«Wer das Fussballstadion rasch will, muss heute Varianten ins Spiel bringen.» Mit diesen Worten plädierte Stadtratskandidat Hanspeter Thür (68) gestern in der az für eine Öffnung der Diskussion um den Aarauer Stadionneubau. Der ehemalige Gross- und Nationalrat der Grünen hat grosse Zweifel bezüglich des Neubaus im Torfeld Süd und fordert, dass alternative, von der Totalunternehmerin HRS unabhängige Standorte geprüft werden.

Eine Querfinanzierung mittels Einkaufszentrum («an den Stadtrand gehören keine neuen Einkaufstempel») lehnt Thür ab, und bezüglich der Querfinanzierung mittels dreier Hochhäuser hat er grosse Bedenken. «Es ist damit zu rechnen, dass die ersten Spiele im Torfeld Süd vielleicht erst in zehn Jahren – wenn überhaupt – stattfinden», sagt Thür zum «Plan B».

Thürs Ideen sind gestern in den sozialen Medien breit diskutiert worden. Und die Reaktionen waren häufig positiv. Stossrichtung: «Selten wurde hier die ganze Stadionfrage so gut und nachvollziehbar auf den Punkt gebracht.» Und: «Man muss dem Theater um den Standort Torfeld endlich den Riegel schieben.»

So sieht das aktuelle und offizielle Projekt aus:

Schon 2007 in der engeren Auswahl

Thür nannte als mögliche Alternativstandorte die Obermatte und die Brestenegg in Buchs. Sie gehören zu den 16 Standorten, die die Stadt Aarau zwischen 2005 und 2007 geprüft hat.

Die Obermatte schaffte es damals in die engere Auswahl. Die Wiese südlich der Tennisanlagen zwischen Aaretalstrasse T5, Suhre und Eisenbahnlinie liegt auf Gebiet der Gemeinde Buchs. Das Grundstück ist aber seit 2010, seit der Fusion mit Rohr, vollumfänglich im Besitz der Stadt Aarau. Und es liegt in einer Zone für öffentliche Bauten.

2007 reichten Erich Niklaus und Stephan Müller im Einwohnerrat eine Motion für die Realisierung eines Stadions auf der Obermatte ein. Begründung: Die Studie des Stadtrates habe gezeigt, dass ein Stadion in der Obermatte die «einzige realistische alternative für ein Fussballstadion ohne Einkaufsnutzung» sei. Die Motionäre blitzten mit ihrer Forderung nach einem Planungskredit ab – mit 42 zu 3 Stimmen.

Das Projekt Obermatte wurde nicht weiterverfolgt. Aus drei Gründen: Erstens weil das Volk Ja gesagt hatte zur Projektierung im Torfeld Süd, zweitens wegen des drohenden Widerstands aus der Gemeinde Buchs und drittens wegen der höheren Kosten (keine Querfinanzierung mittels Mantelnutzung).

Seither sind zehn Jahre vergangen. Die Realisierung des Stadions im Torfeld hat sich als extrem schwierig bis unmöglich erwiesen und die verkehrsmässig optimal gelegene Obermatte könnte wieder ein Thema werden.

Bei den Wynecenter-Parkplätzen

Thür erinnert auch an die Überlegungen zum Stadionstandort Brestenegg. Er liegt östlich des Wynecenters, zwischen der Aaretalstrasse T5 und dem Wald. Bei einer Bevölkerungsumfrage über den möglichen Stadionstandort stiess vor zehn Jahren «Brestenegg» auf die zweithöchste Akzeptanz – nach Torfeld Süd. Doch genau durch dieses Gebiet führt ein Wildtierkorridor von überregionaler Bedeutung – und das tut er noch immer. Deswegen wurde der Stadionstandort Brestenegg trotz der guten Platzverhältnisse und der automässig optimalen Erschliessung (inklusive Parkplätzen beim Wynecenter) nicht weiterverfolgt.

Möglich, dass er jetzt wieder zu einem Thema wird. Oder vielleicht auch ein anderer, hier nicht genannter Standort. Die Variantendiskussion ist erst am Anlaufen.