Unterentfelden

«Zika», der Vorzeige-Musikant – ehemaliger Präsident verlässt Musikgesellschaft nach 45 Jahren

Fast wäre er Musikant anstatt Bankdirektor geworden. Jürg Ziegler verabschiedet sich nach 45 Jahren aus der Musikgesellschaft. Mit der Gesellschaft werde er sicher in Kontakt bleiben, denn schliesslich «ist ein Leben ohne Musik kein Leben».

Nur für ein paar wenige Jahre wollte Jürg «Zika» Ziegler als 19-jähriger, frisch ausgebildeter Kaufmann dem Murtensee, an dem er aufgewachsen ist, Adieu sagen. Er hatte bei der damaligen Volksbank in Aarau eine Stelle erhalten. Ein paar Jahre im nebligen Rüebliland, dann sollte es zurückgehen in die geschätzte Romandie. Doch aus den wenigen Jahren wurden Jahrzehnte. Jürg Ziegler blieb im Aargau und dafür gab es einen klangvollen Grund: die Musik.

In Murten FR führten die Eltern eine Bäckerei und eine Konditorei. Bereits als Zehnjähriger trat Jürg, dannzumal schon als «Zika» bekannt, in die Kadettenmusik ein. Er spielte die Trompete, und das so bemerkenswert virtuos, dass er sich schon bald zum Spielführer entwickelte. In Aarau wurde er Mitglied der Stadtmusik und seine Begeisterung für den Swing der Bigband-Orchester, denen er bis in die späten Nachtstunden am Radio zu lauschen pflegte, bewegte ihn dazu, Teil des Tanzorchesters «Jumbos» aus Wittnau zu werden.

Im Militär war er Trompeter

«Als Bankangestellter verdiente ich 1000 Franken im Monat. Eine entsprechende Gage erhielt ich allein für vier Auftritte mit dem Tanzorchester», erinnert sich der heute 66-jährige Jürg Ziegler. Kurz liebäugelte er gar mit der Idee, beruflich alles auf die Karte Musik zu setzen. Doch nicht nur der Widerstand der Eltern brachte ihn von diesem Gedanken wieder ab. Bei der Volksbank stieg Ziegler in der Folge bis zum Direktor auf. 1995, nachdem die Volksbank von der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt (SKA) übernommen worden war, machte er sich als Finanzberater selbstständig. Er wohnt heute in Suhr.

Verzicht auf Marschmusik

Die Musik aber blieb stets die grosse Leidenschaft im Leben von Jürg Ziegler. Bis zur Rekrutenschule musizierte er bei der Stadtmusik Aarau, die RS absolvierte er als Trompeter in Bern. Und seine Militäruniform mit den Spiegeln der Militärmusik trug er auch, als er 1973 in einem Wirtshaus Heinz Hunziker begegnete. Der war damals seit fast 20 Jahren Präsident der Musikgesellschaft Unterentfelden, die mit ihren Paradeauftritten an den Marschmusikanlässen bereits grosse Bekanntheit genoss. Hunziker brachte den jungen Kaufmann dazu, dem Korps aus Unterentfelden beizutreten.

«Ja, die Musikgesellschaft Unterentfelden besass schon Anfang der 70er-Jahre einen sehr guten Ruf als mitreissende Unterhaltungsmusik. Das war mit ein Grund für mich, in den Verein einzutreten», sagt Jürg Ziegler.

Nun, 45 Jahre später, findet «Zikas» Laufbahn als Musikant mit den bevorstehenden Jahreskonzerten der Musikgesellschaft Unterentfelden ihr Ende. Ganz freiwillig kommt dieser Abschied nicht. Bereits seit vier Jahren muss er wegen einer Verletzung am Oberschenkel auf ein Mitwirken bei der Marschparade verzichten. Im Gespräch mit Jürg Ziegler merkt man, dass ihn diese erzwungene Abstinenz besonders wehmütig macht und wohl ein gewichtiger Auslöser für die Entscheidung war, mit dem Musizieren aufzuhören.

Grundsätzlich jedoch stimmt ihn der Abschied von der Musikgesellschaft nicht traurig. Alles hat seine Zeit, so kann man die Worte von Jürg Ziegler zusammenfassen. Für ihn beginne nun ein neuer Lebensabschnitt. Er habe vor, vermehrt in Grindelwald Skifahren zu gehen. Ausserdem hat er im vergangenen Sommer angefangen, Golf zu spielen. «Wenn man Mitglied in einer Musikgesellschaft ist, dann verzichtet man halt auch auf einiges.»

Jubiläumsfest war Höhepunkt

Vor fünf Jahren wurde Jürg Ziegler vom Aargauischen Musikverband zum kantonalen Ehrenveteranen gekürt. In fünf weiteren Jahren nur wäre die Auszeichnung zum CISM-Veteranen hinzugekommen. Doch das ist für ihn kein Grund, weiterzumachen. «Auszeichnungen haben mir noch nie etwas bedeutet. Die sind für mich ein alter Zopf.»

Von 1990 bis 2001 präsidierte Jürg Ziegler die Musikgesellschaft und legte während seiner Amtszeit insbesondere Wert auf die Nachwuchsförderung. «Wir haben es in Unterentfelden stets geschafft, junge Menschen für die Blasmusik zu begeistern.» Dafür sei es nötig, so Ziegler, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen. «Man muss die Zügel auch einmal etwas lockerer lassen und soll keine Angst haben, ihnen Verantwortung zu übertragen.» Wichtig war ihm auch der respektvolle Umgang mit den schwächeren Musikanten. «In einer Musikgesellschaft braucht es jeden, nur gemeinsam kann man etwas erreichen. Da spielt es auch keine Rolle, was einer für einen Status ausserhalb der Musig hat.»

Grosser Höhepunkt seiner Musikantenlaufbahn war das 125-Jahre-Jubiläumsfest der Musikgesellschaft Unterentfelden im Jahr 2014. Er, der als Kassier auch für den Tennisclub Teufenthal, für den EHC Aarau und für den Aargauischen Blasmusikverband tätig war, konnte dank seiner Kontakte viele Sponsorengelder generieren. «Es war ein grossartiges Fest.»

Mit der Musikgesellschaft Unterentfelden werde er sicher in Kontakt bleiben, sagt Jürg Ziegler, denn schliesslich «ist ein Leben ohne Musik kein Leben».

Jetzt noch die Jahreskonzerte

Ihre Jahreskonzerte präsentiert die Musikgesellschaft Unterentfelden am Samstag, 12. Januar, am Freitag, 18. Januar, sowie am Samstag, 19. Januar, jeweils um 20 Uhr in der Halle Bächliweg. Das Programm bietet unter anderem einen Querschnitt durch das Schaffen des US-Komponisten Leroy Anderson. Insbesondere für das Freitagskonzert sind noch Karten vorhanden und auch für die Samstagskonzerte sind einzelne Tickets erhältlich.

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