Das Reformationsjahr ist vor Kurzem zu Ende gegangen — das Stück «Quasimodo, Tumult in Genf», das während der Reformation spielt, könnte aktueller aber kaum sein: Im Zentrum steht nämlich das Recht der Frau.

Die Geschichte, die am Mittwoch, Freitag und Samstag in der Stadtkirche Aarau aufgeführt wird, handelt für einmal von zwei Frauen – die eine katholisch, die andere reformiert –, die während der Reformation in Genf mitgemischt haben. Die beiden konnten sich zwar gegenseitig nicht ausstehen und beschimpften sich aufs Übelste. Sie kämpften jedoch selbstbewusst, jede auf ihrer Seite, für die moralische Gleichwertigkeit der Frau.

Frauen im Fokus

Initianten des Theaterprojekts sind die Pfarrerin der reformierten Kirche Aarau Dagmar Bujack und der Theaterregisseur Heinz Schmid aus Rombach. 2015 fingen sie bereits mit der Planung des Stücks an. «Wir wussten, dass wir etwas über die Reformation machen wollten», sagt Heinz Schmid. Dabei hätten sie sich auf die Suche nach Frauenfiguren während dieser Zeit gemacht. Geschichten über Männer wie Luther, Calvin oder Zwingli hätte es bis dahin zuhauf gegeben – weibliche Reformatorinnen aber seien rar gewesen.

Bujack und Schmid sind auf Jeanne de Jussie (1503 – 1561) und Marie Dentière (1490 – 1560) gestossen. Letztere war ihrer Zeit voraus und hat sich dafür starkgemacht, dass auch Frauen predigen dürfen. De Jussie, eine Klarissin aus dem Genfer Frauenkonvent an der Place du Bourg-de-Four, konnte Dentière keine guten Seiten abgewinnen. De Jussie bezeichnete Dentière als falsche Äbtissin voller Falten und einem diabolischen Mundwerk. Da es über den Zwist zwischen Jeanne und Marie und die weiblichen Reformationsbemühungen noch kein geschriebenes Theaterstück gab, hat die Kirchgemeinde Aarau die Schriftstellerin Claudia Storz mit dem Schreiben der Geschichte beauftragt.

Inspiration in Holland und Genf

Claudia Storz las für die Recherche unter anderem die Chroniken – 500 Jahre alte Texte –, reiste nach Genf ins Reformationsmuseum und liess sich von Bildern Hieronymus Boschs in Holland inspirieren. Diese Bilder, die während der Zeit der Reformation entstanden sind, werden während den Aufführungen am 17. / 19. und 20. Januar an die Wände der Kirche projiziert. Storz hat viel Zeit in die Konzeptarbeit gesteckt. Nach neun Monaten hatte sie eine erste Fassung des Stücks. Ab dann hat sie es mit Theaterregisseur Heinz Schmid weiterentwickelt.

Als die Geschichte gestanden sei, kam die nächste Herausforderung: «Die Kirche ist als Bühne akustisch und visuell schwierig zu bespielen», sagt Storz. Sie hätten sich etwas einfallen lassen müssen, damit jeder Zuschauer von seinem Platz aus etwas sehen und hören könne. So entstand ein «Collage-artiges Stück» mit Schauspielern, Bänkelsänger, Orgelspieler, Tänzern und einem Chor. Das Stück sei einfach zu verstehen und für jeden habe es etwas dabei. «Toll ist auch, dass es bisher noch gar kein Stück über Marie Dentière gegeben hat», so die Schriftstellerin.

Intensive Probetage

Rund 50 Personen sind bei der Theaterproduktion in der Kirche zu sehen und zu hören. Darunter etwa 25 Schauspieler und 25 Sängerinnen und Sänger der Kantorei der Stadtkirche Aarau. In der Hauptrolle spielen Anna Byland als Marie Dentière, Jessica Zybach als Jeanne de Jussie und Irina Hess als Roberte, die Tochter von Dentière.

Es liegen intensive Probetage hinter den Mitwirkenden. Während den Weihnachtsferien und übers vergangene Wochenende hat man noch einmal geübt und geprobt, was das Zeug hält. Die Hauptproben waren zum einen gestern und gehen heute Abend über die Bühne. «Es kommt sehr gut», freut sich Pfarrerin Bujack, die selbst eine Rolle als Nonne innehat.

Aufführungen in der Stadtkirche Aarau: Mittwoch, 17. Januar, Freitag, 19. Januar und Samstag, 20. Januar 2018 jeweils um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei (Kollekte).