In Gränichen müssen Schulkinder die Kantonsstrasse überqueren, die Hauptachse ins Wynental. Das tun sie beim Fussgängerstreifen vor dem Coop, wo Tempo 40 in 50 übergeht. Seit zwei Jahren sind hier Lotsen im Einsatz. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Lotsen schmeissen die Kelle hin.

Grund dafür ist ein Streit um Geld und Verantwortung. Andrea Rey, Initiantin des Lotsendienstes, fordert von der Gemeinde eine Bezahlung für Personalsuche und Administration. 3300 Franken für rund 80 Stunden Arbeit im Jahr, also gut 40 Franken pro Stunde. Es gehe ihr einerseits um die Wertschätzung, andererseits um die Nachhaltigkeit des Lotsendienstes – damit dieser bestehen bleibe, brauche es auch «eine Motivation, diesen zu übernehmen», schreibt Rey im Namen der «IG Sichere Schulwege Gränichen».

Sie fordert auch, die Gemeinde müsse die Verantwortung für die Schulwegsicherheit übernehmen. Rey: «Ein Anwalt hat gesagt, dass ich bei einem Zwischenfall am Fussgängerstreifen als private Organisatorin rechtlich schutzlos dastehen könnte. Diese Verantwortung will ich nicht länger übernehmen, das ist Sache der Gemeinde.»

Gemeinde nicht in der Pflicht

Der Gemeinderat will jedoch von den Forderungen nichts wissen. Zwar sorgt die Gemeinde für Instruktion und Entschädigung der Lotsen (ca. 7000 Franken pro Jahr). Dies aber freiwillig, wie Ammann Rolf Arber betont. Er findet es zwar «verdienstvoll», dass sich die Einwohner für den Lotsendienst einsetzen. Der Ammann hält aber fest: «Für die Schulwegsicherheit sind die Eltern zuständig, nicht die Gemeinde.»

So steht es auch im Gesetz. Ausnahme: Wenn der Schulweg als unzumutbar gilt, ist die Gemeinde verpflichtet, geeignete Massnahmen für die Sicherheit zu ergreifen und diese zu bezahlen – also zum Beispiel einen Lotsendienst. Laut Arber ist das in Gränichen aber nicht der Fall.

Die Querung der Kantonsstrasse sei zumutbar, das habe die Regionalpolizei der Gemeinde bestätigt: «Erstens gibt es eine Mittelinsel. Zweitens könnten die Kinder auch die etwas weiter entfernt liegende Unterführung nutzen.» Ausserdem führe die Repol im Kindergarten und in der Primarschule regelmässigen Verkehrsunterricht durch.

Soll Gemeinde zahlen?

Nun könnte man meinen, die Gemeinde Gränichen wäre besser beraten, nachzugeben – die 3300 Franken zu zahlen und sich nicht dem Zorn der Eltern auszusetzen. Schliesslich ist es kein Betrag, den sich eine Gemeinde wie Gränichen nicht leisten könnte. Es geht den Gemeindebehörden aber ums Prinzip: Die Querung sei zumutbar, die Gemeinde deshalb weder verantwortlich noch zahlungspflichtig. Dass Private quasi eigenhändig eine neue Teilzeitstelle für die Gemeinde schaffen – das geht nicht, lässt der Ammann durchblicken.

Die Gemeinde erwartet aber auch nicht, dass Rey gratis arbeitet. «Wir haben ihr gesagt, dass sie ihren Zeitaufwand als normalen Lotsendienst verrechnen darf», sagt Rolf Arber. Auch habe ihr angeboten, dass die Finanzverwaltung einen Teil der Lotsen-Administration übernehmen könnte, namentlich die Abrechnung. «Die Gemeindeverwaltung ist personell knapp aufgestellt. Wir können und wollen deshalb die Organisation der Einsatzpläne nicht übernehmen.»

Zum Vorwurf der IG, Lotsen-Organisatorin Andrea Rey könnte bei einem Unfall haftbar gemacht werden, sagt Gemeindeammann Arber: «Das ist nicht erwiesen. Es findet sich immer ein Anwalt, der dies oder das sagt. Wenn die Gemeinde die Administration übernimmt, ist sie auch nicht haftbar, sondern es ist ein Haftpflichtfall zwischen Verursacher und Opfer.»

Derweil hat Andrea Rey beim Regierungsrat Beschwerde eingelegt. Sie will, dass die Zumutbarkeit nochmals geprüft wird: «Bisher wurde nur der Strassenraum angeschaut. Ich fordere aber, dass die Zumutbarkeit aus der Perspektive eines 5-Jährigen geprüft wird, der hier die Strasse überqueren muss.»