«Ab 2030 steht eine militärische Nutzung des Kasernenareals nicht mehr im Vordergrund.» Wer genau hinhörte, konnte schon vor zwei Jahren bei den Mitwirkungsveranstaltungen zur Zukunft des Aarauer Kasernenareals erahnen, dass sich das Militär keineswegs ganz zurückzuziehen gedenkt, wenn der Mietvertrag der Armasuisse mit dem Kanton als hauptsächlicher Grundeigentümer (240 Aren) sowie dem Bund (68 Aren) per 2030 ausläuft. Geradezu auffällig war die Formulierung, die damals immer gebraucht wurde, unter anderem von der Stadtpräsidentin.

Klartext wurde erst vor wenigen Wochen öffentlich gesprochen. Als die für zwei Millionen Franken sanierte Kaserne eingeweiht wurde. In der Ansprache an der Einweihungsfeier wies Korpskommandant Daniel Baumgartner darauf hin, dass die Armee weder kurz- noch langfristig – also nach 2030 – gedenkt, sich aus Aarau zurückzuziehen. «Verhandlungen mit Bund und Kanton sind im Gange und wir sind zuversichtlich, dass es einen Folgevertrag geben wird.» Und: Ein vorzeitiger oder gestaffelter Rückzug sei nicht geplant.

Einmischung sorgt für Erstaunen

Die Stadt, Bund und Kanton arbeiten derweil am Masterplan für die Nutzung ab 2030. «Wir haben bisher keine Anhaltspunkte, worin die vom Ausbildungschef erwähnte militärische Nachnutzung nach 2030 bestehen könnte», so Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker gegenüber der AZ.

Steckdosen und LED-Licht: So sieht die «moderat sanierte» Aarauer Kaserne aus

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10. Juli 2018: Die Kaserne Aarau ist nach 35 Jahren für knapp zwei Millionen Franken teilsaniert worden. In der Kaserne sind neu das Kompetenzzentrum Militärmusik, das Kommando Rekrutierungszentrum Aarau sowie das Kommando der Territorial Division 2 stationiert. Am 10. Juli haben Regierungsräte und Militär die «neue» Aarauer Kaserne eingeweiht, selbstverständlich begleitet von Militärmusik.

Konsterniert war offenbar auch der Verein «Neues Kasernenareal», der sich am Dienstag in einer Medienmitteilung äusserte. «Es erstaunt, dass hohe Armeeexponenten in der Schweiz sich in politische Prozesse einmischen», schreibt der Verein respektive seine Co-Präsidentinnen Sabine Trüb und Silvia Dell’Aquila. «Umso erfreulicher ist es, dass die Stadt Aarau weiterhin betont, dass dieses Areal zivil genutzt werden muss und sich weiterhin zur Planung bekennt.»

Der Verein verlange vom Kanton als wichtigstem Arealeigentümer und von Regierungsrätin Franziska Roth als Departementsvorsteherin «eine klare, unmissverständliche Zusage, dass das Areal ab 2030 der Armee nicht mehr zur Verfügung stehen wird». Zudem fordere man ein klares Bekenntnis des Kantons, «den mit der Stadt Aarau eingeschlagenen Weg zur Arealentwicklungsplanung weiter voranzutreiben».

«Stadt kann nicht warten»

Mit den Ergebnissen der Testplanung beziehungsweise deren Präsentation ist der Verein nicht restlos glücklich. In der Medienmitteilung ist die Rede von einer «verpassten Chance für eine echte Mitsprache der Aarauer Bevölkerung bei diesem wichtigen, städteplanerischen Projekt».

Und inhaltlich? Der Erkenntnisbericht zur Testplanung sehe vor, dass bis 2030 auf dem Areal in ziviler Hinsicht nicht viel passiert – entgegen dem Leitbild der Arealentwicklung der Stadt und des Kantons (2016), welches «eine schrittweise Aufwertung und Öffnung durch Aktivitäten und Pionierprojekte» vorsehe. Der Verein «Neues Kasernenareal» sei überzeugt, dass die Stadt Aarau nicht so lange warten könne. «Es muss ein fliessender Übergang von der militärischen zur zivilen Nutzung ins Auge gefasst werden, der eine Entwicklung von den Rändern des Areals her schon in den nächsten Jahren ermöglicht», heisst es in der Medienmitteilung. «Neben der Etappierung soll die Stadt Aarau offen sein für flexible, temporäre Projekte, welche aus Anliegen der Bevölkerung entstehen und diese ermöglichen. Solche Projekte fördern die zukünftige Quartierentwicklung, hauchen dem Areal Leben ein und geben ihm ein Gesicht.» Der Verein werde sich mit verschiedenen Anspruchsgruppen treffen und sich mit möglichen Projekten beschäftigen.