Die früher in unseren Gewässern häufigen Dohlenkrebse sind gefährdet. Zwei Ursachen sind Gewässerverschmutzungen und Bachverbauungen. Die grösste Gefahr stellen aber eingeschleppte amerikanische Krebsarten dar, die sich fast unaufhaltsam verbreiten.

Damit die einheimischen Dohlenkrebse in unserer Region nicht aussterben, setzen die zuständigen Stellen der Kantone Solothurn und Aargau diese in Gewässern aus, die von den gefürchteten amerikanischen Signalkrebsen nicht besiedelt werden können. Unter der Leitung von Peter Jean-Richard vom Aarauer Bachverein ist das auch am Erzbach in Erlinsbach geschehen.

50 Krebse ausgesetzt

«Im obersten Bereich des Erzbaches haben wir 50 Krebse ausgesetzt», berichtet Jean-Richard. «Mit Beteiligung der Anwohner und Fischer sind die Krebse in einem Bachabschnitt mit vielen Verstecken im Raum Loränzebad entlassen worden.» Die Tiere stammen aus einem Gewässer im nahen Kanton Solothurn.

Gemäss Jean-Richard sind weitere Besatzaktionen in den kommenden zwei Jahren vorgesehen. Danach soll eine Erfolgskontrolle zeigen, ob die Krebse ihre neue Heimat angenommen haben.

«In Gewässern, die von den amerikanischen Eindringlingen besiedelt sind, können sich die einheimischen Arten nicht mehr halten», erklärt Jean-Richard. Die Signalkrebse, die auch in der Aare zu finden sind, dringen in die kleinsten Gewässer vor, die oft die letzten Rückzugsgebiete der einheimischen Arten sind.

Der Erzbach fliesst im Feld zwischen Dorf und Aare in einer Betonschale in den Fluss. Grundsätzlich stellt diese für den aggressiven Signalkrebs kein unüberwindbares Hindernis dar. Jean-Richard befürchtet aber, dass nach der Renaturierung, die im Zusammenhang mit der Konzessionserneuerung für das Aarekraftwerk der IBAarau geplant ist, die Signalkrebse erst recht in den Erzbach vordingen. Eine natürliche Barriere bildet der Wasserabsturz in Erlinsbach.

Sperre für Eindringlinge

«Es ist ein Zwiespalt, der noch nicht gelöst ist», sagt Jean-Richard. «Wenn wir mit der wünschenswerten Renaturierung und Vernetzung der Natur frühere Zustände wiederherstellen, beseitigen wir nicht nur Hindernisse für erwünschte heimische Fische und Krebse.»

Jean-Richard hat dieses Jahr an der Birs ein Projekt betreut, mit dem eine Sperre mit Fallen getestet worden ist, die nur Fische, nicht aber Krebse durchlassen soll. «Das Ergebnis stellt uns noch nicht zufrieden.» Weitere Versuche seien nötig.

Der Signalkrebs ist nicht nur wegen seiner Aggressivität gefürchtet. Amerikanische Krebse sind auch von der Krebspest befallen, die für die einheimischen Tiere tödlich ist. Die von der Pilzerkrankung befallenen Krebse wirken matt und zeigen keinerlei Abwehrreaktion, die Panzer der Tiere zerfallen, häufig fehlen ihnen ganze Gliedmassen.