Aarau
Zentrum-Präsident: «Altstädte sind Notstandsgebiete»

Die Vereinigung der Fachgeschäfte Zentrum Aarau macht Druck. Seit den Konferenzen zur Altstadtentwicklung mischt Präsident Marcel Suter mit Engagement mit. Noch bevor der Stadtrat als Ergebnis der Konferenzen das Planungsinstrument «Konzeption Altstadt» öffentlich gemacht hat, machte Suter die «Altstadtentwicklung» zum kantonalen Thema.

Hubert Keller
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Um die Aarauer Altstadt zu entwickeln, braucht es laut Zentrum-Präsident Suter die Zusammenarbeit aller Player vor Ort.

Um die Aarauer Altstadt zu entwickeln, braucht es laut Zentrum-Präsident Suter die Zusammenarbeit aller Player vor Ort.

zvg

In einem Brief an Regierungsrat Urs Hofmann stellte Suter fest, dass die Aargauer Kleinstädte bei Besucherinnen und Besuchern zwar als attraktiv und sehenswürdig bezeichnet werden, insgesamt für das Gewerbe aber ein schweres Pflaster darstellen. Er fordert deshalb , dass die für den Kanton typischen Kleinstädte mit historischen Stadtkernen von «Notstandsgebieten» zu «Wirtschaftsfaktoren» aufgewertet werden. Regierungsrat Urs Hofmann, notabene ein waschechter Aarauer, hat bestätigt, dass er sich dem Anliegen nach den Sommerferien widmen wolle.

Im Auftrag der Vereinigung Zentrum Aarau hat Peter Kotz von der Firma Interurban AG die Chancen für den Detailhandel und andere gewerbliche Betriebe in der Innenstadt (Altstadt und Neustadt) untersucht. Das Ergebnis dieser Analyse wurde zuhanden der Kantonsregierung auch Staatsschreiber Peter Grünenfelder übermittelt, um (Zitat Suter) «ein vom Kanton koordiniertes Vorgehen anzuschieben».

Alle Akteure im gleichen Boot

Der Stadtrat hat sich für ein Szenario entschieden, das in der Altstadt einen verträglichen Mix der Nutzungen anstrebt und dem Schutz der Wohnqualität angemessen Rechnung trägt: «Eine räumliche Differenzierung der Lärm-Empfindlichkeitsstufen muss geprüft, alternative Standorte für die lärmintensive Clubszene sollen vorgeschlagen werden.» Vorgesehen ist zudem der Aufbau einer webbasierten Informations-Plattform, ein Service, der ansässige Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Geschäftsziele und bei der Suche von Standorten helfen soll.

Marcel Suter ist skeptisch, ob es gelingt, die lärmige Partyszene in neue Standorte zu bringen. Als Vertreter der Detaillisten will er sich mit solchen Fragen aber nicht aufhalten.

Der Stadtrat will mit dem vorgeschlagenen Szenario die Nutzung der Altstadt am Tag verstärken und deren Qualität verbessern. Das ist im Interesse der Detaillisten, denn sie machen – zusammen mit den Gastronomen – die Stärke der Tagesnutzung aus.

Um die Altstadt zu entwickeln, braucht es laut Zentrum-Präsident Suter die Zusammenarbeit aller Player vor Ort: Handel und Gewerbe, Standortmarketing, Bewohnerschaft, Hausbesitzer und Stadt mit dem Stadtbauamt und der neu besetzten Wirtschaftsfachstelle. «Das Zusammenspiel aller Player muss funktionieren.» Marcel Suter erwartet vom Stadtrat, dass er die Privatinitiative im Rahmen der Altstadtentwicklung nicht nur akzeptiert, sondern auch fördert.

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