Eine Handvoll Aarauer sprachen sich am ersten Zukunftsraumforum deutlich für eine Fusion aus – und zwar am liebsten gleich mit allen am Entwicklungsprojekt beteiligten Gemeinden (Biberstein, Buchs, Densbüren, Erlinsbach, Küttigen, Muhen, Oberentfelden, Suhr und Unterentfelden; Schönenwerd kommt wegen der Kantonsgrenze nicht infrage). «Ein deutliches Zeichen», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech.

Nachdem kürzlich ein Expertenbericht zum «Zukunftsraum Aarau» publiziert wurde, befindet sich die Bevölkerung der beteiligten Gemeinden nun in einer Mitwirkungsphase. Aarau organisiert dazu unter anderem drei Zukunftsraumforen. Das erste fand am Montagabend im Zwinglihaus statt.

Der Besucheraufmarsch war mit rund 50 Personen überschaubar, das Durchschnittsalter in der zweiten Lebenshälfte anzusiedeln. Nach kurzen Einstiegsreferaten wurden an Einzeltischen während je 20 Minuten verschiedene Verfahrensvorschläge der Experten (verstärkte Zusammenarbeit versus Fusionen) diskutiert. Moderatoren – Stadt- und Einwohnerräte – notierten die Kernpunkte der Diskussion. Jolanda Urech hielt fest: «Es geht heute nicht um die Frage, ob ein Vorschlag umgesetzt wird oder nicht. Wir wollen nur wissen, welche Möglichkeiten wir vertieft prüfen sollen.»

Nur «Pflästerlipolitik»

Unter «Pragmatischer Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ)» verstehen die Experten die Weiterführung des Status quo: Jede Gemeinde tut sich für einzelne Aufgaben mit einem Partner ihrer Wahl zusammen, zum Beispiel zu einem gemeinsamen Bauamt.

In der Diskussion fand diese Lösung wenig Zustimmung: «Das ist keine Strategie, es fehlt ein Ziel», sagte ein Teilnehmer. Ein «Einspielen auf dem niedrigsten Level» sei das, die «Pflästerlipolitik» erfordere «unheimlich viel Koordinationsaufwand». Zwar führe diese «Politik der kleinen Schritte» zu einer allmählichen Annäherung und Vertrauensbildung. Aber: «Das haben wir jetzt dreissig Jahre so gemacht», sagte ein Teilnehmer.

Es sei an der Zeit, vom pragmatischen Weg wegzukommen. Dies sehen auch die Experten so. Der «Ausbau der IKZ mit verbindlichem und einheitlichem Perimeter» ist eine weitere, von den Experten favorisierte Lösung: Öffentliche Aufgaben sollen in einem genau definierten Einzugsgebiet gemeinsam gelöst werden, etwa die regionale Wirtschaftsförderung. Die Teilnehmer beurteilten dieses Modell als kompliziert und befürchteten ein Demokratiedefizit: «Wie in der EU, wenn Delegierte entscheiden und das Volk nicht einbezogen wird», fasste Stadtrat Werner Schib die Diskussion zusammen.

Die Fusionen einzelner Gemeindegruppen wurden separat diskutiert. Eine Fusion von Aarau, Buchs und Suhr mache verkehrs- und raumplanerisch Sinn, die Gemeinden würden eh schon als ein zusammengehöriger Raum wahrgenommen, lautete der Tenor. Eine Fusion Aaraus mit Unter- und Oberentfelden solle man ebenfalls prüfen.

Lediglich den Sinn einer Fusion mit Densbüren mochten die Aarauer nicht recht sehen. Ein «dummes kleines Schrittli» sei das, «Zeit- und Geldverschwendung». Dem Argument, man erhalte so allenfalls Bau- oder Industrieflächen sowie Naherholungsraum, hielt eine Teilnehmerin entgegen: «Ich kann auch in Densbüren spazieren gehen, wenn wir nicht fusionieren.» Mehr als einen Akt der Nächstenliebe – Densbüren geht es finanziell schlecht – oder ein «Zeichen des Willkommens» konnten die Aarauer nicht ausmachen.

«Progressiv und mutig»

Einer «Fusion im Gesamtperimeter» waren die Aarauer hingegen gar nicht abgeneigt, wenn auch sie Bedenken äusserten, ob die Zeit dafür schon reif sei. «Es wäre aber das Progressivste und Mutigste, das wir machen können», sagte jemand. Aarau könne so an nationaler Bedeutung gewinnen. Ein Diskussionsteilnehmer argumentierte, wichtiger als Gemeindegrenzen sei heute eine funktionierende Infrastruktur. Die viel zitierten Identitäten seien ohnehin weniger auf eine Gemeinde bezogen als vielmehr auf das Quartier, und das ändere sich durch Fusionen nicht.

Wichtig sei es, bei Grossfusionen behutsam vorzugehen. Heikel seien die Namensgebung der neuen Gemeinde und insbesondere der Abzug sämtlicher Verwaltungsstrukturen ins Zentrum, sprich: nach Aarau. «Hier braucht es Fingerspitzengefühl», so ein Teilnehmer. Die Kirche müsse wortwörtlich im Dorf bleiben.

Zum Schluss durften die Teilnehmer mit roten Punkten auf einer Skala verorten, wie wichtig für sie die Weiterverfolgung der einzelnen Vorschläge ist. Und siehe da: Die «Fusion im Gesamtperimeter» wurde als wichtig bis sehr wichtig eingeschätzt, ebenso eine Fusion mit den beiden Entfelden, ferner mit Suhr und Buchs.

Als eher unwichtig bezeichneten die Teilnehmenden die Fusion mit Densbüren und den Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit ohne Fusionen.

Weitere Zukunftsraumforen finden statt am:
Montag, 11. Januar 2016, 19 bis 21 Uhr, Stäpflischulhaus, Kirchweg, Aarau Rohr
Montag, 18. Januar 2016, 19 bis 21 Uhr, Bezirksschulhaus, Pestalozzistrasse 16, Zelgli