Aarau
Wütende Diskussion um Asylbewerber – Junge planen Rückeroberung der Zurlindeninsel

Rund um die Asylbewerber auf der Aarauer Aareinsel gehen die Emotionen hoch. Im Chat rufen junge Aarauer zur «Rückeroberung» auf.

Sabine Kuster und Ueli Wild
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Offenbar fühlen sich etliche Aarauer ihrer Insel beraubt.

Offenbar fühlen sich etliche Aarauer ihrer Insel beraubt.

Pascal Meier

Sie stören massiv. Diesen Eindruck bekommt, wer die zahlreichen Kommentare zum az-Artikel vom Dienstag über die Asylbewerber auf der Aarauer Zurlindeninsel liest. Zum Beispiel diesen: «Ich wohne gleich nebenan im Scheibenschachen Quartier und meide am Abend diese Insel», schreibt eine Frau. «Ich wurde bereits mehrmals angepöbelt und verfolgt! Daher wähle ich das kleinere Übel und nehme auf dem Nachhauseweg jeweils den Umweg über die Kettenbrücke ... soweit sind wir schon!»

Eine weitere Frau relativiert: «Man muss wissen, dass auch Schweizer Abfall liegen lassen, sich regelmässig betrinken und dann Randale machen. In der Nähe von denen fühle ich mich genauso unsicher.» Und einer meint: «Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann? Denkt euch doch einfach die Hautfarbe weg und stellt euch vor, es seien einfach Menschen, die gerne an einem schönen Ort die Sonne geniessen.»

Geht es auf der Zurlindeninsel um die Hautfarbe? Tatsache ist, dass sich offenbar etliche Aarauer ihrer Insel beraubt fühlen, weil es ihnen dort nicht mehr wohl ist.

Die Asylbewerber geniessen die Zurlindeninsel wie alle. Doch nun fühlen sich die Aarauer hier nicht mehr wohl.

Die Asylbewerber geniessen die Zurlindeninsel wie alle. Doch nun fühlen sich die Aarauer hier nicht mehr wohl.

Henrik Furrer

Auf einem Chat rufen junge Aarauer deshalb nun zur «Rückeroberung» der Insel auf. «Jodel» heisst der Chat, den man sich als App runterladen kann und die – anonymen – Teilnehmer automatisch regionalen Chats zuordnet. Im «Jodel» über Aarau schrieb nach dem az-Artikel einer: «Jetzt längts! Wer chunnt am Samstigobe uf Zurindeinsel?» Den Asylanten wolle man zeigen, dass sie ihren «Güsel» selber aufräumen sollen. «D Bevölkerig sell die Insle wieder vermehrt benütze».

Stattfinden soll die Aktion am Samstag in einer Woche um 19 Uhr. Und sie soll friedlich sein. Als im Chat der Ruf nach Pfeffersprays laut wird, antwortet ein Teilnehmer: «Händ er alli angst? Ha mi eigetli uf en chillige Obe und Rückeroberig vo de schöne Insele gfreut.» Ein provokativer Event soll es nicht werden, sind sich die Teilnehmer schliesslich einig.

Regina Jäggi, die für die öffentliche Sicherheit zuständige Stadträtin, sagt, bei ihr seien keine Reaktionen eingegangen. Von der geplanten «Rückeroberung» der Insel hört sie zum ersten Mal. Unter Umständen, je nachdem, was genau abgeht, lässt sie durchblicken, könnte die Veranstaltung vom Samstag nächster Woche bewilligungspflichtig sein.

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