Alte Kanti
Zu simpel, diese Tasche: So wollen Aarauer Schüler den Jungunternehmer-Final gewinnen

Tasche oder Rucksack? Beides. Mit ihrem 2-in-1-Produkt haben sich die Aarauer Kanti-Schüler von «2simple» für den Final des Jungunternehmerwettbewerbs qualifiziert. Zwei weitere Teams der Alten Kanti gehören ebenfalls zu den besten 25 Teams.

Mark Walther
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Alte Kanti Aarau: 2simplee
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Aus der Tasche wird...
... im Handumdrehen...
... ein Rucksack.

Alte Kanti Aarau: 2simplee

Claudio Thoma

Alex Rivoire zückt die Visitenkarte derart lässig, als täte der 19-Jährige seit Jahren nichts anderes. Dabei ist er erst seit vergangenem August Geschäftsmann. Zusammen mit fünf Klassenkolleginnen und -kollegen der Alten Kanti Aarau – Su Haskaya, Ariane Dorffer, Till Pfister, Jessica Künzli und Nik Niedermann (alle 18) – hat er das Miniunternehmen 2simple gegründet.

Der vorläufige Höhepunkt der noch jungen Firmengeschichte steht kurz bevor: «2simple» hat sich für den Final des Jungunternehmerprogramms von YES (Young Enterprise Switzerland) qualifiziert. Am 25. und 26. Mai dürfen Rivoire und Co. ihre Rucksacktasche an der Messe in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs feilbieten.

3 Aarauer Teams im Final

Von den anfangs 200 Unternehmen haben es nur die besten 25 an die finale Messe geschafft. Darunter finden sich drei Teams der Alten Kanti: Neben «2simple» sind das «Inspicered» mit einem geräucherten Paprikapulver aus Spanien und «SaleHawaiiKum» mit hawaiianischem Vulkansalz. Dem Sieger winkt eine Reise an den europäischen Final Mitte Juli in Belgrad. Die Vormachtstellung der Aarauer Teams ist nicht neu: Die Alte Kanti stellte in den letzten sechs Jahren zweimal das Siegerteam. «2simple» will mit einem 2-in-1-Produkt an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen: Die Tasche lässt sich dank verstellbaren Henkeln mit zwei Handgriffen in einen Rucksack verwandeln. Sie soll den Kunden den Alltag erleichtern, schreiben die Jungunternehmer auf ihrer Website.

Sie legen Wert auf Regionalität: Den Stoff kaufen sie in Aarau. Verarbeiten lassen sie ihn von der Sozialfirma Trinamo, die Erwerbslose und psychisch Beeinträchtigte mit einer Beschäftigung in den Arbeitsmarkt zurückbringen will. «Wir wollen uns mit dem Produktionsort identifizieren können», sagt Haskaya. Knapp 70 Taschen haben sie schon verkauft, von denen eine 69,90 Franken kostet.

Das Projekt dient den Schülern dazu, Erfahrungen als Unternehmer zu sammeln. Es handelt sich aber nicht um ein Spiel. Das Unternehmen ist real, die Arbeit auch. Die Schüler haben einen Businessplan, ein Messekonzept und einen Geschäftsbericht geschrieben, eine Website gestaltet, einen Messestand erstellt – und im Dezember die Tasche auf den Markt gebracht. Das Startkapital, das die Schüler via Partizipationsscheine selber einholen mussten, ist auf 3000 Franken begrenzt.

Vortrag vor 200 Menschen

Die Aarauer Taschenverkäufer treiben ihr Unternehmen auch ausserhalb des Wettbewerbs voran: Sie waren an mehreren Weihnachtsmärkten ebenso präsent wie an der Aargauer Messe Aarau (Ama). An der dortigen Jungunternehmerkonferenz hielten sie einen Vortrag vor rund 200 Menschen – und machten eine allzu reale Erfahrung: Die Technik setzte aus. «Aber wir haben dort gut verkauft», sagt Rivoire.

Für das Team ist klar: Es soll nach dem Ende des Programms im Sommer weitergehen. Entsprechend wollen sie auf sich aufmerksam machen. Werbung auf Instagram und Snapchat soll das Geschäft ankurbeln. Auch über eine Zusammenarbeit mit Influencern, die in den Sozialen Medien über viele Follower verfügen, denken sie nach. Rivoire meldet Ambitionen an: «Wir wollen das Unternehmen so gross wie möglich machen.»

Wie es zur Rucksacktasche kam

Bei der Ideenfindung für ihr Produkt liess sich das Sextett viel Zeit. Der Gewürz- und Nahrungsmittelhandel reizte sie nicht. Die Idee eines faltbaren Bambusbechers verwarfen sie ebenso wie jene des Druckers für Instagram-Fotos. Der erste Prototyp ihrer Tasche geriet dann deutlich zu gross und teuer. Man entschied sich für eine kleinere, simplere Version. Am Produkt tüfteln die Schüler auch jetzt noch: Auf Wunsch von Kunden ergänzten sie die Tasche um eine kleine Innentasche. Derzeit steht zur Debatte, einen Reiss- oder Magnetverschluss anstelle des Kletts zu montieren. Sollte es für den Sieg reichen, wollen sie mit dem besten Produkt an den europäischen Final fahren.

Die letzten zwei Aarauer Teams, die es so weit gebracht haben, sind danach unterschiedliche Wege gegangen: Das Team «Belle Elle», das Armbänder aus Seide verkaufte, löste sich 2014 nach dem Wettbewerb auf. Die «Young Pepper Company», Sieger des Jahres 2016, führte das Geschäft mit rarem Kampot-Pfeffer weiter. «Es läuft besser denn je», schreibt CEO Benjamin Meier. Man habe sogar einen Gewinn verzeichnen können.

www.2simple.ch

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