Mietverträge

Zur neuen Wohnung gibts gratis ein iPad oder einen Gutschein

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Vermieter werben mit ungewöhnlichen Aktionen für ihre Wohnungen. Ein Gratis-Monat, Gutscheine oder etwa Vergünstigungen für ein Fitness-Center gehören dazu. Für die Vermieter ist das eine clevere Strategie.

Wer jetzt zugreift und den Mietvertrag für eine der sechs freien Wohnungen in der Tannengut-Überbauung an der
Aarauer Stadtgrenze zu Küttigen unterschreibt, erhält als «Zückerli» einen Migros-Gutschein über 1000 Franken. Mit dieser Aktion wirbt die Immobilienfirma Livit in Inseraten um potenzielle Mieter. Auch Mitbewerberin Wincasa offeriert Kunden bei ausgewählten Wohnungen Geschenke: Dazu gehören ein Monat gratis Wohnen, ein iPad, Gutscheine für Angebote aus der Umgebung oder Vergünstigungen für ein Fitness-Center.

Klickt man sich im Internet durch die Immobilien-Inserate der Region, finden sich weitere solche Angebote. «Zusatzanreize bei der Wiedervermietung von Wohnungen sind heute ein Standardinstrument, werden aber eher zurückhaltend angewandt», sagt Marietta Hersche, Marketing-Leiterin bei Livit. Bei der Vermarktung von Neubau-Projekten habe sich dieses Anreizsystem jedoch etabliert.

Ziel solcher Aktionen ist laut Wincasa vor allem Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Immobilienfirma liefert ein Beispiel: Kommen an einem Ort innert kurzer Zeit viele neue Wohnungen auf den Markt, wird durch spezielle Aktionen das Augenmerk von Mietern auf das neue Quartier oder die Liegenschaft gelenkt.

Das Zünglein an der Waage

Mit diesen «Zückerli» haben Livit und Wincasa laut eigenen Aussagen Erfolg. «Solche Antrittsgeschenke sind bei Mietern sehr beliebt», sagt Marietta Hersche von Livit. Laut Wincasa rechnen sich solche Anreize für die Immobilienfirmen: Das Interesse und die Aufmerksamkeit für die jeweiligen Angebote würden steigen.

Allerdings sei es schwierig zu belegen, wie stark die Rabatte in einem gesamten Vermarktungskonzept wirken. Für Marietta Hersche von Livit ist jedoch klar: «Niemand mietet allein wegen solcher Zusatzanreizen eine Wohnung. Es kann aber das berühmte Zünglein an der Waage spielen, damit man sich für eine Wohnung entscheidet.»

Geschenke statt tieferer Mietzins

Diese Aussagen bestätigt Andreas Loepfe, der sich als Direktor vom Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich mit Fragen des Immobilienmanagements beschäftigt. «Vom Mieter gefüllte Kühlschränke und 1000-Franken-Einkaufsgutscheine können beim Entscheid zwischen zwei ähnlichen Wohnungen tatsächlich ausschlaggebend sein.»

Eigentlich sei es paradox: «Wir Menschen sprechen auf Rabatte an, obwohl sich diese ökonomisch häufig nicht erklären lassen.» Man habe das Gefühl, ein Schnäppchen zu machen – und wisse gleichzeitig, dass dieses bereits im Preis einkalkuliert war.

Für die Vermieter sind Geschenke laut Andreas Loepfe aus einem weiteren Grund eine clevere Strategie: «Muss ein Mietzins wegen einer neuen Marktsituation gesenkt werden, sind solche zusätzlichen Angebote eventuell eine Alternative.» Ein iPad oder eine geschenkte Monatsmiete seien für den Vermieter unter Umständen günstiger als eine Reduktion des Mietzinses.

Am wichtigsten sei aber der psychologische Effekt: «Geschenke schaffen ein partnerschaftliches Verhältnis.» Loepfe rechnet vor: «Bewohne ich fünf Jahre eine 4½-Zimmer-Wohnung für monatlich 1600 Franken, fliessen insgesamt 100'000 Franken auf das Konto des Vermieters.» Es zahle sich also aus, diesen Kunden zu pflegen und ihm Aufmerksamkeit zu schaffen. «Es ist auch hier der Ton, der die Musik macht.»

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