Aarau
Zum Schmunzeln: Das Bankett-Gezwitscher vom Aarauer Maienzug

Was gefitzte Aarauer unternehmen, um sich die besten Plätze am Bankett zu sichern, was Stadtpräsident Marcel Guignard nach 25 Jahren an seiner letzten Bankettrede zu sagen hatte und was es mit dem «Halbvieribier» auf sich hat.

Katja Schlegel und Sabine Kuster
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Sabine Kuster

Die besten Plätze am Bankett auf der Schanz sind begehrt und die Reservierungs-Tricks vielfältig: Da gibt es den Besucher, der die Tische à la Deutscher Tourist mit einer mitgebrachten Tischdecke markiert.

Oder die Gruppe, die es sich direkt nach dem Umzug auf der Schanz gemütlich macht und die Zeit bis zum Zmittag mit einer Fleisch- und einer Käseplatte überbrückt. Besonders Gefitzte setzten auf die Taktik Einschüchterung und reservierten den Tisch mit einem Logo der erfundenen «Hells Angels Sektion Aarau».

Die Gleichung ging auf: Keiner wollte sich mit einem Motorradrocker anlegen.

25 Jahre lang hat Marcel Guignard die Stadt regiert – und genau so viele Bankettreden geschrieben. Gehalten hat er aber nur deren 24: 1991 zwang ihn ein entzündeter Blinddarm ins Spitalbett.

Ehefrau Annelies übernahm, formulierte die Grüsse des Stadtammanns und stand selber am Rednerpult. Guignard: «Bis heute wird da und dort gesagt, das sei die beste Bankettrede gewesen, die ich je gehalten hätte.»

Weiter schaute er in seiner letzten Bankettrede auf die Veränderungen – «nicht nur bezüglich meiner Haarpracht» – und Konstanten des vergangenen Vierteljahrhunderts zurück. Beispielsweise auf den Maienzug-Vorabend, einst als einmaliger Jubiläumszusatz gedacht und heute nicht mehr wegzudenken.

Oder auf das ewige Warten des FC Aarau auf die Baubewilligung für sein neues Stadion. Doch während 1988 laut Guignard 348 Suhrer und der Gemeinderat die Ausbaupläne des Brügglifelds bodigten, ist er heute überzeugt: «Der Ball ist auf dem Weg ins Goal.»

Geredet wurde am Bankett zum Beispiel über die Zylinder der Behörden am Umzug. Als «eine schöne Requisite dieses Theaters» bezeichnete sie ein Maienzügler. Doch das Theater müsse gut gespielt sein und dazu gehöre – sagte er an die Adresse einiger Neulinge im Frack gerichtet –, dass der Hut beim Gruss gelüftet werde.

Rund 3800 Leute schwitzten am Bankett in der Sonne. Nicht zu beneiden waren da die Musikantinnen und Musikanten der Stadtmusik in ihren langärmligen Uniformen aus dickem Stoff, Filzhüten und weissen Handschuhen. Angesprochen auf die Saugfähigkeit der Uniform meinte einer aber trocken: Es sei nicht heiss, es sei bloss Gewöhnungssache.

Wer denkt, das Bankett sei nach dem Rüeblikuchen zu Ende, kennt das traditionelle «Halbivieribier» mit Maienzugskommissionspräsidentin Jolanda Urech nicht. Ausschliesslich Frauen stemmten das Bier. Sie waren übrigens keineswegs die letzte Gruppe, die auf den harten Holzbänken Sitzleder bewies.