Ausgeglichen. So könnte man die Stimmung in Densbüren beschreiben. Liegt die Zukunft in Aarau? Oder im Fricktal? Oder vielleicht doch in der Eigenständigkeit? Eine Tendenz liess sich zumindest am Zukunftsraumstammtisch letzte Woche nicht ausmachen. Und auch in der Einwohnerumfrage, die im Dezember durchgeführt worden war, liessen sich eindeutige Wünsche eher schlecht herauslesen – zumindest auf den ersten Blick. Der zweite Blick zeigt durchaus gewisse Unterschiede, je nach Altersgruppe und Ortsteil.

Eines vorneweg: In der anonymen Befragung scheinen die Meinungen in den beiden Ortsteilen etwas eindeutiger als im Plenum. Knapp 60 Prozent der Deisperer und über 50 Prozent der Asper haben angegeben, eine unabhängige Gemeinde bleiben zu wollen. Das sind unter dem Strich etwa 57 Prozent der Bewohner, die an der Umfrage teilgenommen haben. Verschickt worden waren 500 Fragebogen an alle Bewohner über 17 Jahre. Ausgefüllt wurden 295 Bogen.

Und wer wird die Braut?

Bei der Brautwahl bricht die Unentschlossenheit wieder durch: Beide Möglichkeiten – eine Fusion mit Aarau oder eine Fusion im Staffeleggtal oder mit Frick – haben nahezu gleich viel Zustimmung erhalten. Wobei die Asper lieber mit Aarau zusammengehen als die Deisperer: Im Ortsteil Asp sprechen sich 48 Prozent für Aarau aus und 31 Prozent für einen Zusammenschluss im Staffeleggtal oder mit Frick. Im Ortsteil Densbüren sind 35 Prozent für Aarau, 45 Prozent für Staffeleggtal/Frick.

Noch grösser ist der Unterschied in Bezug auf eine Gesamtfusion mit allen Gemeinden im Zukunftsraum Aarau: Während sich 54 Prozent der Asper für eine Gesamtfusion begeistern könnten, sind es in Densbüren nur gerade 38 Prozent.

Deutlich mehr erwärmen können sich alle Befragten für eine engere Zusammenarbeit, sowohl mit Aarau als auch den Fricktaler Gemeinden – wobei hier gar nicht mehr viel machbar ist, wie der Gemeinderat am Stammtisch bereits ausgeführt hatte: Das Potenzial für eine Zusammenarbeit sei schon sehr beschränkt. Übrig sind nur noch die Verwaltung, die Feuerwehr und das Bauamt.

Auch wenn die Zahlen eindeutig sind, so hat der Gemeinderat doch eine klarere Ausrichtung erwartet, wie Gemeindeammann Roger Meyer sagt. «Geografisch gehören wir talabwärts zu Frick, politisch sind wir seit je nach Aarau orientiert», erklärt er die Ausgeglichenheit. Für den Gemeinderat bringe das Umfrageergebnis denn auch keine eindeutige Antwort.

Chance: Tiefer Steuersatz

Spannend ist die Aufsplittung nach Altersgruppen: Bei den Befragten im Alter von 17 bis 22 Jahren wollen mit 64 Prozent erstaunlich viele eigenständig bleiben. Beim Thema Braut reagieren rund 50 Prozent zustimmend auf Aarau, 43 Prozent auf die Option Staf-
feleggtal/Frick. Bei den Befragten im Alter über 64 Jahre ist der Wunsch nach Eigenständigkeit mit 69 Prozent noch etwas grösser. Einen Zusammenschluss mit Aarau goutieren nur etwas über 20 Prozent, einen im Fricktal knapp 50 Prozent.

Die übrigen Altersgruppen werden in der Umfrage nicht ausgewiesen. Weil aber die ganz Jungen und die Rentner mit ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit prozentmässig über dem Schnitt von 57 Prozent liegen, sind es wohl die Altersgruppen dazwischen, die nicht auf die Eigenständigkeit beharren und eher für einen Zusammenschluss sind. Die konservative Haltung der Jungen überrascht auch den Gemeinderat: «Wir sind davon ausgegangen, dass die Jüngeren eher offen sind gegenüber einer Fusion», sagt Meyer.

Die Ängste der Bewohner vor einer Fusion weist die Umfrage auch aus: So befürchten die meisten einen Verlust der Eigenständigkeit, fehlende lokale Mitbestimmung sowie eine unsichere Zukunft für den Schulstandort. Eine Chance sehen die Dorfbewohner aber alle, egal, aus welchem Dorfteil und aus welcher Altersgruppe: den tieferen Steuersatz. Denn diesbezüglich ist Densbüren weitherum Spitzenreiter.

Für den Gemeinderat ist das Fazit aus der Befragung klar: «Wir sind in einem Prozess, der Zeit und viel Raum für Diskussionen braucht», sagt Meyer. Langfristig werde man aber wegen des finanziellen Drucks nicht um einen Zusammenschluss herumkommen. Die Braut will Meyer aber nicht beim Namen nennen. Nur so viel: «Je mehr man sich in das Thema eindenkt, desto eindeutiger fällt die Antwort aus.»