Aarau
Zirkel-Dieb Emil Steinberger blieb an Sonntags-Matinee stumm

«Film ab!», hiess das Motto der Sonntags-Matinee, zu der das Stadtmuseum Aarau ins Kino Schloss eingeladen hatte. Leider versagte beim Streifen «Der goldene Zirkel» der Ton, sodass sich das Publikum in die Stummfilmzeiten zurückversetzt fühlte.

Hermann Rauber
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Szene aus dem Film «Der goldene Zirkel» mit Emil Steinberger aus dem Jahre 1971.HO

Szene aus dem Film «Der goldene Zirkel» mit Emil Steinberger aus dem Jahre 1971.HO

Das tat dem Vergnügen keinen Abbruch. Im Werbestreifen der Firma Kern & Co. AG von 1971 flüchtet Ganove Emil Steinberger nach einem Einbruch und dem Diebstahl des Zirkels aus Edelmetall durch den Schachen über die Halde (samt Rangelei im Katzentörli) bis zur Kantonsschule und wieder zurück an die Asylstrasse, bis er verhaftet wird und im Gefängnis landet.

Es handelte sich dabei keineswegs um einen Vorläufer der aktuellen Krimiserie «Der Bestatter» von Fernsehen SRF, sondern um eine spielerische Promotion der damaligen Kern-Produktion. Seit der Gründung 1819 hatte die Firma den Zirkel im Sortiment. Ein Reisszeug aus Aarau beglückte nicht nur Ingenieure, es gehörte auch in den Tornister ganzer Schülergenerationen.

Kern lieferte auch an die Nasa

Leider konnte der Werbefilm von Markus Weyermann, in dem als Laiendarsteller auch der damalige Aarauer Architekt Jules Bachmann einen Auftritt hat, dieses «Kerngeschäft» auf Dauer nicht retten. Die Zirkel-Herstellung musste mit dem Beginn des elektronischen Zeitalters 1986 eingestellt werden, war sie doch unrentabel geworden.

Kern hatte die Finger auch bei den amerikanischen Apollo-Missionen im Spiel. Dank der Schenkung des gesamten Firmenarchivs dieses 1991 endgültig verschwundenen Aarauer Unternehmens verfügt das Stadtmuseum Aarau auch über einen zweiten Film, der einmalige Bilder von der ersten bemannten Mondlandung in der Nacht auf den 21. Juli 1969 zeigt. Denn Kern & Co. AG lieferte damals der Nasa Hochleistungs-Switar-Objektive, die im Weltraum erfolgreich zum Einsatz kamen.

Rolf Käser, ein ehemaliger Kenianer, der in jener Zeit für die Firma in Amerika arbeitete, sorgte im Kinosaal für den lockeren und trotzdem fachmännischen Livekommentar, der vor allem die zahlreichen Jugendlichen im Publikum fasziniert haben dürfte.

Museumsleiterin Kaba Rössler jedenfalls konnte sich trotz vereisten Strassen und Trottoirs am Sonntagmorgen – und trotz der Tonpanne – über einen Grossaufmarsch historisch Interessierter freuen, der Mut für Wiederholungen macht.