Aarau

Zug abgefahren: Die WSB wartet SBB-Anschlüsse nicht ab

Zu den Stosszeiten ist der Bahnhof Aarau jeweils überfüllt, ein schneller Wechsel der Perrons ist beinahe unmöglich. Chris Iseli

Zu den Stosszeiten ist der Bahnhof Aarau jeweils überfüllt, ein schneller Wechsel der Perrons ist beinahe unmöglich. Chris Iseli

Zu Stosszeiten ist der Bahnhof Aarau proppenvoll, Pendler müssen sich mühsam einen Weg bahnen. Wer vom Wynental nach Zürich pendelt, verpasst am Abend oft die Bahn ins Tal zurück.

Eigentlich sollte es kein Problem sein. Fünf Minuten bleiben zum Umsteigen am Bahnhof Aarau von der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) zur SBB. Doch Anita Geiger aus Oberkulm erzählt anderes. Sie pendelt von ihrem Wohnort an ihren Arbeitsort in Zürich. Meist ist sie zu den Stosszeiten unterwegs. «Der Hinweg ist kein Problem, weil die SBB oft warten, wenn die WSB Verspätung hat», sagt sie.

Das Problem zeige sich am Abend. Dann nämlich, wenn der Zug aus Zürich zwei bis drei Minuten Verspätung hat. «Die Passagierströme stauen sich teils in sicherheitsbedenklicher Art und Weise in der Unterführung oder auf dem erst kürzlich renovierten Perron der WSB», sagt sie. Deshalb sei es beinahe unmöglich, pünktlich zu sein, meist sehe sie die Bahn gerade noch aus dem Bahnhof ausfahren.

«Den Pendlern auf dem Heimweg von Zürich bleibt trotz Sprint meist nur der schöne Anblick des stur ausfahrenden WSB-Zuges», schreibt sie in einem Brief an die Aargauer Zeitung. Sie fragt sich, warum es für die WSB nicht möglich ist, im Bahnhof Aarau zu warten, zumal diese in Suhr dann einige Minuten einfach stehen bleibt.

15-Minuten-Takt wird eingehalten

«Wir fahren Montag bis Samstag zwischen 04.55 und 20.40 Uhr im 15-Minuten-Takt und können aus betrieblichen Gründen nicht auf verspätete Anschlusszüge warten», sagt Erwin Rosenast, Mediensprecher der AAR bus+bahn. Diese Vorgehensweise sei auch im Fahrplan deklariert.

Die WSB könne nicht in Aarau länger warten und in Suhr dafür nur noch kurz halten, weil: «Die Linie zwischen Aarau und Suhr ist meist einspurig, in einem Doppelspur-Abschnitt auf dieser Strecke müssen sich die Züge kreuzen», sagt Rosenast. Würde die WSB länger im Bahnhof Aarau warten und die Kreuzung würde dort stattfinden, sei der Anschluss nach Zofingen in Suhr nicht mehr gewährleistet.

Auch die anderen Anschlüsse, beispielsweise die Busse in Teufenthal, Reinach oder Menziken könnten in diesem Fall nicht mehr eingehalten werden. Rosenast erklärt es so: «Wenn an einer Schraube gedreht wird, bewegen sich die anderen Schrauben auch – oder sie sollten sich bewegen.» Genau deshalb wäre es auch schwierig, den ganzen Fahrplan beispielsweise um fünf Minuten zu verschieben. «Das System ist so fest ausgereizt, dass wir im Netz mit den heutigen Rahmenbedingungen fast keinen Spielraum mehr haben», sagt er. «Wir wollen unseren Fahrgästen kurze Umsteigezeiten bieten und das Taktfahrplansystem ist zudem auf andere Transportunternehmungen abgestimmt.»

Problem bei SBB bekannt

«Wir kennen dieses Problem», sagt Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB. Für jeden Bahnhof sind sogenannte Mindestumsteigezeiten definiert, innert derer der Fahrgast ohne zu pressieren umsteigen kann. In Aarau beträgt diese vier Minuten. «Alles, was darunter ist, gilt für die SBB nicht mehr als Anschluss.»

Im vorliegenden Fall plant der Fahrplan fünf Minuten ein. Wenn der Zug aus Zürich Verspätung hat, kann dies nicht immer eingehalten werden. «In den Stosszeiten kann es halt zu ein bis zwei Minuten Verspätung kommen und die Anschlüsse sind nicht mehr gewährleistet», sagt er. Er ergänzt, dass die SBB versuchten, Kundenreaktionen über bestimmte Anschlüsse in den neuen Fahrplan aufzunehmen und diesen dementsprechend anzupassen.

Im Gegensatz zur WSB können die SBB manchmal auf die Passagiere von Aarau nach Zürich warten. Pallecchi sagt: «Wenn der Fahrplan es zulässt und wir wissen, dass sich die WSB verspätet, haben wir die Möglichkeit, 60 bis 90 Sekunden zu warten.» Dies werde jedoch situativ entschieden.

Erwin Rosenast sagt, dass die WSB verspätete Anschlüsse abwarte, aber nur, wenn sie im Halbstundentakt verkehrt. Dies ist abends ab 20.40 Uhr und sonntags der Fall. Er bedauert, dass im Bahnhof Aarau zu den Stosszeiten fast kein Durchkommen mehr ist, und sagt: «Diese Herausforderung ist bei AAR bus+bahn und bei den SBB bekannt.»

Anita Geiger und ihr Partner haben nun die Konsequenzen gezogen. Sie werden – unter anderem wegen der mühsamen Pendlerei – ihr Haus in Oberkulm verkaufen und nach Aarau ziehen.

Meistgesehen

Artboard 1