhängig. Kommt das Schlechtwetterprogramm zum Zug, wird das Bankett – wie letztes Jahr – in die Sporthalle im Schachen verlegt und das Abendprogramm auf der Schanz entfällt. Teilweise geharnischte Reaktionen gab es 2018 im Zusammenhang mit dem Bankett.

Die schönsten Bilder vom Maienzug 2018:

Dies, weil kein Vegi-Menü angeboten wurde und sich der Hauptgang für die Fleischabstinenten einfach auf die Beilagen ohne Alternative zum Fleisch beschränkte. Darauf hat die Maienzugkommission mit Simone Balmer, ihrer neuen Zuständigen fürs Kulinarische, nun reagiert: Am 5. Juli 2019 wird es eine echte vegetarische Alternative zum Geschnetzelten geben.

An der Feinabstimmung wird wohl noch ein wenig «geschräubelt», aber nach dem Probeessen vom Mittwoch, dürfte für Erich Rüetschli, Chef der seit einem Jahrzehnt für das Bankett zuständigen Catering-Firma Gourmelino AG, klar sein, dass er mit seinem Gemüsestrudel richtig liegt. Serviert wird dieser mit einer Tomaten-Peperoni-Sauce all’arrabiata und einem Kartoffelstock.

Offen war noch, ob dieser mit Rüeblisaft versetzt oder mit einer Rüebli-Brunoise auf den Tisch kommt. Welche Variante auch immer den Vorzug erhält: Aaraus Sicherheits-Chef Daniel Ringier, der das beim Probeessen Gebotene seit Jahren jeweils fachmännisch bewertet, war so oder so des Lobes voll. Einzig die Sauce, liess er durchblicken, könnte den einen Bankettteilnehmern vielleicht ein bisschen zu scharf und andern wiederum eher zu mild erscheinen.

Pflotschnass, aber nicht weniger schön: der Maienzug 2018

Pflotschnass, aber nicht weniger schön: der Maienzug 2018

Nun ist es freilich so, dass das Vegi-Menü nicht in der Weise «auf den Tisch kommt» wie die Standardvariante. Damit es kein Durcheinander gibt, muss man das Vegi-Menü an der Ausgabe fassen. Und schon beim Kauf der Bankettkarten (40 Franken, ab 16. Juni) muss man angeben, ob man sich für «Vegi» oder für «Standard» entscheiden möchte. Nur so lassen sich die jeweils benötigten Mengen einigermassen abschätzen.

Bei den Granaten «auf Kurs»

Sie sei gespannt, wie hoch der Prozentsatz der Vegi-Gäste sein werde, sagte Stadträtin Marclay-Merz, die im Übrigen in Bezug auf ein wichtiges Maienzug-Accessoire eine erfreuliche Mitteilung machen konnte: «Be den Granaten sind wir auf Kurs.» Es sollten genügen Blüten nach Aarau geliefert werden – sofern sie nicht noch verhagelt würden.

Ein Thema war 2018 auch das vor allem bei den älteren Schülerinnen und Schülern unbeliebte Nachmittags-Sportprogramm zwischen 15 und 17 Uhr. Mit einer Petition forderten 280 Schülerinnen und Schüler von Bez, Sek und Real 2018 eine Alternative, die eher kulturellen Charakter haben sollte. Laut Programm besuchen die Kindergärtler und die ersten beiden Primarklassen nun ein Kinderkonzert.

Die 3. bis 6. Klassen sind mit der Spielarena um die beiden Schachenschulhäuser beschäftigt. Die Oberstufe ist in einem Teamwettbewerb im Raum Chrutwäje engagiert. Für die Bezler stehen Sport und Spiele im Leichtathletikstadion sowie auf den Schachen-Fussballplätzen auf dem Programm.

Am traditionellen Umzug am Morgen nehmen, auch nachdem die Kreisschule Aarau-Buchs realisiert ist, keine weiteren Klassen teil. Hingegen werden die Behörden der Kreisschule mitlaufen.