Aarau

Zurück zur Tradition: Wieder zum Tanz auf die Schanz am Maienzug-Abend

Einwohnerrat Beat Krättli: «Das Abendprogramm auf der Schanz ist ein Schritt zurück zu dem, was der Maienzug traditionell war.»

Einwohnerrat Beat Krättli: «Das Abendprogramm auf der Schanz ist ein Schritt zurück zu dem, was der Maienzug traditionell war.»

Nach einem Jahrzehnt Pause erhalten die Traditionalisten ihren Maienzug-Abend zurück.

Wenn das Wetter mitspielt, und aktuell sieht es danach aus, wird am Freitag das Maienzug-Abendprogramm auf der Schanz wieder zum Leben erweckt. Dies nach einem Unterbruch von rund einem Jahrzehnt: 2008 beschloss der Stadtrat auf Antrag der Maienzugkommission, dass das Abendprogramm in den Schachen, auf den Maienzugplatz verlegt werde. Damit war es vorbei mit dem gemütlichen Zusammensein auf den Holzbänken unter den Platanen – beim Plaudern und Bechern abseits des Rummels im Schachen und mit dem Schwingen des Tanzbeins auf dem Holzpodest unter freiem Himmel.

Im Grunde war es ein Kompromiss: 1979 hatte der Stadtrat schon einmal versucht, das ganze Programm von der Schanz, die am Maienzug seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Rolle spielt, in den Schachen zu verlegen. 2000 innert weniger Stunden gesammelte Unterschriften bewirkten den Übungsabbruch. Die Idee taucht aber immer wieder auf.

Dass nun umgekehrt die Tradition wieder auflebt, ist das Verdienst von fünf Einwohnerratsmitgliedern: Beat Krättli (SVP), Eva Schaffner (SP), Peter Roschi (CVP), Christoph Waldmeier (EVP) und der inzwischen zurückgetretene Ueli Hertig (Pro Aarau) beantragten 2018, dass das Budgetposten Maienzug um 15'000 Franken auf insgesamt 339 600 Franken aufgestockt werde. Dies mit dem Ziel, das Maienzug-Abendprogramm auf der Schanz zu reaktivieren.

Mit den zusätzlichen Mitteln sollten die Kosten für die Tanzmusik und den Teilumbau der Bestuhlung gedeckt werden. Gegen den Willen des Stadtrates und offenbar auch der Mehrheit der Maienzugkommission hiess der Einwohnerrat den überparteilichen Antrag mit 28 Ja gegen 18 Nein bei 3 Enthaltungen gut.

Bei Bedarf nahtlos «durchmachen»

Auf der Oberen Schanz gibt es nun nach dem Bankett am Mittag ein durchgehendes Verpflegungsangebot. Es gibt drei grosse Bars, die das traditionelle Getränkesortiment anbieten: Wasser, alkoholfreie Süssgetränke, Bier und Wein – weiss: St. Saphorin (Chasselas) und Erlinsbacher (Riesling Sylvaner), rot: Erlinsbacher (Pinot Noir). Ab 18 Uhr werden auch Essen ausgegeben: verschiedene Würste, Beef Tatare, Chicken Wings.

Vegetarier können auf Teigwaren (zum Beispiel Penne all’arrabiata) oder Pommes frites ausweichen. Anbieter ist, wie am Mittag beim Bankett, Erich Rüetschlis Catering-Unternehmen Gourmelino. Wer will, kann, wie Beat Krättli sagt, auf der Schanz vom Bankett bis Mitternacht «nahtlos durchmachen».

Ein Teil der Bänke wird am Nachmittag freilich weggeräumt. Neu gibt es nun aber auch ein paar Bistro-Tische. Selbstverständlich wurde auch ein Sanitäts- und ein Sicherheitskonzept entwickelt. Die Schönenwerderstrasse ist von 8.15 bis 18 Uhr zwischen der Wöschnau und dem Aargauerplatz gesperrt. Am Abend ist sie wieder geöffnet – mit Verkehrsregelung.

«Das Abendprogramm auf der Schanz», sagt Krättli, «ist ein Schritt zurück zu dem, was der Maienzug traditionell war.» Damit solle vor allem den älteren Semestern das zurückgegeben werden, was für sie zum Maienzug gehörte. Und was sie in den letzten Jahren vermissten. Ein Ort, wo man sich am Maienzug im Gespräch begegnen könne. Viele, sagt Krättli, seien zuletzt einfach nach Hause gegangen, aber sicher nicht in den Trubel im Schachen.

Auch die beiden Bands, die zum Tanz aufspielen, sprechen eher die älteren Semester an, die gerne mal in Erinnerungen schwelgen – und schwofen: «Hot Xottnox» (bis ca. 22 Uhr) spielen Tanzbares aus den 30er- bis 60er-Jahren, «Roundabout» covern vor allem Songs aus den Sechzigern.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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