Kantonsspital Aarau

Zu viele Einsprachen gegen Personal-Parkhaus: Jetzt wehren sich die Spital-Mitarbeiter

Dank des 12 Millionen Franken teuren Parkhauses soll es beim KSA netto 465 zusätzliche Parkplätze geben.

Dank des 12 Millionen Franken teuren Parkhauses soll es beim KSA netto 465 zusätzliche Parkplätze geben.

Das geplante Personal-Parkhaus beim Kantonsspital Aarau ist heftig umstritten. Eine Petition der Befürworter bricht nun alle Rekorde.

So heftig und überraschend der Widerstand gegen das geplante Personalparkhaus beim Kantonsspital Aarau (50 Einsprecher) ausfiel, so heftig und emotional reagieren nun die Befürworter: Unter dem Titel «Corona-Heldinnen in Aarau brauchen mehr als Applaus – sie brauchen ein Parkhaus» haben sie eine Petition lanciert.

Nach nur vier Stunden haben sie auf petitio.ch die Grenze der nötigen 200 Unterschriften gesprengt, nach sechs Tagen sind es über 1000 Unterstützer. Die Petition – sie fordert den Aarauer Stadtrat dazu auf, alle Einsprachen abzulehnen – läuft noch bis zum 2. August.

Hinter der Petition steht Reto Bucher, Leiter Beschaffung und Logistik beim KSA, Mitarbeiter mit Herzblut seit 24 Jahren. Deshalb hat er reagiert. Nicht im Auftrag der KSA-Geschäftsleitung, sondern als Mitarbeiter – «als schwer enttäuschter Mitarbeiter».

«Diese Reaktion ist für uns absolut unverständlich»

50 Einwendungen gegen das Parkhaus – das hätte Reto Bucher niemals für möglich gehalten. «Nicht nach den letzten Monaten», sagt er. So wie ihm ginge es auch vielen anderen Betroffenen. Entsprechend formuliert ist auch der Petitionstext: Die Einsprachen gegen das dringend benötigte Parkhaus hätten bei den Mitarbeitenden des KSA grosse Enttäuschung ausgelöst, schreibt Bucher. «Nach den vielen tollen Zeichen der Wertschätzung während der Corona-Krise ist eine solche Reaktion für uns alle absolut unverständlich.» Und nicht nur wegen Corona, sondern ganz grundsätzlich. «Auf so ein Spital sollte man stolz sein und auch die wirtschaftliche Bedeutung erkennen. Wir haben viele regionale Zulieferer und sind einer der grössten und bedeutendsten Arbeitgeber in der Region und im Kanton.»

Beim Lockdown bedankte sich die Bevölkerung beim Spital-Personal mit diesen Bannern. Die KSA-Angestellten, die sich für das neue Parkhaus einsetzen, fordern nun eine «echte Wertschätzung».

Beim Lockdown bedankte sich die Bevölkerung beim Spital-Personal mit diesen Bannern. Die KSA-Angestellten, die sich für das neue Parkhaus einsetzen, fordern nun eine «echte Wertschätzung».

Mit dem Neubau eines Parkhauses mit 465 Plätzen (Kostenpunkt 12 Millionen) möchte das KSA die Parkplatznot bei den Mitarbeitenden lindern, die zu grossem Teil im Schichtbetrieb rund um die Uhr tätig sind. Heute gibt es 400 Plätze für 4500 Angestellte (nebst 475 teuren, nicht KSA-eigenen Besucherparkplätzen). Wer näher als fünf Kilometer wohnt, hat keinen Anspruch auf einen Parkplatz, über 850 Veloabstellplätze sind deshalb auf dem Areal verteilt.

Trotzdem umfasst die Warteliste für einen Parkplatz weit über 500 Personen. Laut Bucher dauert es heute Jahre, bis ein Angestellter einen Parkplatz bekommt. Also behelfen sich rund 200 Mitarbeiter mit Parkplätzen, die sie von Privaten in den angrenzenden Quartieren gemietet haben, weitere 200 suchen Tag für Tag einen Parkplatz im öffentlichen Raum. Wer keinen Platz findet, stellt sein Auto auf einen der Besucherparkplätze – zum regulären Preis von rund 20 Franken pro Tag.

Parkplatznot macht die Personalsuche schwieriger

Die Parkplatznot schwäche das KSA als attraktiven Arbeitgeber, sagt Bucher. Zu schlecht sei die öV-Anbindung des KSA, insbesondere in Randzeiten. «Der Fachkräftemangel zwingt das KSA, auch Mitarbeitende mit längeren Arbeitswegen zu rekrutieren. Im Gegensatz zu anderen Kliniken können wir ihnen keinen Parkplatz bieten, weshalb sich viele für einen anderen Arbeitsort entscheiden», so Bucher. Das Hauptargument der Gegner, – erheblicher Mehrverkehr –, kann er nicht nachvollziehen. «Hätten all die Mitarbeiter, die jeden Tag durchs Quartier fahren oder das Besucherparking belegen, einen Platz im Personalparkhaus, gäbe das keinen Mehrverkehr. Im Gegenteil, es würde das Quartier entlasten.»

Reto Bucher will nicht klein beigeben, er will für sich und die KSA-Mitarbeitenden kämpfen und mit möglichst vielen Unterschriften wiederum ein Zeichen setzen. «Ein Zeichen für echte Wertschätzung.»

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