Urteil
Zehn Monate: Drögeler überfiel mit Signalpistole Arztpraxis

Das Bezirksgericht Aarau hat einen 40-Jährigen zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Mit einer Signalpistole hatte er in einer Arztpraxis die Herausgabe eines Betäubungsmittels verlangt.

Sebastian Wendel
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Mit einer Signalpistole hatte der 40-Jährige die Herausgabe eines Betäubungsmittels verlangt. (Symbolbild)

Mit einer Signalpistole hatte der 40-Jährige die Herausgabe eines Betäubungsmittels verlangt. (Symbolbild)

Keystone

Der Angeklagte E. stritt nicht ab, dass er sich strafbar gemacht hatte. Er gab zu, am 26. Dezember 2007 im Sprechzimmer der Arztpraxis von H. am Badergässli in Aarau von diesem die Herausgabe des Betäubungsmittels Dormikum verlangt zu haben. «Die Dosierung, die E. verlangte, war viel zu hoch», gab H. an. Nachdem E. erfuhr, dass er auf normalem Weg keinen Stoff erhalten würde, zückte er plötzlich eine Signalpistole und hielt sich diese drohend an den Kopf.

Schuss in Richtung Wartezimmer

Doch erst als er einen Schuss in Richtung des angrenzenden Wartezimmers abgab reagierte der Arzt. Sofort händigte H. dem Angeklagten die geforderte Dosis der Ersatzdroge aus. Der Zufall wollte es, dass durch den Querschläger niemand verletzt wurde. Nur an der Zimmerdecke und am Boden gab es Brandspuren.

Die Signalpistole habe er sich von seinem Vater geliehen, der Hobbysegler ist und eine solche auf See mit sich führen muss. «Ich habe geahnt, dass ich das Dormikum nicht bekomme. Darum habe ich die Pistole mitgenommen», erklärte E. Er warf H. vor, nicht Wort gehalten zu haben. «Er versprach mir im Voraus am Telefon das Medikament.»

Der Angeklagte machte sich in der Vergangenheit in weiteren Fällen schuldig. E. entwendete im September 2009 im Kantonsspital Baden leere Medikamentenrezepte und einen Stempel, um damit in Apotheken Dormikum zu beziehen. Er konnte sich das bei zu hoch dosierter Verwendung abhängig machende Medikament nicht leisten und wollte die Krankenkasse dafür bezahlen lassen.

Eingliederungsprojekt als letzte Chance

Anstatt abzustreiten, baten E. und sein Verteidiger das Gericht um den Aufschub des Strafvollzugs. E. absolviere zurzeit ein Programm zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt und einen länger andauernden Drogenentzug. «Das Eingliederungsprojekt und der Entzug bieten mir die letzte Chance, mein Leben doch noch in einigermassen geregelte Bahnen zu lenken», sagte E., «sollte ich jetzt sofort wieder ins Gefängnis müssen, wäre der Aufbau der letzten Monate wertlos.

Der Angeklagte versicherte dem Bezirksgerichtspräsidenten Thomas Müller, dass er sich nach etlichen Vorstrafen in der Vergangenheit inzwischen gebessert habe.

Die Richter erhörten die Bitten des Angeklagten und seines Verteidigers zumindest teilweise. Sie verurteilten E. unter anderem wegen Gefährdung des Lebens und Urkundenfälschung zu zehn Monaten Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 100 Franken. So hatte es auch die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift gefordert. Die Haftstrafe muss er erst nach Beendigung des erwähnten Wiedereingliederungsprojekts und des Entzugs antreten. Bis dahin wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.