Aarau
Zwei Aargauer fahren an Physik-Olympiade – wieso sind unsere Schüler so gut?

24 junge Schweizer haben am Wochenende in Aarau um die Qualifikation zur Olympiade gekämpft. Rafael Winkler von der Alten Kantonsschule war der Beste von allen. Sein Kollege Sebastian Stengele schaffte es auf den vierten Rang.

Peter Weingartner
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Theorieprüfung an der Physik-Olympiade in Aarau
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Romina Som aus Lengnau war die einzige Aargauer Frau im Wettbewerb
Raphael Fischer aus Schafisheim am Messen
Raphael Fischer aus Schafisheim am Messen
Zwei Aargauer fahren an Physik-Olympiade – wieso sind unsere Schüler so gut?
Mattia Humbel aus Burg lässt die Kugel rollen
Der Motor läuft
Alexandre Mesot aus Gansingen beobachtet genau
Auf dem vierten Rang: Sebastian Stengele aus Rothrist von der Alten Kanti Aarau.
Auf dem ersten Platz: Rafael Winkler aus Mettauertal von der Alten Kanti Aarau.
Sebastian Stengele (hinten, stehend) und Rafael Winkler (ganz rechts) ergattern sich zwei der fünf begehrten Plätze im Schweizer Olympiateam.

Theorieprüfung an der Physik-Olympiade in Aarau

AZ

«Katastrophe», lacht Alexandre Mesot von der Alten Kanti. Eine Einschätzung, wies gelaufen ist, sei schwierig, meint Kollege Rafael Winkler, der es schon letztes Jahr an die Physik-Olympiade in Kopenhagen geschafft hat.

20 Schüler und vier Schülerinnen aus der ganzen Schweiz kämpften am Wochenende an der Schweizer Physik-Olympiade in Aarau um die fünf Schweizer Plätze im Olympiateam, das im Juli nach Kasachstan reist. Zwei theoretische und zwei praktische Aufgaben sind zu machen. «Man muss nicht fertig werden», sagt Rafael: Die Aufgaben sollen selektionieren.

Schweizer Physik-Olympiade

Rafael Winkler, Mettauertal (1. Platz) und Sebastian Stengele, Rothrist (Rang 4) haben sich für die internationale Physik-Olympiade in Kasachstan qualifiziert. Ränge weiterer Aargauer Teilnehmer: Simon Schading, Ehrendingen (10), Mattia Humbel, Burg (11), Raphael
Fischer, Schafisheim (13), Romina Som, Lengnau (15), Alexandre Mesot, Gansingen (17) und Raffael Schärer, Murgenthal (23). (az)

Hohe Konzentration

Die Aufgaben zum Gleichstrommotor geben zu schreiben und zu rechnen, zu messen, wägen und Zeit zu stoppen. «Man darf sich nicht ablenken lassen», sagt Sebastian Stengele von der Alten Kanti Aarau.

Nicht alle machen gleichzeitig dasselbe, obwohl die Aufgabe dieselbe ist. Rafael kniet am Boden, Sebastian und Raphael stehen. Konzentration pur. Rafael beisst auf den Schreibstift, Alexandres Motor gibt hochtourig Laut. Er schmunzelt, und Raphael Fischer nimmt einen Schluck Wasser. Im Physikzimmer hat niemand Augen für die sonnigen Jurahöhen; den Buchfink hören die Jung-Physiker nicht.

Kügelibahn kein Kinderspiel

«Die Freude an der Physik fördern» sei ein Ziel des Anlasses, sagt der Organisator vor Ort, Richard Heimgartner von der Neuen Kanti. Der Aargau ist mit 8 von 24 Teilnehmenden stark vertreten. Begabte in den Naturwissenschaften werden im Aargau speziell gefördert.

Mario Könz und Dominik Gresch, zwei ehemalige Teilnehmer, nun Studenten, haben die zweite Aufgabe entwickelt. Im Zimmer 2.09 klingts zeitweise wie in einem Kasino. Thema: die Rollreibung einer Metallkugel. Die Aufgaben sind trotz Ähnlichkeit der Versuchseinrichtung mit einer Kügelibahn kein Kinderspiel. Rechnen, messen, Kugel putzen. Und zuerst denken. Nein, die Köpfe rauchen nicht, aber durchstrichene Notizen und Beissspuren im Schreibgerät zeugen von K(r)ämpfen im Hirn.

«Wir Schweizer fallen durch Lockerheit auf», sagt Richard Heimgartner. Humor statt Verbissenheit. Er ist letztes Jahr als Beobachter in Kopenhagen dabei gewesen. In China oder Indien beispielsweise sei der Erfolg «fast eine Staatsangelegenheit». Letztes Jahr holten die Schweizer zwei Bronze-Auszeichnungen und drei Ehrenmedaillen. Rund 500 Jung-Physiker nehmen an der eigentlichen Olympiade teil. Dabei erhalten fünf Prozent eine Goldmedaille. Wer unter den ersten 30 Prozent ist, hat eine Bronze-Medaille auf sicher.

Locker drauf ist Romina Som (Kanti Baden), die einzige Frau im Aargauer Team. Kunststück: Sie hat bereits das Ticket für die Mathe-Olympiade im Sack. Ist Physik Männersache? «Im Schwerpunktfach bin ich einzige Frau», sagt die zukünftige Informatikstudentin. Ihr Interesse gilt mehr der Astronomie als der Mechanik. Trendwende oder Zufall? In Heimgartners Schwerpunktfachklasse stehen fünf Männer vier Frauen gegenüber.

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