Trinkwasser

XXL-Reservoir im Gönhard-Wald: Ein Jahrhundertprojekt, bei dem so einiges schief läuft

In Aarau verzögert sich die Inbetriebnahme des 8,6-Mio-Projektes im Gönhard-Wald. Das Trinkwasserprojekt macht schon wieder Probleme.

Ein Trinkwasser-Reservoir in dieser Grössenordnung ist im Aargau noch nie gebaut worden. «Ein Jahrhundertprojekt», wie die Bauherrin Eniwa sagt. Aber auch eines, bei dem vieles schiefläuft: Die Inbetriebnahme hätte schon im Sommer letzten Jahres sein sollen. Doch es gab verschiedene Verzögerungen, zuletzt wegen Corona. Und jetzt, kurz vor der Einweihungen, eine Leckage. Noch kann die Eniwa keine Angaben über die Kosten der Schadensbehebung machen. «Die aktuellen Schätzungen liegen im tiefen sechsstelligen Bereich», erklärt Eniwa-Kommunikationschefin Sandra Bläuer. Als neuer Termin für die Inbetriebnahme des Reservoirs Gönhard wird «Herbst 2020» angegeben.

Die Hinterfüllung wieder abtransportiert

Schon seit Wochen können Spaziergänger den Höhenweg zwischen dem Aarauer Forstwerkhof (auf dem Distelberg) und dem Waldhaus wegen eines Fussgänger-Verbots nicht mehr benutzen. Regelmässigen Waldgängern ist aufgefallen, dass die Erde, mit der das Reservoir eingedeckt worden ist, wieder abgetragen und einige hundert Meter auf die Zwischendeponie Goldern abtransportiert worden ist. Auf beiden Seiten des Reservoirs klaffen Löcher, in denen dicke Leitungen zu sehen sind. Gestern waren diejenigen auf der Ostseite bereits ersetzt, im Westen tröpfelte noch immer Wasser. Aus betrieblichen Gründen wird die Instandstellung hier voraussichtlich erst im September erfolgen.

Plötzlich hatte es Sickerwasser

«Es ist richtig, dass kurz nach Fertigstellung der Bau- und Montagearbeiten ein Schaden entdeckt wurde», bestätigt Bläuer die Leckage. In einer Sickerleitung sei unerwartet Wasserfluss festgestellt worden. «Nach Freilegung einer vom Reservoir abgehenden Leitung Richtung Westen konnte die Ursache für den Wasserfluss gefunden werden. Dabei handelt es sich um eine undichte Flanschverbindung zwischen Zuleitung und Schieberhaus», so Bläuer. Aus Sicherheitsgründen sei danach auch die gegenüberliegende Seite geprüft worden. «An zwei abgehenden Leitungen beidseitig des Reservoirs sind Nacharbeiten nötig.» Im Osten sind diese bereits weit fortgeschritten: Die Hauseinführung mit Flanschstelle ist erneuert und die Zuleitung nochmals zusätzlich mit einem Betonfundament, einem Untergrund als Stütze, unterlegt worden.

Ursprünglich sollte das Gesamtprojekt inklusive einer zweiten Zuleitung und dem Rückbau von drei alten Reservoirs 8,6 Millionen Franken kosten (AZ vom 23.11.2017). Wer jetzt für den Schaden aufkommt, ist noch offen. Klar ist: Die beiden neuen Reservoirkammern sind nicht betroffen. «Sie wurden mehrfach geprüft und sind zu 100 Prozent dicht», sagt Sandra Bläuer.

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