Aarau

Zwei Aarauer Parteien haben sich etabliert

Stephan Müller, Präsident Jetzt!

Stephan Müller, Präsident Jetzt!

Pro Aarau und Jetzt! politisieren nur in der Hauptstadt – dies seit respektablen 10 Jahren. Trotz dem guten Start wurden beide Neulinge unter den Parteien anfangs kritisch beäugt.

Seit dem 1.1.2002 sitzen im Einwohnerrat Aarau nicht nur Vertreter der nationalen Parteien, sondern auch Einwohnerräte von ProAarau und der politischen Gruppierung Jetzt!. Pro Aarau startete nach einem überraschenden Wahlerfolg mit vier Einwohnerräten, Jetzt! war mit einem vertreten.

Dass beide zehn Jahre lang bestehen würden, war keineswegs sicher, denn diese Parteien können nicht auf den Nimbus einer national Partei zählen. Andererseits scheint dies gegenüber den Wählern auch ein Pluspunkt zu sein: Die Parteien sind ideologisch nicht vorbelastet. Das bedeutet aber auch: Ihr Profil ist weniger klar. Die az Aargauer Zeitung hat den Präsidenten zum kleinen Jubiläum fünf Fragen gestellt.

Die beiden speziellen Aarau-Parteien Pro Aarau und Jetzt! bestehen seit 10 Jahren. Wie haben sie die ersten Jahre überlebt und was hat dazugeführt, dass sie nun anerkannte Parteien sind?

Stephan Müller, Jetzt!: Der Grund, dass es die Partei noch immer gibt, ist wohl, dass es in diesen Jahren immer Menschen gab in Aarau, die frisch, unabhängig und quer zu den etablierten Parteien politisieren wollten, auch zu den etablierten Parteien auf der linken Seite.
Ueli Hertig, Pro Aarau: Pro Aarau hatte schon bei den ersten Wahlen grossen Erfolg. Zur Anerkennung beigetragen hat sicher, dass sich Pro Aarau bei verschiedenen sachpolitischen Fragen engagiert hat, wie das Schlossplatzparking und die Neugestaltung der Altstadtgassen. Ausserdem pflegen wir den Dialog, sind «Brückenbauer» und ermöglichen auf diese Weise gute Lösungen.

Auch in Suhr gibt spezielle Parteien: Zukunft Suhr und Echt Suhr. Warum genügen die offiziellen Schweizer Parteien auf Gemeindeebene nicht?

Müller: Die grossen Parteien werden immer mit dem Wirken der Mutter-Parteien auf nationaler Ebene identifiziert. Das ist oft problematisch. In der Lokalpolitik schreckt das viele ab, darum wollen sie nicht in einer «nationalen» Partei politisieren.
Hertig: Wir liegen genau im Trend: weg von den grossen Mutterparteien, hin zu lokalen Gruppierungen und Parteilosen. Pro Aarau ist ein politischer Verein, der frei von nationalen Sachzwängen eine Plattform für politisch Interessierte der Region Aarau bietet.

Solche Parteien sind für nicht Eingeweihte schwer zu fassen. Pro Aarau ist eine eher linksausgerichtete Mittepartei – und wofür setzten Sie sich ein?

Hertig:Der Name selbst enthält unser Ziel: Pro Aarau engagiert sich sachpolitisch für die Gestaltung des Lebensraums Aarau und stellt die Stadt somit ins Zentrum unserer Politik. Wir wollen eine Stadt, die Freude am Machbaren und nicht Angst vor dem Unmachbaren hat. Pro Aarau orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner nach einer attraktiven und lebenswerten Stadt. Sachliche und lösungsorientierte Diskussionen gehören zu unserer Philosophie. Im Mittelpunkt steht ein starker Standort Aarau, insbesondere dessen geistiges und kulturelles Angebot.

Die Partei Jetzt! politisiert klar links. Wofür setzten Sie sich ein?

Müller: Jetzt! war in den letzten 10 Jahren eine unorthodoxe, freie Gruppierung. Sie setzt sich für eine Stadtbaupolitik ein, welche die Menschen in den Mittelpunkt setzt und nicht reine Prestigebauten. Für Jetzt! sind auch Kultur und Sozialanliegen wichtige Themen. Dazu kommen die persönlichen Schwerpunkte unserer Einwohnerräte.

Überleben die Parteien noch weitere 10 Jahre?

Müller: Das ist völlig offen. Gerade weil Jetzt! keine Statuten hat, kein Verein ist, ist auch eine Auflösung kein Problem und unkompliziert. Wenn niemand mehr Lust hätte, etwas zu machen, könnte man sich jederzeit auflösen. Eventuell entstünde dafür wieder etwas Neues, in ähnlicher Art. Darum ist eine Prognose schwierig: Die Idee wird sicher überleben die nächsten 10 Jahre, das Gefäss kann aber durchaus ändern.
Hertig: Wenn nach der Gründergeneration engagierte Aarauerinnen und Aarauer die Arbeit weiterführen, und so sieht es im Moment aus, wird es Pro Aarau noch lange geben.

Haben Sie einen Tipp für Leute, die eine eigene Partei gründen möchten?

Hertig: Es braucht möglichst viele Gleichgesinnte, ein grosses zeitliches Engagement, einen starken Willen und viel Ausdauer.
Müller: Mein Tipp wäre: Mutig sein, Gesinnungsfreunde finden, sich vernetzen. Nicht aufgeben.

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