Bustour durch die Schweiz
Zu Besuch in Aarau: Kanton Genf feiert Beitritt zur Eidgenossenschaft

Mehr als nur Sitz vieler internationaler Organisationen und eines grossen Springbrunnens: Mit einer fahrenden Ausstellung tourt der Kanton Genf durch die Schweiz.

Janine Gloor
Drucken
Teilen
Stadtpräsidentin Jolanda Urech erhält von der Genfer Delegation ein Geschenk. v.l. Ivan Pictet, Rodolphe Imhoof, Cornelio Sommaruga (ehemaliger IKRK-Präsident). JGL

Stadtpräsidentin Jolanda Urech erhält von der Genfer Delegation ein Geschenk. v.l. Ivan Pictet, Rodolphe Imhoof, Cornelio Sommaruga (ehemaliger IKRK-Präsident). JGL

Janine Gloor

Mitten in der Stadt steht der grosse, bunt bemalte Bus. Die Passanten wagen neugierige Blicke, ein Ausrufer versucht mit einer lauten Stimme und einer Trommel, die Schaulustigen anzulocken. Vom Bus geht keine Gefahr aus, in seiner Rede betont Ivan Pictet, Präsident der Fondation pour Genève: «Unser Bus ist kein trojanisches Pferd». Im Gegenteil. Die Delegation aus Genf ist nicht nach Aarau gereist, um die Stadt zu überfallen, sondern um sich zu bedanken.

Mehr als nur der Jet d’Eau

Vor 200 Jahren – 12 Jahre später als der Aargau – ist der Kanton Genf der Eidgenossenschaft beigetreten und darauf sind die angereisten Genfer mächtig stolz. Im Rahmen des 200-Jahre-Jubiläums hat die Fondation pour Genève eine Roadshow auf die Beine gestellt, die zwei Monate lang durch die Schweiz tourt und den restlichen Schweizern den Kanton Genf näher bringen soll.

Den meisten Deutschschweizern dürfte Genf als Sitz internationaler Organisationen und eines berühmten Springbrunnens bekannt sein. Eine Ausstellung informiert über weniger berühmte Facette des welschen Kantons. Beispielsweise, dass 42 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt wird. Comickennern dürfte der Stil der Zeichnungen auf dem Bus bekannt sein, sie stammen vom Genfer Zeichner Zep, der die populäre Comicfigur «Titeuf» ins Leben gerufen hat.

Die Fondation pour Genève will dem Rest der Schweiz zeigen, wie schweizerisch Genf wirklich ist. «Wir sind nicht einfach die letzte Stadt unten am Genfersee», sagt Pictet. Mit 50 Prozent ausländischen Einwohnern sei die Stadt ein Vorbild für Integration und Zusammenarbeit. Vielleicht sei Genf die erste Stadt, fügt er mit einem Lachen hinzu. Die Genfer versuchen mit den Vorurteilen über ihren Kanton aufzuräumen. Doch was wissen sie denn über den Kanton Aargau? Pictet denkt kurz nach und besinnt sich auf seine Schulzeit zurück: «Wir haben gelernt, dass der Aargau der Sitz der Habsburger war.»

Aarau ist die elfte Station der Genfer Roadshow. Die Ansprachen werden alle auf Deutsch gehalten, viele Teilnehmer der Delegation unterhalten sich abwechslungsweise auf Deutsch und Französisch. Der letzte Redner entschuldigt sich am Anfang seiner Ansprache für sein Deutsch und spricht auf Französisch. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer lässt ein bisschen nach.

Wer ist an Verspätung schuld?

Pictet ist bis jetzt sehr zufrieden mit der Tour. Der Empfang sei in kleineren Städten wie Aarau besonders herzlich, da gäbe es gleich ein Fest. Dass die offizielle Zeremonie mit Jolanda Urech und Vertretern der Genfer Delegation statt wie angekündigt um 12 Uhr erst 25 Minuten später beginnt, könnte man gemäss dem Vorurteil mit der welschen Mentalität begründen. Die Romands bestreiten dies jedoch lachend und schieben die Schuld den Deutschschweizern zu. Beim anschliessenden Rüeblirisotto, das von der Stadt offeriert wurde, und einem Gläschen Wein aus Genf werden alle Grenzen des Röstigrabens aufgehoben.